«Yeah, es ist kein Traum»

Xenia Staffelbach (20), die einzige Bernerin im Team, erzählt am Tag nach der ersten EM-Qualifikation eines Schweizer Volleyball-Nationalteams von den Gefühlen und dem Ass.

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Xenia Staffelbach, mit Ihrem Ass zum 25:22 sicherten Sie der Schweiz gegen Österreich die 2:0-Satzführung und damit den nötigen Punkt für die EM-Teilnahme (bei der 2:3-Niederlage erhielt die Schweiz einen, Österreich zwei Punkte, die Red.). War das Ihr wichtigster Service der Karriere? Ich wusste, dass mich Trainer Timo Lippuner während der Partie für den Service einwechseln würde. Aber ich schaute absichtlich nicht auf den Punktestand. Ich war mir deshalb nicht bewusst, dass es der Satzball war.

Demnach fühlten Sie keinen speziellen Druck? Wenn man nur für ein Anspiel eingewechselt wird, ist das immer schwierig. Man muss viel Risiko eingehen, um dem Team mit einem guten Anspiel zu helfen. Gleichzeitig darf man keinen Fehler machen, sonst wartet man dann wieder lange auf die nächste Einwechslung.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als das entscheidende Ass Tatsache war? Als ich realisierte, dass dies die EM-Teilnahme bedeutete, war das mega cool. All diese Gefühle kann man nicht beschreiben. Aber wenn mich jemand fragt, warum ich so viele Trainings mit anschliessendem Muskelkater auf mich nehme, derart intensiv für das Volleyball lebe und auf vieles andere verzichte, dann kann ich jetzt antworten: genau für solche Momente.

Haben Sie nach dem Spiel ausgiebig gefeiert? Wir sind irgendwie nicht dazu gekommen. Nach unserer Partie spielten ja noch die Männer. Gemeinsam schauten wir uns noch dieses Spiel an. Und danach ging es schon heim, schliesslich trainierte jede am Donnerstag bereits wieder mit ihrem Club. Aber sobald es die Zeit erlaubt, werden wir die Party ganz bestimmt nachholen.

Aber Sie sind sich schon bewusst, dass Sie mit der ersten sportlichen Qualifikation eines Schweizer Volleyball-Nationalteams für eine EM Historisches geschafft haben? Jetzt schon. Ich hatte extrem Mühe einzuschlafen und wollte, dass dieser Traum nie aufhört. Am Morgen schaute ich mir dann nochmals die Video-Highlights an. Da war ich sehr froh, dass ich feststellen konnte: Yeah, es ist kein Traum.

Als eigentliche Mittelblockerin wurden Sie ja meist nur für Anspiele eingewechselt. Wie gingen Sie damit um? Das ist eine schwierige Rolle, doch ich akzeptiere sie. Ich trainiere voll mit, komme aber nur wenig zum Einsatz. Mental ist das nicht einfach. Umso schöner, dass ich jetzt meinen Beitrag zum Erfolg leisten konnte.

Je nach Auslosung am 23. Januar wird die Schweiz im Sommer die EM in Polen, Ungarn, der Slowakei oder der Türkei bestreiten. Ihre Präferenz? Polen oder Türkei. In diesen Ländern geniesst Volleyball einen hohen Stellenwert wie bei uns Fussball oder Eishockey. In einem dieser grossen und vollen Stadien zu spielen, wäre gigantisch.

Vorerst geht es für Sie aber im Club weiter. Genau. Am Wochenende stehen je ein Cup- und ein Meisterschaftsspiel an. Ich habe vor zwei Jahren von Köniz zu Neuenburg gewechselt. Ich würde gerne noch ein drittes Jahr bleiben, denn ich studiere hier an der Universität Englisch und Spanisch, mit dem Ziel, diese Sprachen einst zu unterrichten.

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