Auf zum finalen Gipfelsturm

Mit der Karriere von Wacker-Thun-Spieler Sven Krainer wird eine verblüffende Laufbahn enden.

Karriereende mit 27 – statt mit 17: Sven Krainer.

Karriereende mit 27 – statt mit 17: Sven Krainer.

Adrian Horn

Auf einmal geht es in der Lachenhalle um Leben und Tod. Zunehmend bleich ist Sven Krainer geworden im Frühling 2009, inmitten einer Übungseinheit fällt er urplötzlich um. Die Teamkollegen amüsieren sich zunächst, denken, der sich während erst zweier Wochen bei ihnen im Training befindende 17-Jährige mache den Kasper. In Wahrheit steht das Herz des jungen Mannes still.

Physiotherapeut Cyril Dähler und Mitspieler Sandro Badertscher handeln, leisten erste Hilfe; das Spital Thun lässt im Nu den Krankenwagen ausrücken. Eineinhalb Tage ist der Gymnasiast im Koma, und als er aufwacht, erinnert er sich erst an wenig. Auf Nationalliga-A-Niveau Handball spielen werde er nie wieder können, teilen ihm die Ärzte später mit.

Zehn Jahre danach tritt der Linkshänder vom Spitzensport zurück. Seine dritte Saison im Fanionteam Wacker Thuns endet in diesem Monat. Ungemein effizient war der Rechtsflügel – nicht nur im Abschluss: Drei Titel gewinnt er während der drei Spielzeiten im Oberhaus, mindestens, er läuft in der Champions League und im EHF-Cup auf, gerade prangt ein Bild von ihm auf den Plakaten, mit denen sein Verein auf die Begegnungen im Playoff aufmerksam macht. 28 wird Krainer im Sommer, als Versicherungsbroker arbeitet er inzwischen, parallel dazu schliesst er das Betriebswirtschaftsstudium ab. Am Dienstag sitzt er auf einer Bank am Seeufer, er lässt seine kurze, aber äusserst erfolgreiche Laufbahn Revue passieren, lächelt und sagt: «Das war mehr, als ich mir je erträumt hatte.»

Der Stromstoss

Die Herzprobleme hatte Krainer fortan im Griff, nie gab es Probleme nach 2009. Allmählich tastete sich der Thuner wieder an die Stufe Leistungssport heran, stets sich im Dialog mit den Ärzten befindend. Seit 2016 gehört er zum Kader des Spitzenclubs, besonders intensive Übungen absolviert er, ohne an die Grenzen zu gehen. Ende letzten Jahres versetzt ihm der eingebaute Defibrillator einen Stromstoss, was sich so anfühle, als berühre man einen elektrischen Zaun.

Der Spieler glaubt, von einem Ball getroffen worden zu sein, bevor er registriert, dass er zu sehr forciert hat. Gross ist der Schock vorab bei seinen Mitstreitern; sie sorgen sich um ihren ausgesprochen beliebten, unterhaltsamen Kollegen. Krainer fühlt sich in den nächsten Wochen schlapp, er lässt nun einige Partien aus, wird als verletzt gemeldet. Ihm ist schnell klar, dass er zeitnah aufhören wird, schliesslich nahm er sich vor, zurückzutreten, sobald die Beschwerden wiederkehren.

Die Saison aber will er beenden. Im Sommer ist Schluss; möglicherweise bestreitet «Boris», wie er wegen seiner Ähnlichkeit zum früheren deutschen Tennisspieler genannt wird, morgen sein letztes Heimspiel mit den Berner Oberländern.

Der 27-Jährige kann gut damit leben, wie sich die Dinge entwickelt haben. Sein Vertrag liefe ohnehin aus, und Krainer weist darauf hin, dass Wacker nicht zuletzt auf seiner Position vorzüglich aufgestellt ist – mit Jonas Dähler, dem Routinier, und Gabriel Felder, dem Talent. Der Linkshänder ist dankbar für all die vielen tollen Momente, welche er unverhofft hat erleben dürfen, und freut sich darauf, Co-Trainer der 2. Mannschaft zu werden und der Szene erhalten zu bleiben. «Ich ohne Handball – das ist unvorstellbar.»

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