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Routinierte Berner Neulinge

Am Freitag startet in Saudiarabien die sechste Saison der Formel E. Mit dabei sind auch der Seeländer Neel Jani und der Oberländer Nico Müller.

Ein neuer Wagen in der Formel E: Porsche steigt mit dem Modell 99X Electric in die boomende Serie ein.
Ein neuer Wagen in der Formel E: Porsche steigt mit dem Modell 99X Electric in die boomende Serie ein.
Porsche

Neel Jani und Nico Müller haben ein paar Gemeinsamkeiten. Beide sind Berner, beide sind routinierte Rennfahrer, und beide konnten schon Erfolge feiern. Aber für beide gilt: Vergangene Meriten zählen ab übermorgen nichts mehr, dann sind Jani und Müller vor allem eines – Rookies in der Formel E.

Der 35-jährige Seeländer aus Jens steigt mit Porsche in die Elektroserie ein. Der acht Jahre jüngere Müller hat ein Cockpit beim amerikanischen Rennstall Dragon Racing erhalten. Der Blumensteiner bleibt gleichzeitig Werksfahrer bei Audi und wird für die Ingolstädter – nach dem zweiten Gesamtrang in diesem Jahr – auch 2020 die DTM bestreiten.

«Dragon ist ein kleines Privatteam, wie ich es von früher kenne, mit viel weniger, aber nicht minder leidenschaftlichen Mitarbeitern», nennt Müller den Hauptunterschied zu Audi, betont aber: «Der Tapetenwechsel tut mir gut.» Die Formel E ist für ihn nicht ganz neu, schliesslich war er in den vergangenen Jahren Testfahrer für die Deutschen.

Der Blumensteiner Nico Müller fährt für Dragon. Bild: Dragon Racing
Der Blumensteiner Nico Müller fährt für Dragon. Bild: Dragon Racing

Und dennoch ist eben jetzt auch für ihn vieles neu. «Das Team ist anders aufgebaut, und die Systeme sind verschieden. Der Einfluss des Fahrers ist im kleinen Team grösser. Ich habe mich aber schnell eingelebt. Trotzdem werden wir eine Lernphase haben, schliesslich fahren wir gegen riesige Teams. Es ist fast wie David gegen Goliath», sagt Müller.

Am einzigen Testevent überzeugte Müller im Oktober in Valencia mit der drittschnellsten Zeit. «Tests sind wenig aussagekräftig, aber es ist immer wichtig, wenn man am richtigen Ende der Rangliste klassiert ist.» Davon war Jani weit entfernt. Der Le-Mans-Sieger von 2016 lan­dete als 22. am anderen Ende.

«Wir werden die Formel-E-Welt nicht in einem Jahr erobern.»

Porsche-Fahrer Neel Jani

«Wir sind noch nicht die Schnellsten», weiss er. Obwohl Jani für einen grossen Hersteller fährt, hält er fest: «Alles ist neu. Ich kennedie Strecken nicht, das Team kann nicht auf eingespielte Abläufe zurückgreifen. Wir müssen schnell und viel lernen.»

Denn Porsche strebt nach der Dominanz in der Langstrecken-WM auch in der Elektroserie Podestplätze an. «Aber wir werden die Formel-E-Welt nicht in einem Jahr erobern. Unser Ziel ist, spätestens in der zweiten Saisonhälfte konkurrenzfähig zu sein.»

Bei den Tests zerlegte Jani bei einem Crash das Auto. «In der Formel E herrscht eine andere Philosophie, hier gehören Un­fälle dazu.» Die Stadtkurse zwischen engen Mauern verzeihen keine Fehler.

Der Seeländer Neel Jani fährt für Porsche. Bild: Freshfocus
Der Seeländer Neel Jani fährt für Porsche. Bild: Freshfocus

Die schwierige Strecke in Saudiarabien wird mit den Rennen am Freitag und am Samstag eine erste Standortbestimmung liefern. Jani und Müller sind sich jedoch einig, dass während der Saison in der boomenden Formel E viel passieren wird. «Ich erwarte eine extreme Durch­mischung im ganzen Feld», sagt Müller. Und Jani ergänzt: «Die Formel E ist unberechenbar.»

Das bestätigt ein Blick in die vergangene Saison. Neun verschiedene Fahrer liessen sich bei den dreizehn Rennen in die Siegerliste eintragen. Die beiden Berner Neulinge hätten deshalb nichts dagegen, wenn sie Ende Saison eine weitere Gemeinsamkeit vorweisen könnten und sich als Sieger in der Formel E bezeichnen dürften.

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