Verschmitzt und ambitioniert

David Eychmüller (15) gehört zu den besten jungen Badminton-Talenten des Landes. Der gebürtige Ostschweizer des BC Bern spielte am Wochenende an der Berner Meisterschaft und will sich stetig nach oben arbeiten.

Mit Konzentration und Spielfreude: David Eychmüller.

Mit Konzentration und Spielfreude: David Eychmüller.

(Bild: Marcel Bieri)

Simon Scheidegger@theSimon_S

Als David Eychmüller am Samstagmittag in der Schützenmatt-Turnhalle in Burgdorf ankommt, hat er Zeit, mehr Zeit, als ursprünglich geplant gewesen wäre. Doch weil sich sein erster Einsatz an der 30. Berner Badminton-Meisterschaft wegen des Rückzugs seines Gegners verzögert, setzt sich der 15-Jährige auf einen der Holzbänke und beginnt zu erzählen: von damals, als er noch Fussball spielte und Leichtathletik ausprobierte, bis ihn sein Bruder Julian erstmals mitnahm in ein Badmintontraining.

Von da an gab es für Eychmüller nur noch Schläger, Shuttle und Netz. Das ist mittlerweile gut sieben Jahre her, und die Faszination für den Sport ist ungebrochen. Er spricht von einer Mischung aus Koordination, Technik, Kondition und Kraft, die Badminton vereine. «Es bringt nichts, wenn man nur voll draufhaut», sagt Eychmüller. Um erfolgreich zu sein, müsse man die verschiedenen Facetten des Spiels möglichst gut miteinander kombinieren.

Der Schulwechsel

Der gebürtige Ostschweizer, der in Teufen in Appenzell Ausserrhoden aufgewachsen ist, wohnt mit seiner Familie seit fünf Jahren in Gümligen und hat sich zu einem der besten Schweizer Spieler seines Jahrgangs entwickelt. Er gehört dem Perspektivenkader von Swiss Badminton an.

Diese Aufnahme in den nationalen Kreis der besten jungen Spieler bezeichnet Eychmüller als seinen bisher grössten sportlichen Erfolg. Auch wenn sie zur Folge hatte, dass der Gymnasiast sein Leben neu strukturieren musste: Er wechselte vom Gymnasium Kirchenfeld in eine Sportförderungsklasse am Gymnasium Neufeld, wo er nur halbtags die Schulbank drücken muss, während die andere Hälfte des Tages für Badminton reserviert bleibt.

Knapp 20 Stunden trainiert Eychmüller nun pro Woche – vorwiegend an der Cuntapay Badminton Academy in Worblaufen beim früheren Spitzenspieler Donovan Cuntapay.

Der Vergleich mit Federer

Es sei ein Schritt Richtung Professionalität, der sich gelohnt habe, findet Eychmüller, denn er merke, dass er sowohl in den Spielen als auch den Trainings, die er unter anderem regelmässig mit der Burgdorfer Profi­spielerin Nadia Fankhauser absolviert, besser mithalten könne. «Es kommt langsam», sagt er und lacht verschmitzt durch seine Zahnspange.

Auch wenn Badminton hierzulande ein Randsportartendasein fristet, will sich Eychmüller Schritt für Schritt weiterentwickeln und nach oben arbeiten. Momentan ist er beim BC Bern Stammspieler in der 2. Liga, er hofft aber, in der nächsten Saison in der 1. Liga oder gar der Nationalliga B spielen zu können. Auch um seine Chancen zu verbessern, vom Perspektivenkader ins B-Kader des Verbandes aufzusteigen.

Der Schüler lässt sich von den strukturell bedingt geringen Chancen, als Schweizer Badmintonspieler irgendwann auf der grossen internationalen Bühne, sprich EM, WM und Olympische Spiele, erfolgreich zu sein, nicht beirren. Viktor Axelsen nennt er ein Vorbild, nicht nur wegen der Ähnlichkeiten im Spielstil, sondern auch deshalb, weil es der Däne schaffte, 2017 Weltmeister zu werden und die asiatische Dominanz zu durchbrechen. «Ich will einfach mal probieren, wie weit ich es schaffe», sagt Eychmüller.

Vor Roger Federer habe im Männertennis schliesslich auch kein Schweizer zur Weltspitze gehört. «Es kann ja gut sein, dass es auch im Badminton mal einen solchen Exploit gibt.» Sein Optimismus ist ungebrochen. Auch wenn es ihm in Burgdorf nicht ganz wie gewünscht laufen sollte. In diesem Jahr durfte Eychmüller an der BBM erstmals in der ersten Stärkeklasse antreten und verlor nach den Gruppenspielen in der ersten Runde gegen Flavio Baumann.

Bei den Männern triumphierte im Einzel schliesslich der topgesetzte Andreas Zbinden, bei den Frauen liess sich die ungesetzte Jacqueline Schär zur Berner Meisterin krönen.

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