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Der Tätowierer, der Armstrongs Sturz auslöste

Weil er Lance Armstrong bewunderte, beschloss Kayle Leogrande, Radprofi zu werden. Ein Entscheid mit schweren Folgen für sein inzwischen tief gefallenes Vorbild.

«Ohne ihn hätte die Armstrong-Untersuchung vielleicht gar nie stattgefunden»: Kayle Leogrande.
«Ohne ihn hätte die Armstrong-Untersuchung vielleicht gar nie stattgefunden»: Kayle Leogrande.
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Lance Armstrong regierte das Peloton während seiner Karriere im Stil eines Sonnenkönigs. Er war der grosse Star, gleichermassen bewundert wie gefürchtet. Und so wird sich der Texaner auch kaum an jenen Tag vor sieben Jahren erinnern, als er an einem Rennen in Kalifornien einen gewissen Kayle Leogrande traf. Die Ironie des Schicksals ist aber, dass ausgerechnet Leogrande – heute 35 Jahre alt und Inhaber eines Tattoostudios – unfreiwillig den Startschuss zur grossen Jagd auf Armstrong gab.

Aber der Reihe nach: Leogrande, der mit 17 seine Laufbahn als Rad-Junior beendet hatte, sah 2004, wie Armstrong auf souveräne Weise die Tour de France gewann – er war fasziniert und entschied sich, es noch einmal mit dem Leistungssport zu versuchen. Ein Jahr später hatte er einen Profivertrag in der Tasche, zwei Jahre später kaufte er zum ersten Mal Epo, das verbotene Wundermittel, das die Konzentration der roten Blutkörperchen steigert und so für eine bessere Versorgung der Muskeln mit Sauerstoff sorgt.

Obwohl er anfing, regelmässig Epo zu nehmen, wurde Leogrande nie positiv getestet. Als er nach einem Rennen im Juli 2006 eine Probe abgeben musste, fürchtete er aber, er könnte erwischt werden, und vertraute sich einer Betreuerin seines Teams an. Diese wandte sich darauf an die US-Antidoping-Agentur (Usada). 2008 wurde Leogrande als erster Radprofi aufgrund sogenannter nicht analytischer Beweise gesperrt. Die Betreuerin und der ehemalige Profi Joe Papp, der ihn einst mit Epo versorgte, hatten gegen ihn ausgesagt.

Dann stand der Dopingjäger vor der Tür

Kurze Zeit nach der Suspendierung musste Leogrande aus seinem Mietshaus ausziehen. Im Kühlschrank vergass er eine Box mit Epo, die er trotz wiederholter Aufforderungen durch die Vermieterin nicht abholte. Schliesslich rief die Frau die Drogenbehörde an – und eine Tages stand der profilierte Dopingjäger Jeff Novitzky vor der Tür von Leograndes neuem Zuhause.

Der Sünder packte aus und bestärkte Novitzky in seiner Vermutung, dass auch der Dominator Armstrong nicht sauber war. «Ich habe ihm gesagt: Er bestreitet diese barbarischen Radrennen in Europa. Wenn Sie ein Fahrer auf diesem Level wären, was würden Sie tun?», schilderte Leogrande das Treffen gegenüber der «New York Times».

Travis Tygart, der Chef der Usada, erklärte gegenüber der Zeitung, der Fall Leogrande habe eine Serie von Schritten ausgelöst, welche die Ermittler schliesslich zu Armstrong und dessen US-Postal-Rennstall führten. «Ohne Leogrande hätte die Armstrong-Untersuchung vielleicht gar nie stattgefunden», glaubt er.

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