Am Scheideweg

Nach der Kanterniederlage im Supercup beginnt für Pokalsieger Wacker am Samstag in Schaffhausen die Meisterschaft. Die Thuner absolvieren auf mehreren Ebenen so was wie die Saison der Wahrheit.

Höhenflug? Reto Friedli und seine Mitstreiter peilen den vierten Titel im vierten Jahr in Folge an. Foto: Christian Pfander

Höhenflug? Reto Friedli und seine Mitstreiter peilen den vierten Titel im vierten Jahr in Folge an. Foto: Christian Pfander

Adrian Horn

48 Partien bestritt Wacker in der letzten Saison, Testmatchs ausgenommen. Doch auch nach den 2920 Minuten ist im Grunde unklar, wie stark die Thuner sind, nachdem sie im Sommer 2018 gleich vier wichtige Akteure verloren hatten, darunter mit Lukas von Deschwanden und Lenny Rubin ihre Schlüssel­figuren. Es gab den Sieg im Cupfinal – aber fünf Nieder­lagen in den sechs Meisterschaftsspielen unmittelbar davor.

Da waren die oft guten Auftritte in der Champions League – wo in 10 Duellen aber bloss ein Punkt resultierte. Einen Glanzauftritt legte Martin Rubins Mannschaft in Vergleich zwei des Playoff-Halbfinals gegen Pfadi Winterthur hin; wenige Tage später schied sie an selber Stelle aus, unterlag deutlich, obwohl der Gegner diesmal auf Captain Cedrie Tynowski und Regisseur Kevin Jud und damit auf zwei seiner Leader verzichten musste.

Nur schwer einschätzbar ist das Leistungsvermögen der Berner Oberländer vornehmlich deswegen, weil sie 2018/2019 kein einziges Mal auf das komplette Kader zurückgreifen konnten. Wie kompetitiv sie sind, wenn alle Spieler zur Verfügung stehen, wird sich so schnell nicht zeigen. Erneut haben sich Akteure verletzt; mit Nicolas Raemy verpasst der MVP der letzten Saison das erste Viertel der neuen Spielzeit.

Schwer einschätzbar ist das Leistungsvermögen der Berner Oberländer vornehmlich deswegen, weil sie 2018/2019 kein einziges Mal auf das komplette Kader zurückgreifen konnten.

Die vielen Ausfälle haben Ursachen, für die Wacker nichts kann. Der hohen Belastung zollen nicht bloss die Thuner Tribut (siehe Text unten). 30 bis 55 Spiele pro Saison, eine Saison notabene, die gefühlt jedes Jahr nochein bisschen früher beginnt: Das ist sehr viel für Leute, die grossteils einer Arbeit nach­gehen, wenige Stunden nach einer kräfteraubenden Partie bereits wieder im Büro erscheinen müssen.

Dass der neue Modus noch mehr Partien bereithält, ist nicht bloss vor diesem Hintergrund keine gute Nachricht. Je mehr Begegnungen aus­getragen werden, desto geringer ist die Bedeutung der einzelnen. Wer den Anschluss an die Spitze verpasst, für den drohen all die Qualifikationsspiele rasch öde zu werden. Insofern steht Wacker gewissermassen unter Druck. Auf Schaffhausen, Winterthur und Bern treffen die Thuner zu Beginn – und damit auf die stärksten Konkurrenten.

Warten sie nach der dritten Partie auf den ersten Sieg, ist das in sportlicher Hinsicht auch wegen der Modusänderung nicht schlimm, in Bezug auf das Interesse seitens der Bevölkerung indes sehr wohl. Die Zuschauerzahlen waren in der letzten Spielzeit tiefer als in den Jahren davor. Auch diesbezüglich steht den Oberländern so was wie die Saison der Wahrheit bevor. Vermögen sie tatsächlich nicht mehr so sehr zu mobilisieren, wie sie dies lange getan haben? Oder sind die vergleichsweise bescheidenen Werte 2018/2019 bloss Folge einer vorübergehenden Sät­tigung gewesen?

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