Die Weitgereiste wird sesshaft

Rotweiss’ allmählicher Aufstieg zum Spitzen-Handballclub soll in der bevorstehenden Saison in einem Titel gipfeln. Die zentrale Figur der Thunerinnen ist Lucia Weibelova.

Sie fühlt sich wohl in Thun: Lucia Weibelova. Foto: Raphael Moser

Sie fühlt sich wohl in Thun: Lucia Weibelova. Foto: Raphael Moser

Adrian Horn

Das muss man sich mal vorstellen. Rund doppelt so alt wie einige ihrer Teamkolleginnen ist Lucia Weibelova. In einer Equipe, in der auch mal mit 16 debütiert wird, könnten einzelne Mitstreiterinnen theoretisch ihre Tochter sein. 36-jährig ist die Slowakin. Die meisten Handballerinnen hierzulande haben sich da längst zurückgezogen. Die Aufbauerin aber – sie verlängerte im Frühling ihren Vertrag um zwei Saisons. Schluss ist im Sommer 2021 nicht in jedem Fall: Vielleicht, sagt sie, spiele sie dann noch weiter, «mal schauen». Sie lacht, als sie das sagt. Wohl fühlt sie sich hier, in Thun.

Für sieben Clubs ist die Rechtshänderin aufgelaufen. Mit Rotweiss bestreitet sie ab Freitag ihre dritte Saison, und zumindest eine wird ja folgen. Dass die Weitgereiste bei den Oberländerinnen sesshaft geworden ist, hat auch damit zu tun, dass sie hier das Leben nach der Aktivkarriere vorbereiten kann. In Bern arbeitet sie in einem 70-Prozent-Pensum als Modeberaterin.

Keine wirft mehr Tore

All den Aufwand stemmen, Beruf und Spitzensport vereinen: Das ist nicht immer einfach, zumal neu für sie, die stets als Profi engagiert war. «Es ist ein grosser Unterschied, ob du vor einem Abendspiel zu Hause sitzt oder arbeiten musst», erzählt sie. Man kriegt aber nicht den Eindruck, als hadere sie mit den veränderten Umständen. Im Gegenteil. «Ich wollte das so. Und es gefällt mir», hält sie fest.

Auf ihr Leistungsvermögen wirkt sich die Zusatzbelastung nicht aus: Ligatopskorerin war sie in der vergangenen Saison; im Juni wurde sie dafür an den Swiss Handball Awards geehrt. Einen Titel gewinnen möchte sie nun mit ihrem Club, nachdem dieser zuletzt gleich drei Cupfinals verlor, jüngst auf besonders bittere Weise, als das Ensemble von Peter Bachmann den Spono Eagles 25:27 unterlag und dabei eine Menge Pech bekundete. Sie mag die Partien auf grosser Bühne, sagt, diese erinnerten sie an ihr Engagement in Norwegen und damit an ihre Blütezeit.

Obwohl Rechtshänderin, wird Weibelova regelmässig im rechten Rückraum eingesetzt. Ihre Flexibilität führt sie auf den grossen Erfahrungsschatz zurück. «Routiniert bin ich ja», sagt sie schmunzelnd, womit sie auf ihr Alter anspielt. Ein Thema ist dieses gelegentlich bei ihren Teamkolleginnen; diese amüsieren sich ob der häufigen Besuche der 36-Jährigen in der Physiotherapie. Die Slowakin – sie sorgt in Thun für Tore. Und mitunter für Heiterkeit.

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