Als Papa das Sackgeld strich

Jürg und Stefan Siegenthaler sind wichtige Persönlichkeiten bei den Tigers Langnau. Im Cuphalbfinal (heute Samstag, 19 Uhr in Biglen) spielen sie gegen Meister Floorball Köniz.

Tigers durch und durch: Jürg (links) und Stefan Siegenthaler.

Tigers durch und durch: Jürg (links) und Stefan Siegenthaler.

(Bild: Raphael Moser)

Adrian Lüpold

Die Brüder bilden das defensive Rückgrat der Tigers Langnau. Der Ältere, Torhüter Jürg Siegenthaler (29), der trotz stattlicher Grösse von 189 cm beweglich und geschmeidig wie ein Yogalehrer daherkommt, wirft sich furchtlos in die Lochbälle, raubt den Stürmern mit seinen Reflexen oft den letzten Nerv. Der Jüngere, Abwehrchef und Captain Stefan (27), besticht durch Schnelligkeit und Zweikampfstärke. Er orchestriert die Defensive mit seiner ruhigen Art und packt, wenn es ihn in die Offensive zieht, gerne einen seiner kernigen Weitschüsse aus.

Dass die Brüder nicht in einer anderen Sportart Karriere machten, liegt wohl auch an ihrer Herkunft. In Zäziwil grassiert das Unihockeyfieber seit Jahrzehnten. Die Vorgängerclubs der Tigers waren seit 1984 in der 1600-Seelen-Gemeinde beheimatet, und so meldete Mama Siegenthaler ihren älteren Sohn für ein Schnuppertraining an. «Zuerst hatte ich keine Lust, dorthin zu gehen. Doch nach dem ersten Training fand ich grossen Gefallen», sagt Jürg.

Inspiriert vom Bruder, schnappte sich auch Stefan den Unihockeystock. Gemeinsam verbrachten sie Stunden auf dem Schulhausplatz oder auf dem Estrich im Elternhaus, der früher als Tierfutterhandlung diente. «Papa stattete den Estrich mit Laminaten aus, damit wir spielen konnten», erzählt Stefan. «Es kam vor, dass wir den Lichtschalter kaputt schossen. Auch die Fensterscheibe ging ab und zu in die Brüche. Und so strich Papa auch schon mal das Sackgeld», sagt Jürg grinsend.

Meister bei den C-Junioren

Die Brüder schlossen sich dem UHT Zäziwil an, wobei Jürg erst als C-Junior den Weg ins Tor fand. «Ich kam auf dem Feld wenig zum Einsatz, zudem hatten wir keinen fixen Goalie. So versuchte ich es im Tor.» Ein Glücksfall. Flugs manifestierte sich sein Talent zwischen den Pfosten, gemeinsam feierten die Brüder bei den C-Junioren den Schweizer Meistertitel.

«Ich kam auf dem Feld wenig zum Einsatz, zudem hatten wir keinen fixen Goalie. So versuchte ich es im Tor.»Goalie Jürg Siegenthaler

Dabei spielten Siegenthalers während ihrer Jugendzeit wegen des Altersunterschieds nur selten zusammen. Im Jahr 2008 schaffte Jürg den Sprung ins Fanionteam der Tigers in der NLA – als Ersatzgoalie. Auch Stefan, damals noch im Förderkader des Nachwuchses, durfte bei den Grossen mitschnuppern, ehe er ein Jahr später fix Unterschlupf im Kader fand.

Während Stefan in der Saison 2009/10 viel Spielzeit erhielt, schmorte Jürg meistens auf der Bank. «Es war speziell, den Bruder draussen zu sehen», sagt Stefan, der sich in der Folge als Stammkraft etablierte. Derweil kam Jürg nicht über den Status des Backups hinaus und suchte 2013 eine neue Herausforderung. Er heuerte in der zweiten schwedischen Liga in Umea an, sammelte während eines Jahres Erfahrungen, um auf die Saison 2013/14 hin als gereifte Persönlichkeit zurückzukehren.

Blindes Verständnis

Nach einigen Saisons, in denen Jürg mit dem Bündner Curdin Furrer eine Art Jobsharing im Tor betrieb, hütet er seit zwei Jahren als unumstrittene Nummer eins den Kasten bei den Tigers. Stefan fungiert sogar als Captain. Auf dem Feld verstehen sie sich fast blind. «Man spricht mit dem Bruder direkter als mit anderen Spielern. So verplempern wir keine Zeit, was in unserem schnellen Sport ein Vorteil ist», sagt Stefan.

«Man spricht mit dem Bruder direkter. So verplempern wir keine Zeit, was in unserem schnellen Sport ein Vorteil ist.»Captain Stefan Siegenthaler

Heute Samstag versuchen die Brüder im Cuphalbfinal gegen Meister Floorball Köniz in den Final einzuziehen (siehe Box). Bereits 2009 und 2010 konnten sie als junge Ergänzungsspieler den Pokal in den Hallenhimmel strecken. «Diese Alles-oder-nichts-Spiele haben einen speziellen Reiz», sagt Jürg. Wenn sie lustvoll über den Cup sinnieren, schleicht sich plötzlich auch eine kämpferische Note in die Stimmen der sympathischen Brüder. Nur zu gerne würden sie den Pokal ein drittes Mal stemmen – dieses Mal nicht als Jungspunde, sondern als Integrationsfiguren und defensives Gewissen ihres Herzensvereins.

Berner Zeitung

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