Der Oldie fährt mit der Zukunft

Bei der Trial-Schweizermeisterschaft auf der Grimmialp sorgte Fritz Kobel (62) mit seinem E-Töff für Gesprächsstoff. Die Meinungen zum Elektroantrieb gingen bei den Zuschauern weit auseinander.

Mit Elektroantrieb über die Felswand: Fritz Kobel auf seinem E-Trial-Motorrad. Foto: Walter Dietrich

Mit Elektroantrieb über die Felswand: Fritz Kobel auf seinem E-Trial-Motorrad. Foto: Walter Dietrich

Mit einem kräftigen Tritt wird die Maschine gestartet, die Drehzahl jagt in die Höhe, der Motor brummt vor sich hin, der Geruch von Benzin macht sich breit, der Puls bei Fahrer und Zuschauer steigt. So ist das normalerweise bei der Schweizer Meisterschaft des Trials auf der Grimmialp im Diemtigtal. Doch wenn sich Fritz Kobel auf seinen Töff setzt, ist alles etwas anders. Denn dieses Motorrad wird als einziges an diesem Wettkampf elektrisch betrieben.

Während Kobel bei einer Sektion über Stock und Stein fährt, gehen die Meinungen über sein Bike im Publikum auseinander. Von «Wow, wie cool!» bis «Das ist doch doof» ist alles vorhanden. Sein E-Trial-Töff sorgt für Gesprächsstoff. Und ein Thema interessiert besonders: die Reichweite. Im Gehäuse wurde eine 15 kg schwere Batterie verbaut, was etwa 1,5 Liter Benzin entspricht. Das reicht knapp nicht für die drei Runden des Alpentrials, er benötigt zwei Batterieladungen. Kobel scherzt: «Die Kondition hätte ich zu Halbzeit auch wieder auftanken sollen.» Das vollständige Aufladen des Akkus dauert dann etwa vier Stunden.

Ab 8500 Franken

Anstatt des Kickstarts muss der 62-Jährige lediglich einen Knopf unterhalb des Lenkers drücken. Ein Auspuff wird natürlich hinfällig. An der Stelle des Getriebes befindet sich die Batterie. Federung, Scheibenbremsen und Fahrwerk sind fast gleichwertig wie bei einem «normalen» Trial-Motorrad. «Die schwierigsten Sektionen können aber noch nicht ebenbürtig gemeistert werden. Da gibt es sicher noch Entwicklungspotenzial», sagt Kobel. Aber er fahre sowieso mehr für den Spass als um den Sieg.

Die Preisspanne des 72 kg schweren Töffs beginnt bei 8500 Franken und somit leicht höher als bei den benzinbetriebenen Maschinen. «Aber ich versuche gerne neue Sachen aus», sagt der Automobilingenieur. Und der E-Töff überzeugte ihn sofort. So, dass er sich, ohne zu zögern, einen kaufte. Kobel ist ein Oldie in der Szene, er begann bereits in seiner Jugend mit Trial. 1979 war er bei der ersten Austragung auf der Grimmialp am Start. Nun feierte der Anlass ein Jubiläum. Zum 40. Mal kämpften sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die zwölf Sektionen. «Diese Sportart fasziniert mich immer noch», sagt der Krauchthaler. «Und eigentlich ist der Elektroantrieb ja prädestiniert dafür», meint Kobel.

Bei dieser Motorsportart entscheiden nicht die Pferdestärken über den Sieg, sondern die Fahrtechnik. Die Fahrer sind sehr langsam unterwegs. Es gilt die Räder richtig zu belasten, um durch die Hindernisse zu kommen – wer den Fuss absetzt, erhält einen Strafpunkt. Und beim Elektroantrieb hat der Lenker vom Start weg das volle Drehmoment zur Verfügung. Eine gute Traktion ist somit garantiert.

Noch ein Exot

Bei der Jubiläumsausgabe war Kobel noch der einzige Teilnehmer mit einem E-Trial-Töff. «Es wird eine Weile dauern, bis sich der neue Antrieb auch in unserer Sportart durchsetzen wird», meint er. Derweil sagt OK-Präsident Hans Teuscher bereits jetzt ins Mikrofon: «Das wird die Zukunft sein.»

So fährt Kobel davon, mit einem leisen Summen. Die Blicke gehören wieder ihm und seinem Bike. Noch müssen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer an dieses Bild gewöhnen.

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