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Vier Freunde in Malaga

Das Berner Rad-Trio Marc Hirschi, Joel Suter und Joab Schneiter sowie der Aargauer Manuel Zobrist bereiten sich in Spanien auf die neue Saison vor. Sie bilden in Malaga eine unkomplizierte WG.

Joab Schneiter, Marc Hirschi, Manuel Zobrist und Joel Suter (v.l.) trainieren in Spanien.
Joab Schneiter, Marc Hirschi, Manuel Zobrist und Joel Suter (v.l.) trainieren in Spanien.
pbt
Die vier teilen sich in Malaga eine Wohnung.
Die vier teilen sich in Malaga eine Wohnung.
pbt
Am 23. Dezember trennen sich die vier Freunde und verlassen Malaga.
Am 23. Dezember trennen sich die vier Freunde und verlassen Malaga.
pbt
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Wer das Apartamento 9d betritt, kommt zwar nicht in einen Fahrradladen. Doch schon die Veloschuhe beim Eingang, die Pumpe im Wohnzimmer, die Velo-kleider in der Küche oder spätestens die vier Rennräder auf dem Balkon verraten, dass hier Radfahrer logieren.

Die 21-jährigen Berner Marc Hirschi, Joel Suter und Joab Schneiter sowie der ein Jahr ältere Manuel Zobrist aus Rupperswil teilen sich die Wohnung im Stadtzentrum von Malaga.

Die vier bereiten sich gemeinsam auf die neue Saison vor. Aber sie bezeichnen sich nicht als Trainingsgemeinschaft. «Wir sind Freunde», betont Hirschi. Entsprechend funktioniert das Zusammenleben auf engem Raum problemlos. Suter spricht vom «Miteinander», Zobrist erwähnt die «lustige Stimmung». Schneiter bestätigt beides.

Wobei der Jugendfreund von Hirschi, die beiden stammen aus ­Ittigen, zwischendurch aus der Reihe tanzt. «Im Gegensatz zu den anderen bin ich ein Frühaufsteher», verrät Schneiter. Wenn er am Morgen nicht warten mag, bis alle bereit sind, fährt er schon mal allein los.

Statt am Abend mit den anderen Netflix zu schauen, zieht er sich zwischendurch in sein Zimmer zurück, um sich dort seinem Hobby, dem Malen, zu widmen. Der Absolvent der Steiner-Schule hat bereits einen Kunstvorkurs für die Fachhochschule absolviert, setzt derzeit aber wie die anderen voll auf die Radsportkarriere.

Schon 90 Stunden im Sattel

Schneiter wechselt im neuen Jahr von IAM zur Swiss Racing Academy und fährt wie Zobrist (Akros-Thömus) für ein drittklassiges Continental-Team. ­Zobrists bisheriger Teamkollege Suter hat den Sprung in das belgische Profiteam Wallonie-Bruxelles der zweithöchsten Pro-Continental-Stufe geschafft.

Hirschi überzeugte bereits 2019 in seinem ersten Jahr beim World-Tour-Team Sunweb auf höchstem Niveau. Trotz den unterschiedlichen Levels ihrer Teams hält Hirschi fest: «Wir haben alle ein ähnliches Leistungsniveau. Zudem fahren wir zum jetzigen Zeitpunkt der Saisonvorbereitung noch nicht am Limit.»

Hat einer schlechte Beine, darf er den ganzen Tag im Windschatten bleiben. Im Rennen ist solches Mitfahren verpönt. Vier bis sechs Stunden dauern die Ausfahrten in der Regel; entweder entlang der Küste oder ins hügelige Hinterland von Malaga. Im November kamen so bereits beachtliche 90 Fahrstunden zusammen.

Pasta, Erbsen und Poulet

Nach der Anreise Ende Oktober genossen die Schweizer zuerst noch eine Woche Ferien am Strand von Malaga. Danach aber startete das Training. «Muskelkater vom Velofahren kriegen wir schon lange nicht mehr», berichtet Suter. «Den gibt es eher, wenn wir in den Kraftraum gehen.»

