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Kurze Wege

Edin Tatar steht seit Beginn der laufenden Saison im Tor des BSV Bern. Am Samstag will er mit seinen Paraden die Berner im Europacupspiel in Mazedonien gegen Bitola zum Erfolg führen.

Edin Tatar (links) erklärt eine Abwehraktion.
Edin Tatar (links) erklärt eine Abwehraktion.
Manuel Zingg

«Ich war acht Jahre alt. Schulfreunde spielten Handball und fuhren an ein Turnier nach Dänemark. Ich wollte unbedingt mit», erinnert sich Edin Tatar an seine Anfänge in dieser Sportart in Visoko, einer Kleinstadt 25 Kilometer von der bosnischen Kapitale Sarajevo entfernt. Erst war Tatar linker Flügel, doch dann fehlte ein Goalie, und man fragte ihn, ob er ins Tor stehen wolle. Er verliess die Position nicht mehr.

«Der Torhüter trägt viel Verantwortung, und das mag ich», sagt der heute 29-Jährige. «Halte ich keinen Ball, kann mein Team nicht gewinnen.» Aus dem Schüler ist ein Profihandballer geworden, der in das Blickfeld ausländischer Teams geriet. Tatar wechselte nach Polen, spielte für Pogon Stettin und Kalisz. Und suchte im letzten Sommer nach einer neuen Herausforderung.

Tatars Manager berichtete ihm vom Interesse aus Bern. Erst zögerte der Torhüter, weil die Schweizer Liga eine weniger grosse Leistungsdichte als die polnische aufweist. Und doch wechselte er zum BSV. Er führte Gespräche mit den Clubverantwortlichen, mit Trainer Aleksandar Stevic, und er rief Dragan Marjanac an. Seinem Vorgänger beim BSV war Tatar einst auch bei Bosna Sarajevo nachgefolgt; er kannte ihn flüchtig. «Alle erzählten mir Gutes über den Verein», sagt der Bosnier. Und entschied sich dazu, einen Zweijahresvertrag mit Option für ein drittes Jahr zu unterschreiben.

Alle verstehen Englisch

Tatar fühlte sich vom ersten Tag an wohl. Zusammen mit seiner Frau und dem anderthalbjährigen Sohn bezog er eine Wohnung in Gümligen. Der Familienvater streicht zwei Vorteile des Lebens als Handballer in der Schweiz hervor. Die meisten Leute verstehen und sprechen Englisch, Tatar kann sich problemlos verständigen. Mit Trainer Stevic und seinem Torhüterkollegen Renato Milosevic kann er sich in seiner Muttersprache unterhalten. Und die Wege sind kurz. In der Schweiz können die Teams nach allen Auswärtsspielen mit dem Car gleichentags wieder nach Hause fahren, während in Polen ein Spiel in der Fremde oft einen Zweitagestrip mit auswärtiger Übernachtung nach sich zog. «Ich bin so viel mehr bei meiner Familie», sagt Tatar.

Der 29-Jährige gehört dem bosnischen Nationalteam an; er verfolgt das Ziel, an der EM 2020 teilzunehmen. Mit dem Verein will Tatar bis zum Vertragsende einen Titel gewinnen; aktuell mit dem BSV in die Gruppenphase des EHF-Cups einziehen. Der Wettbewerb ist in diesem Jahr attraktiv besetzt; möglich wären Begegnungen mit einem Bundesliga-Spitzenclub wie dem THW Kiel, dem SC Magdeburg oder den Füchsen Berlin.

Dafür müssen die Berner in der 3. Runde Eurofarm Rabotnik Bitola aus Mazedonien bezwingen. «Ich kenne zwei Spieler, habe aber noch nie gegen das Team gespielt», sagt Tatar. «Wenn wir unser Leistungsvermögen ausspielen, sollten wir bestehen können», schätzt er die Chancen auf ein Weiterkommen ein. 600 Kilometer südlich seines Geburtsorts will er heute dazu beitragen, dass der BSV seinem Ziel auf internationaler Ebene ein grosses Stück näher kommt.

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