Mister Bumerang

Der Berner Manuel Schütz gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den erfolgreichsten und konstantesten Bumerangwerfern der Welt.

Enorm schnellkräftig: Manuel Schütz kann den Bumerang über 200 Meter weit werfen. Foto: Nicole Philipp

Enorm schnellkräftig: Manuel Schütz kann den Bumerang über 200 Meter weit werfen. Foto: Nicole Philipp

Adrian Lüpold

Er wirft schneller und weiter. Er liest Flugbahnen so gekonnt wie Profigolfer die Greens. Er verfügt über die grössere Ausdauer, schleudert mit mehr Gefühl und kann ausgefallenere Tricks zum Besten geben als die meisten seiner globalen Mitstreiter. Er ist Mister Bumerang: Fünf Weltrekorde kann sich der 41-Jährige Berner Manuel Schütz in der anspruchsvollen Wurfsportart an sein Revers heften, verkörpert als x-facher Welt- und Europameister in den verschiedenen Disziplinen seit mittlerweile mehr als zwei Jahrzehnten absolute Weltklasse.

Vor knapp zwei Wochen räumte Schütz auch an der Europameisterschaft in St. Gallen wieder im ganz grossen Stil ab, sicherte sich neben der begehrtesten Goldmedaille in der Gesamtwertung aller Wettkämpfe weitere Titel in drei von sechs Einzeldisziplinen.

Der Autodidakt

Das mythische Wurfgerät, dessen Ursprung als Jagdwaffe gemeinhin mit den australischen Ureinwohnern Aborigines assoziiert wird, zog Schütz bereits als Kind in seinen Bann. Als er eines Tages im Auto seines Vaters sitzend einen Mann beobachte, der auf einem Feld ein Holzstück in die Luft spedierte, das wie von Geisterhand zum Absender zurückkehrte, war es um den damals 8-Jährigen geschehen. «Das hat mich total fasziniert, ich wollte es unbedingt selber ausprobieren. Und ich wollte wissen, weshalb die Bumerangs so verschieden fliegen können», sagt Schütz.

Der aufgeweckte Junge, der sich immer auch schon für die Fliegerei interessiert hatte, recherchierte und saugte alles auf, was sich mit Bumerang befasste. Er las Bücher und Zeitschriften, in denen er auch Pläne und Anleitungen zum Bau eigener Bumerangs fand. Er begann als Autodidakt selber zu werfen, tüftelte an der Technik und experimentierte mit den verschieden geformten Geschossen. An Wettkämpfen lernte er von etablierten Werfern viel über effiziente Wurftechniken dazu, in stundenlangen Sessions verfeinerte er seinen eigenen Stil.

1993 reiste er als 15-Jähriger mit seinem Vater an die Schweizer Meisterschaften in St. Gallen, die in einem Aha-Erlebnis mündeten. «Ich war eigentlich von Natur aus nicht so der Wettkampftyp», sagt Schütz schmunzelnd. Als er jedoch nach dem Einwerfen so viel Eindruck hinterlassen hatte, deswegen auch etwas unfreiwillig bei den Erwachsenen eingeteilt wurde und danach in einer Disziplin sogar die Bronzemedaille gewann, roch er indes Lunte. «Das hat mich natürlich motiviert, dranzubleiben und noch besser zu werden», erklärt Schütz. Es war der Anfang einer beeindruckenden, mit unzähligen Titeln gesäten Karriere.

Der unglaubliche Rekord

1999 war Schütz bereits in der absoluten Weltelite angekommen. Aus diesem Jahr datiert auch sein Weltrekord in der Disziplin «Long Distance», dem Weitwerfen. Auf sagenhafte 238 Meter schleuderte er den Bumerang damals in Kloten, es könnte ein Rekord für die Ewigkeit sein. «Das ist mein Lieblingsrekord, es hat einfach alles gepasst damals. Von meiner Tagesform bis zu den Bedingungen», sagt Schütz, der in seiner Freizeit auch gerne ab und zu das Tennisracket schwingt. Die unfassbare Weite, die mehr als zwei Fussballfelder am Stück abdeckt, zeigt gut auf, mit welcher Dynamik die Athleten agieren müssen und wie unfassbar schnellkräftig die Muskeln der besten Bumerangwerfer sind.

Vermutlich hätte Schütz, der als Mathematik- und Physiklehrer an einer Berufsmaturitätsschule arbeitet, deshalb beispielsweise auch als Speerwerfer viel Potenzial gehabt. Doch seine Leidenschaft gehört dem Bumerang. Und das wird für immer so bleiben. Manuel Schütz liebt die familiäre Szene an den Turnieren, baut und pröbelt weiterhin mit viel Leidenschaft an seinen eigenen Wurfgeräten – er besitzt mehr als 2000 handgefertigte Geschosse aus verschiedenen Materialen und Farben mit diversen Flugeigenschaften – und mag es nach wie vor, an den Wettkämpfen Medaillen einzuheimsen. Er ist und bleibt Mister Bumerang.

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