Doch in das ein paar Strassen weiter entfernte grosse Gymcenter hat die Gruppe noch kein Bein gesetzt. Die vier verzichten sogar auf Massagen. Nach einer Trainingsfahrt wird gedehnt, geduscht und dann bald gekocht. Der Menüplan ist einfach: «Immer Pasta, Erbsen und Poulet», sagt Suter. Hirschi ergänzt: «Ab und zu wechseln wir Poulet mit Thon ab.»

Und was sonst noch? Die Vier schauen den Fragenden verwundert an. Nichts, sagen sie. Als sei es normal, während eines Monats immer dasselbe Menü zu verschlingen. Manchmal würden sie eine grössere Menge zubereiten, dann sei für den nächsten Tag auch schon gekocht, erzählen sie lachend.

Blöd ist nur, wenn der Kühlschrank aussteigt, wie neulich. Der Vermieter besorgte zwar flugs einen neuen, bloss hat dieser nicht dieselben Masse wie der Alte und passt demzufolge in der Küche nicht an den herkömmlichen Platz. Das stört das Quartett indes nicht im Geringsten.

Das Abendessen nehmen sie immer gemeinsam ein. Das Frühstück jedoch individuell, jeder nach seinen Vorlieben und Bedürfnissen. Schneiter etwa hat seinen Kaffeekocher mitgenommen. Dummerweise funktioniert die Espressokanne auf dem Induk­tionskochfeld nicht. Nun wird die Bialetti halt in die Bratpfanne gestellt und der Kaffee so aufgekocht.

Ämtliplan existiert nicht

Einen Ämtliplan kennen die vier nicht. Wer als Erster Hunger hat, beginnt mit Kochen. Eine Reihenfolge besteht nicht. «Wir sind diesbezüglich entspannt», sagt Zobrist. Suter ergänzt: «Es muss niemand gemahnt oder aufgefordert werden: Jeder kocht mal, wie auch jeder einkaufen geht und Kehrichtsäcke entsorgt. ­Geputzt wird gemeinsam.»

Das Abwaschen übernimmt die Geschirrspülmaschine. Suter meint: «Wir verstehen uns menschlich wirklich super. Reibungsflächen gibt es – wenn überhaupt – am ehesten am Morgen.» Dazu schaut der Oberländer aus Wengi bei Frutigen vor allem Hirschi an. Dieser radelt gern erst gegen 11 Uhr los. Deshalb kann es vorkommen, dass nicht nur Schneiter mal etwas warten muss.

Nach drei Tagen auf dem Rad folgt in der Regel ein Ruhetag. Dann sind die Jungs zwischendurch auch in der Stadt unterwegs, gehen in den Ausgang. Nur ausnahmsweise kehren sie jedoch nach Mitternacht zurück. «Wir nehmens auch da locker, aber halten die Grundprinzipien ein und verzichten auf Alkohol», sagt Hirschi.

Für sie ist das längst Usus. «Denn keiner will, dass er am nächsten Tag nicht richtig trainieren kann», fügt Suter an. Schliesslich sind die vier im Trainings- und nicht im Ferienlager. Duschen, einkaufen, kochen und danach Netflix schauen, zu mehr reicht die Kraft meist nicht mehr.

Dass sie in der Tourismushochburg Malaga residieren, hat einzig mit den klimatischen Bedingungen in Andalusien zu tun. Bei rund 20 Grad ist das Radfahren im November und Dezember angenehmer als bei den hiesigen Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Dopingkontrolleur klingelt

Besuch haben die Fahrer bisher nicht erhalten. Einzig der Dopingkontrolleur schaute zweimal vorbei, interessierte sich aber nur für Hirschi. Nächste Woche wird die Wohngemeinschaft vorübergehend dezimiert. Hirschi und Suter haben Termine mit ihren Teams.

Ab 18. Dezember ist das Quartett dann wieder vollständig im Apartamento. Hirschi hat dieses bis 23. Dezember gemietet. Danach trennt sich das Quartett. Im Januar beginnt die Vorbereitung mit den jeweiligen Teams. Gemeinsam bleibt den vier Freunden dann die Hoffnung, in Malaga den Grundstein für Siege in der neuen Saison ­gelegt zu haben.

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