Mit der Konstanz ist es so eine Sache

Die SCL Tigers feiern beim 4:3 über Ambri den ersten Sieg nach zuletzt drei Niederlagen in Folge. Die Partie ist am Ende hochdramatisch – und sie offenbart die Schwächen der Langnauer.

Nach dem 2:2 entladen sich die Emotionen: Irgendwo im Getümmel liegt Langnaus Andrea Glauser.

Nach dem 2:2 entladen sich die Emotionen: Irgendwo im Getümmel liegt Langnaus Andrea Glauser.

(Bild: Keystone/Marcel Bieri)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Sie fluchen, sie stampfen, sie verwerfen die Hände. Einer streckt mit hochrotem Kopf sogar eine Geldnote in Richtung Schiedsrichter. Die Botschaft ist unmissverständlich. Es fehlt an diesem Samstagabend sicher an spielerischer Klasse bei beiden Teams – und an einer klaren Linie beim Schiedsrichtergespann Marc Wiegand/Alex Dipietro. An einem aber mangelt es gewiss nicht: an Emotionen.

Letztlich behalten die SCL Tigers das bessere Ende für sich. Der 4:3-Erfolg über Ambri ist hart erkämpft – so, wie sie sich das in Langnau wünschen. «Wir wollten diesen Sieg unbedingt. Und er bringt uns viel Energie», meint Federico Lardi. Sehr wichtig für die Moral sei dieses Erfolgserlebnis, hält derweil Pascal Berger fest. Der Langnauer Captain ist der Held dieser Partie, weil er in der 58. Minute in Überzahl den Siegtreffer erzielt und damit die Wände der Ilfishalle zum Erzittern bringt.

Dramatik pur

Derweil manch Zuschauer auch Minuten nach Spielschluss noch aufgewühlt ist, rekapituliert Berger im Kabinengang das Geschehen mit fast schon stoischer Ruhe. Er spricht etwa von einem soliden Start und dem Nachlassen im Mitteldrittel. «In der zweiten Pause haben wir uns in Erinnerung gerufen, dass wir wieder «chrampfen» müssen», erzählt er.

Zuvor hatte Ambri aus einem 0:1 ein 2:1 gemacht, zweimal traf der ehemalige Tigers- Junior Dario Rohrbach. Es war erstaunlich, wie die Langnauer ihre Defensive entblössten, sich von den Leventinern einschnüren liessen. «Wir begannen im zweiten Drittel vom ersten Bully an zu spekulieren, die Leistung stimmte nicht mehr, dazu kamen Strafen. Damit brachten wir uns gegen eine so hart kämpfende Mannschaft in eine schwierige Situation», sagt Tigers-Coach Heinz Ehlers.

Doch dann überschlugen sich die Geschehnisse. Nach Robbie Earls 2:2 kam es zu einer Rauferei, weil sich die Gäste gleich doppelt benachteiligt sahen: Sie beanstandeten einen Check von Chris DiDomenico an Jannik Fischer unmittelbar vor dem Ausgleich, und sie monierten eine Torhüterbehinderung durch Andrea Glauser. Beides war falsch. Der Check von «DiDo» war hart, aber korrekt.

Und Glauser hatte Benjamin Conz nicht bedrängt. Aber nun war Feuer im Dach – und das Geschehen blieb hochdramatisch. 27 Sekunden nach dem 2:3 erzielte Ben Maxwell via Fischers Schlittschuh den Ausgleich. Schliesslich enervierte sich Assistenzcoach Rikard Franzen nach einer Strafe gegen Schmutz derart, dass die Gastgeber zwei Minuten in doppelter Unterzahl spielen mussten. Sie überstanden diese, worauf Bergers grosser Auftritt folgte.

Glück im Unglück bei Blaser

In einem Bereich sind die SCL Tigers die Nummer 1 der Liga: In der Auslastung des Stadions. 95 Prozent beträgt diese, zum vierten Mal in Folge war die Ilfishalle bereits ausverkauft. Und das, obwohl das Team gehörig an Schwung eingebüsst hat. Zuletzt verloren die SCL Tigers dreimal de suite, schieden überdies im Cup aus. «Es bringt uns nichts, wenn wir fünfmal nacheinander gewinnen und dann viermal verlieren», sagt Lardi.

Mit der Konstanz ist es bei den Langnauern so eine Sache. Das widerspiegelt sich auch in den einzelnen Spielen immer wieder. In Lausanne verschliefen sie am Freitag das erste Drittel komplett, handelten sich dabei einen 0:3-Rückstand ein – welcher trotz Reaktion im Schlussdrittel eine zu grosse Hypothek darstellte. Gegen Ambri tauchte die Mannschaft ebenfalls über eine längere Phase ab.

«Wir haben im Moment einfach Mühe, 60 Minuten gut zu spielen. Daran müssen wir arbeiten. Denn wenn wir nur ein wenig nachlassen, gibt das dem Gegner sofort Aufwind», sagt Berger. Nur: Wie können die SCL Tigers diese Schwäche ausmerzen? Es gehe nur über den Kampf, betont Lardi.

Einer der diesbezüglich vorangeht, wird den Langnauern aber zwei bis drei Wochen fehlen: Yannick Blaser. Der Verteidiger wurde am Freitag beim Blocken eines Schusses im Rippenbereich getroffen, worauf er Blut spucken musste. Doch Blaser hatte Glück im Unglück: Er zog sich «nur» eine Lungenprellung zu.

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