In der Favoritenrolle versagt

Uni Bern hat die grosse Chance auf den ersten Cupfinal der Vereinsgeschichte fahrlässig vergeben. Der Favorit unterlag dem unterklassigen Züri Unterland diskussionslos mit 1:3 Sätzen.

Frust pur bei den Bernern Janick Sommer, Jeremy Tomasetti, Jakub Radomski und Andrin Flück (von rechts).

Frust pur bei den Bernern Janick Sommer, Jeremy Tomasetti, Jakub Radomski und Andrin Flück (von rechts).

(Bild: Dominic Staub)

Peter Berger@PeterBerger67

Am Ende war es nur noch peinlich. Die Berner liessen sich vom Unterklassigen vorführen. Wie der völlig verpatzte zweite Satz ging auch der vierte Durchgang mit 14:25 verloren. 1:3 lautete das klare Verdikt gegen Züri Unterland. «Der Gegner war in allen Belangen besser und hat verdient gewonnen», musste Trainer Mikolaj Ostrowski zugeben. Es war dem polnischen Coach nicht gelungen, das Team wachzurütteln.

Was war im Cup-Halbfinal schief gelaufen? «Alles», lautete die Antwort von Jacek Ziemnicki. Der Pole war einer der Schwachpunkte gewesen. Viel Mühe beim Service, bei der Annahme, kein Druck im Angriff – ein Ausfall. Die Schuld einem Einzelnen zu geben, wäre indes nicht fair. Uni Bern versagte als Team. Da war keiner, der die Equipe mitriss, dafür verwarf jeder die Hände und zeigte früh in der Partie eine negative Körpersprache. «Unterschätzt haben wir den Gegner nicht», hielt Ziemnicki fest. «Wir kamen mit unserem Druck nicht klar. In der Meisterschaft sind wir stets die Aussenseiter und dürfen gewinnen, hier mussten wir gewinnen.»

Tränen beim Captain

Das bestätigte auch Janick Sommer: «Bloss, gute Teams bestehen solche Prüfungen. Bei uns passte nie alles zusammen. Service, Annahme, Pass, Angriff, Block – etwas war immer schlecht. Für jeden einzelnen Punkt mussten wir hart kämpfen, so erlangten wir nie Sicherheit. Und irgendwann gingen uns dann die Lösungen aus.» Der Captain konnte die Tränen bei seiner Analyse nicht verbergen. Er konnte schlicht nicht glauben, wie das Team eine derart grosse Chance vergeben konnte.

Kritik vom Präsidenten

Auch Präsident Felix Merz traute seinen Augen nicht. «Dabei war die Chance auf den ersten Cupfinal der Vereinsgeschichte hervorragend. Wir erhielten in dieser Cupkampagne dreimal einen NLB-Club zugelost. Eine solche Ausgangslage erhält man höchstens alle 20 Jahre.» Natürlich, Züri Unterland ist ein NLB-Spitzenteam und verfügt über Spieler mit NLA-Erfahrung. Ein Ausrutscher gegen eine solche Equipe kann immer passieren. Doch ein derart ungenügender Auftritt im wichtigsten Spiel der Saison ist inakzeptabel. Merz sprach seine Kritik offen aus: «Ich habe das Team dieses Jahr noch nie so schlecht gesehen, das ist mega peinlich.» Statt mit dem Einzug in den Cupfinal einen Schub für die Volleyballszene in Bern auszulösen, kassierte Uni nun einen herben Rückschlag.

Ein Déjà-vu

In der Meisterschaft liegt das Team trotz dem 3:1-Sieg vom Samstag über Schlusslicht Jona an siebter und vorletzter Stelle. Im Playoff droht das schnellstmögliche Aus. «Deshalb wäre der Cupfinal umso wertvoller gewesen», sagt Merz. «Aber das Team ist nicht bereit, wenn es um alles geht.» Mit dieser Aussage verwies der Präsident auf das entscheidende Spiel um den NLB-Meister vor zwei Jahren. Auch damals verloren die Berner gegen Züri Unterland. So gesehen war die Cupblamage ein Déjà-vu, nur dass sich Uni damals trotz dem Ausrutscher über den Aufstieg in die NLA freuen konnte. Diesmal fehlte ein positiver Aspekt gänzlich.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt