Kampf um Millimeter

Der Kolumbianer Rigoberto Uran hat an der Tour de France die ereignisreiche 9. Etappe gewonnen, die über drei schwere Pässe führte und einige prominente Sturzopfer forderte.Chris Froome behauptete sich derweil als Leader.

Fotofinish: Rigoberto Uran (rechts) setzt sich im Sprint gegen Warren Barguil (Mitte) und Leader Chris Froome (links) durch.

Fotofinish: Rigoberto Uran (rechts) setzt sich im Sprint gegen Warren Barguil (Mitte) und Leader Chris Froome (links) durch.

(Bild: Keystone)

Erstmals seit sechs Jahren standen gleich drei schwere Übergänge der höchsten Kategorie im Programm einer Tour-de-France-Etappe. Und es wurde tatsächlich ein harter Tag. Auf den 181,5 km zwischen Nantua und Chambéry, dem neunten Teilstück der diesjährigen Tour, spielten sich dramatische Szenen zuhauf ab.

Den Schlusspunkt bildete die Entscheidung um den Etappensieg. Der Franzose Warren Bar­guil hatte nach dem Zielstrich den Arm gehoben, da er sich als Sieger wähnte. Doch das Zielfoto zeigte ein anderes Ergebnis: Rigoberto Uran hatte Barguil noch um Reifenbreite abgefangen und errang so seinen dritten Sieg an einer grossen Rundfahrt, nachdem er im Giro d’Italia 2013 und 2014 je einmal zugeschlagen hatte.

Man hätte es allerdings auch Barguil gegönnt. Der Mann aus der Bretagne hatte schon zu einer vierzig Fahrer umfassenden Spitzengruppe gehört, die sich in der Startphase gebildet hatte und im weiteren Verlauf immer mehr ausdünnte. Am Mont du Chat, dem letzten grossen Hindernis des Tages, setzte sich Barguil alleine ab.

Als Einziger der ursprünglichen Flüchtlinge hielt er sich an dieser Rampe vor der Gruppe mit den Favoriten um Chris Froome, doch sein Vorsprung von nur noch 20 Sekunden war zu gering dafür, auf den restlichen 26 km zu bestehen.

Portes verhängnisvoller Sturz

In der technisch anspruchsvollen Abfahrt ereignete sich das grösste Drama des Tages. Richie Porte, von vielen als härtester Gegner von Froome um den Sieg an der Tour de France eingestuft, kam von der Strasse ab und knallte heftig in eine mit Fels durchsetzte Böschung. Der Ire Daniel Martin stürzte über den Australier, konnte aber die Fahrt fortsetzen.

Porte dagegen zog sich eine Hirnerschütterung und ein Beckentrauma zu und musste mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden. Ebenfalls in einen Sturz verwickelt wurde Geraint Thomas, der bisherige Gesamtzweite und wichtige Helfer im Team von Chris Froome. Der Waliser musste die Tour wegen eines Schlüsselbeinbruchs aufgeben, nachdem er in der Abfahrt vom Col de la Biche auf einer leicht nassen und rutschigen Strasse zu Fall gekommen war.

Gewinnen konnte man die Tour in den Savoyer Alpen nicht, verlieren hingegen schon. Neben Porte und Thomas traf diese Erkenntnis auch auf die sportlichen Verlierer zu. Der Kolumbianer Nairo Quintana beispielsweise büsste über eine Minute ein und liegt nun in Gesamtwertung als Achter bereits 2:13 Minuten zurück. Lilian Calmejane, der Sieger der Etappe vom Samstag, konnte seinen Exploit übrigens nicht wiederholen und kam mit über einer halben Stunde Rückstand ins Ziel.

Den heutigen Tag nutzt der Tour-Tross zum Transfer in den Südwesten, wo am Dienstag und am Mittwoch zwei Flachetappen anstehen.

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