Am Rande der Berge

Hornussen

Die HG Thun ist daran, sich in der Nationalliga B zu etablieren. Dies trotz des in diesem Jahr besonders harten Abstiegskampfs.

Thuns Spielführer Mario Bohren schlägt.

Thuns Spielführer Mario Bohren schlägt.

(Bild: Markus Grunder)

Reto Pfister

Ein Hornusser schlägt, und er sieht vor sich das Panorama der Berner Oberländer Viertausender. Kein alltägliches Bild in einer Sportart, die ihre Wurzeln im Emmental hat. Das Spiel ist im ganzen Kanton Bern verbreitet, nur nicht im Oberland. «Es ist der schönste Platz überhaupt», sagt Mario Bohren, der Spiel­führer der ersten Mannschaft der HG Thun.

Südlicher als in der 44'000-Einwohner-Stadt ist keine Gesellschaft beheimatet. Bundesangestellte, die aus dem Ursprungsgebiet des Hornussens stammten, brachten die Sportart zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Thun; 1904 wurde der Verein, der dem Emmentaler Verband angehört, gegründet. Und hat seit mehreren Jahrzehnten sein Spielfeld auf der Allmend, mit freier Sicht auf die Berge.

Das seit diesem Jahr auch Hornusser aus der Nationalliga B geniessen dürfen. Im letzten Sommer schaffte Thun den Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse. Dies mit einem Team, das eine gute Mischung aus Jung und Alt aufweist. Die intensive Arbeit mit dem Nachwuchs hat sich ausgezahlt; die Brüder Yule und Sean Oesch etwa gehören zu den besten Schlägern ihres Teams.

«Es spielen immer zwischen zehn und zwanzig Nachwuchsspieler für uns», sagt Präsident Armin Geissbühler. Die HG Thun versucht den Sport auch aktiv bekannter zu machen, indem sie etwa den Kontakt mit den Schulen in der Stadt sucht. «Etwas exotisch ist das Hornussen in Thun aber immer noch, viele wissen nicht, was das eigentlich ist», sagt Geissbühler.

Bekannter jedoch als etwa vor zehn Jahren; die Liveübertragung des eidgenössischen Festes 2012 in Lyss etwa hat das Spiel mit Stecken und Schindel auch in Kreisen bekannt gemacht, für die es vorher ein Buch mit sieben Siegeln war.

Wertvoller Erfolg

Thun spielt nicht zum ersten Mal in der NLB. Vor zwanzig Jahren waren die Oberländer eine Liftmannschaft, stiegen mehrmals aus der 1. Liga auf und gleich wieder ab. Diesmal soll der Aufenthalt in der zweitobersten Spielklasse zum Dauerzustand werden.

Auch wenn der Abstiegskampf 2019 härter ist als in den Jahren zuvor. Der Verband hat entschieden, dass ab dem nächsten Jahr in der NLA und in den beiden NLB-Gruppen nur noch 14 statt aktuell 16 Teams spielen sollen. Das bedeutet, dass in der zweithöchsten Spielklasse in diesem Jahr je fünf statt nur zwei Mannschaften absteigen müssen. Selbst im soliden Mittelfeld klassierte Equipen können sich so nicht frühzeitig den Ligaerhalt sichern.

Thun ist aktuell auf Platz 7 klassiert, mit allerdings nur drei Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Umso wertvoller sind Erfolge wie am letzten Sonntag gegen das favorisierte Mättenwil-Brittnau. Die Aargauer, mit dem früheren eidgenössischen Schlägerkönig Marco Roos als Teamleader, kassierten eine Nummer.

Die Oberländer holten vier statt nur zwei Punkte und kompensierten so den Ausrutscher aus der vorherigen Partie, als sie gegen Zäziwil-Reutenen einen Nouss ins gegnerische Spielfeld fallen liessen. Zudem wiesen sie nur 34 Schlagpunkte Rückstand auf Mättenwil-Brittnau auf. Eine Leistung, die Spielführer Bohren sehr zuversichtlich stimmte. Die Chancen stehen gut, dass am Rande der Berge noch länger Hornussen auf Nationalliganiveau betrieben wird.

Thuner Tagblatt

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