Fernsehen zeigt mehr Unihockey und Handball

Ein Nischenprodukt als Ware für die Masse: Handball- und Unihockeyclubs werden seit der letzten Saison verstärkt gezeigt. Mit den Einschaltquoten zeigen sich die TV-Anstalten zufrieden. Die Vereine profitieren unwesentlich.

April 2018: Köniz und Wiler-Ersigen streiten sich um den Titel, 8000 Menschen und das Fernsehpublikum schauen zu. Foto: Freshfocus

April 2018: Köniz und Wiler-Ersigen streiten sich um den Titel, 8000 Menschen und das Fernsehpublikum schauen zu. Foto: Freshfocus

Adrian Horn

Der Verband Swiss Unihockey beschäftigt offensichtlich einige sehr kluge Leute.

Keiner der zwölf Nationalliga-A-Clubs wies in der eben zu Ende gegangenen Qualifikation einen Zuschauerschnitt im vierstelligen Bereich auf. Rychenberg Winterthur verzeichnete im Mittel 966 Besucher und führt das entsprechende Ranking an. Meister Köniz pflegte vor knapp 700 Menschen zu spielen – und liegt damit an zweiter Stelle. Schlusslicht ist Zug, das im Schnitt 253 Personen zu begeistern vermochte.

SRF aber überträgt wie in der letzten Saison ab März Partien des Playoff live.

Das mag in Zeiten, da nicht länger ausschliesslich linear ferngesehen wird, auch dem Trend zu mehr Sport am TV geschuldet sein, schliesslich guckt derlei Veranstaltungen keiner gern Stunden oder gar Tage später. Vor allen Dingen aber ist es auf das spannende Format zurückzuführen, in dem hierzulande Unihockey gespielt wird. In Viertel- und Halbfinalserien werden die Teilnehmer des sogenannten Superfinals ermittelt, und in diesem einen Match fällt die Entscheidung um die Meisterschaft.

«Es ist nicht leichter geworden, Sponsoren zu finden.» Reto Luginbühl, Präsident des Unihockeyvereins Wiler-Ersigen

Der Event ist ausgesprochen erfolgreich, eine 8000 Leute fassende Arena wird da oft gefüllt. Und freilich verkauft sich so was hervorragend im Fernsehen. Die Einschaltquoten sind hoch, und zwar während des ganzen Playoff. Dani Bolliger, Bereichsleiter Live bei SRF Sport, bestätigt auf Anfrage, mit den Zahlen sehr zufrieden zu sein, zumal ein vergleichsweise junges Publikum erreicht würde. Im Frühling letzten Jahres wurde der Vertrag verlängert; er reicht nun bis 2023.

Der Effekt bleibt aus

In der Szene ist die Freude darob riesig. Reto Luginbühl, Präsident von Wiler-Ersigen, sagt: «Wir werten das als sehr positiv. Nun haben wir Gewissheit; nun können wir planen.»

Einen Boom hat die erheblich gesteigerte Präsenz am TV aber nicht ausgelöst. Das zeigen nicht bloss die Zuschauerzahlen. Luginbühl erzählt: «Es ist nicht leichter geworden, Sponsoren zu finden.» Das überrasche ihn nicht. «Wir durften nicht erwarten, dass uns die Tür würde eingerannt werden.»

Auch der hiesige Handball kriegt seit der letzten Saison eine regelmässige Plattform im Fernsehen. Mysports überträgt mindestens 20 Begegnungen live. Die Präsenz beschränkt sich hierbei nicht auf die Partien der Ausmarchung um den Titel. Gezeigt werden auch Qualifikationsspiele, wodurch weniger kompetitive Clubs gleichfalls Aufmerksamkeit erhalten. Eric W. Zeller, der Kommunikationsverantwortliche, sagt, der Sender gebe keine Einschaltquoten bekannt; er versichert aber, diese entsprächen den Erwartungen.

Die Vor-Ort-Zuschauer-Zahlen im Handball sind höher als jene im Unihockey. Und einzelne Clubs verzeichnen einen bemerkenswerten Anstieg. Patrice Hitz, der Geschäftsführer des BSV Bern, sagt, der Schnitt habe um 70 Prozent angehoben werden können. 931 Personen verfolgen im Mittel die Partien des Vereins. Hitz erklärt, die erhöhte Präsenz sei ein Segen, die Clubs und deren Sponsoren würden dadurch national stärker wahrgenommen.

Den Trend in Bezug auf die Zuschauerzahlen indes führt er vorab auf die verbesserte Infrastruktur zurück. Der BSV trägt die Partien seit dieser Saison in der schicken Mobiliar-Arena aus. Der gleichfalls beachtliche Anstieg, den das im Mittel vor 937 Menschen spielende Pfadi Winterthur aufweist, dürfte genauso mit dem Umzug in eine neue Halle zu tun haben.

Meister Wacker Thun nämlich war durch seine Champions-League-Teilnahme im TV zuletzt so präsent wie keine andere Handballmannschaft hierzulande – und verzeichnet einen Rückgang. 835 Leute besuchten die Begegnungen der bisherigen Saison im Schnitt. Das ist für die in den Jahren davor beim Publikum ausgesprochen beliebten Berner Oberländer ein sehr bescheidener Wert. In ihrem Fall war die Fernsehpräsenz möglicherweise gar kontraproduktiv: Feststellbar ist bei potenziellen Zuschauern eine Art Übersättigung.

Berner Zeitung

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