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Die Angst fährt mit

Marlen Reusser plant an der WM in England drei Starts.

Wie an der SM möchte Marlen Reusser auch an der WM eine Medaille gewinnen.
Wie an der SM möchte Marlen Reusser auch an der WM eine Medaille gewinnen.
Keystone

2019 war das Jahr des Durchbruchs: Marlen Reusser hat ihren Job als Ärztin aufgegeben und voll auf den Radsport gesetzt. Im Frauenteam des Weltverbandes UCI fand sie Unterschlupf.

Das professionellere Umfeld bewährte sich: Sie gewann in Slowenien erstmals ein Zeitfahren der höchsten Stufe. An den European Games in Minsk kam dann der vorläufige Höhepunkt mit der Goldmedaille im Zeitfahren.

Von Weissrussland ging es für die Emmentalerin aus Hindelbank direkt an die Schweizer Meisterschaften. Sowohl im Zeitfahren (trotz Sturz) wie auch im Strassenrennen war sie im Juni nicht zu bezwingen.

Rückschläge erlitten

Aber Reusser musste erneut Rückschläge einstecken. Schon 2018 war sie schwer gestürzt und hatte sich einen Beckenbruch zugezogen. Erst kurz vor der WM war sie damals wieder fit geworden und erreichte immerhin Rang 17.

Dieses Jahr bremste sie im Frühling ein Sturz in Luxemburg, der mit einer Hirnerschütterung noch relativ glimpflich ausging. Ende Juli stürzte sie kurz vor den Europameisterschaften erneut.

Dabei brach sie sich das Kreuzbein. An einen Start in den Niederlanden war nicht zu denken. Trotz den Rückschlägen reicht es aber wie 2018 auch 2019 wieder knapp für die Weltmeisterschaften.

«Einmal mehr war die WM-Vorbereitung nicht ganz perfekt», weiss Reusser. «Spezifische Trainings konnte ich nicht mehr absolvieren. Immerhin bin ich schmerzfrei.»

Heute, an ihrem 28. Geburtstag, fliegt Reusser nach England. Die WM beginnt für sie am Sonntag mit dem Teamzeitfahren. Beim neuen Format starten je drei Frauen und drei Männer; zu diesen gehört überraschend auch der 20-jährige Joel Suter aus Wengi bei Frutigen.

Reussers Hauptziel ist indes das Einzelzeitfahren am Dienstag. «Ich kenne die Strecke. Sie ist kurvig und beinhaltet Aufstiege wie auch krasse Abfahrten.» Rangvorgaben nennt sie aufgrund des ungewissen Formstandes keine.

«Ich will einfach meine beste Leistung abrufen», hält sie diplomatisch fest. Aber natürlich liebäugelt sie für sich mit einer Medaille. Doch wie auch immer das Resultat sein wird, wird Reusser konstatieren können: «Ich hatte eine extrem gute Saison.»

Neues Team 2020

Man kenne sie mittlerweile im Feld der Fahrerinnen. «Überrascht hat mich jedoch vor allem, wie viele Teams plötzlich an mir interessiert sind.» Deshalb ist schon jetzt klar: Reusser wird nächstes Jahr neu für ein ausländisches Team fahren und dabei mehr verdienen als die momentan 400 Franken Sackgeld pro Monat.

Damit hofft sie, ihr Umfeld weiter professionalisieren zu können, um dann für die Olympischen Spiele in Tokio gewappnet zu sein.

Vorerst aber gilt das Augenmerk der WM, und da wird sie am nächsten Samstag auch das Strassenrennen bestreiten. Im Feld ist ihr immer leicht unwohl, denn die Unfälle haben Spuren hinterlassen: «Die Angst fährt bei mir immer mit, das wird sich wahrscheinlich nie ändern.»

Neben Reusser und Suter sind mit den U-19-Athleten Noëlle Buri (Oberburg) und Elia Blum (Grossaffoltern) weitere Berner in Yorkshire. Im Fokus steht Marc Hirschi, der als Rookie eine tolle Saison auf der World Tour absolviert.

Der Ittiger wird als amtierender U-23-Weltmeister in der Nachwuchskategorie das Zeitfahren, bei den Profis jedoch das Strassenrennen bestreiten.

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