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«Wunderschön, einfach nur wunderschön»

Bradley Wiggins hat die letzten Zweifel an seinem ersten Gesamtsieg an der Tour de France endgültig beseitigt. Der Brite gewann das zweite Zeitfahren in souveräner Manier.

Bitte nicht zu schnell, Monsieur Wiggins – der Tourleader gibt beim zweiten Einzelzeitfahren der Tour de France mächtig Gas.
Bitte nicht zu schnell, Monsieur Wiggins – der Tourleader gibt beim zweiten Einzelzeitfahren der Tour de France mächtig Gas.
Reuters
Stilstudie: Bradley Wiggins beim Kampf gegen die Uhr – für einmal von hinten.
Stilstudie: Bradley Wiggins beim Kampf gegen die Uhr – für einmal von hinten.
Reuters
Aber viele sehen in Chris Froome bereits den Gewinner der Jubiläumstour im Jahre 2013. Der Teamkollege und Landsmann von Wiggins überzeugt in jeglicher Hinsicht – und ist ein heisser Kandidat für olympische Medaillen in London.
Aber viele sehen in Chris Froome bereits den Gewinner der Jubiläumstour im Jahre 2013. Der Teamkollege und Landsmann von Wiggins überzeugt in jeglicher Hinsicht – und ist ein heisser Kandidat für olympische Medaillen in London.
Reuters
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Nach den 53,5 km von Bonneval nach Chartres ballte Bradley Wiggins die Faust. Die Erleichterung war dem Captain des dominierenden Sky-Teams in diesem Moment anzusehen. Mit einem Vorsprung von 1:16 Minuten auf Teamkollege und Landsmann Chris Froome überquerte der 32-Jährige die Ziellinie. Im Gesamtklassement vergrösserte der Teamleader, der bereits das erste Zeitfahren an dieser Tour (ebenfalls vor Froome) für sich entschieden hatte, die Differenz auf seinen zweitklassierten Edelhelfer auf 3:21 Minuten. Das Podest in Chartres komplettierte der Spanier Luis-Leon Sanchez mit einem Rückstand von 1:50. Der Italiener Vincenzo Nibali verteidigte seinen dritten Gesamtrang dank einem respektablen Zeitfahren (16./3:38 zurück) erfolgreich.

Das letzte Teilstück am Sonntag über 120 km von Rambouillet nach Paris wird zur Triumphfahrt der beiden Briten. Traditionellerweise wird der Leader auf der Fahrt Richtung Champs Elysées nicht mehr attackiert. Wiggins wird als erster Fahrer aus dem Königreich überhaupt die Frankreich-Rundfahrt gewinnen. Höchstens ein Sturz könnte den grossen Erfolg noch verhindern.

Emotionaler Leader

«Wunderschön, einfach nur wunderschön», beschrieb der sichtlich bewegte Wiggins nach seinem zweiten Etappensieg an dieser Tour und einen Tag vor dem grössten Triumph der Karriere seine Gefühlslage. «Auf den letzten Kilometern ging mir so viel durch den Kopf. Ich bin voller Emotionen, das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Es war eine lange Reise mit einem traumhaften Ende. Ich realisiere, was ich erreicht habe. Schon als Kind habe ich davon geträumt.»

Der ehemalige Bahnspezialist, der 2004 in Athen und 2008 in Peking drei olympische Goldmedaillen auf dem Oval gewonnen hat, gilt spätestens seit gestern Samstag auch als stärkster Widersacher von Fabian Cancellara im olympischen Zeitfahren am 1. August in London. «Es ist das nächste Ziel», bestätigte Wiggins, der im Frühling auch die Tour de Romandie gewonnen hatte.

Teamkollege Froome ohne Chance

Im zweitletzten Teilstück der 99. Tour de France demonstrierte Wiggins in Abwesenheit einiger Spezialisten wie Fabian Cancellara oder Weltmeister Tony Martin aus Deutschland noch einmal seine Klasse. Er lag bereits bei der ersten Zwischenzeit nach 14 Kilometern zwölf Sekunden vor Froome und rückte die Machtverhältnisse im Sky-Team bei erster Gelegenheit zurecht. Froome, der in den Bergen den stärkeren Eindruck als sein Captain hinterlassen hatte, dürfte insgeheim darauf gehofft haben, Wiggins noch abzufangen. Die Differenz zwischen den beiden Briten vergrösserte sich aber kontinuierlich.

Froome wird sich in Paris mit Platz 2 begnügen müssen, zeigte sich jedoch damit zufrieden. «Bradley ist im Zeitfahren sehr stark. Man hat gesehen, dass er zu gut für mich ist. Ich bin sehr stolz auf meinen zweiten Platz. Wir haben den Toursieg für Bradley als Ziel ausgegeben. Mein zweiter Platz ist ein Bonus», meinte er. Auch Wiggins hatte viel Lob für seinen Teamkollegen übrig: «Chris ist ein toller Bergfahrer, aber im Zeitfahren wusste ich, dass ich stärker sein kann», betonte der Nachfolger des Australiers Cadel Evans.

Keine Reaktion von Evans

Der entthronte Vorjahressieger Evans war nach seinen Einbrüchen in den Bergen auch im Zeitfahren zu keiner Reaktion mehr in der Lage. Er musste sich 20 Kilometer vor dem Ziel sogar von seinem zwei Minuten später gestarteten Mannschaftskollegen Tejay van Garderen (USA), dem besten Jungprofi, überholen lassen. Im Ziel verlor Evans 5:54 Minuten auf Wiggins.

Keine Rolle spielten wie erwartet auch die beiden im Rennen verbliebenen Schweizer: Michael Schär (58.) und Michael Albasini (62.) verloren je über sechs Minuten.

si/fal

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