Die zweite Garde muss es richten

Schwingen

Die Berner treten am Sonntag arg dezimiert zum Schwägalp-Schwinget an. Gleichwohl wollen sie am letzten Bergkranzfest der Saison dominant auftreten.

Thomas Sempach (oben) wird am Sonntag einer der Berner Hoffnungsträger auf der Schwägalp sein. Hier bodigte er Yanick Klausner am Weissenstein-Schwinget 2017.

Thomas Sempach (oben) wird am Sonntag einer der Berner Hoffnungsträger auf der Schwägalp sein. Hier bodigte er Yanick Klausner am Weissenstein-Schwinget 2017.

Marco Oppliger@BernerZeitung

Die Ausgangslage ist gut – für die Nordostschweizer. Sie nehmen den sonntäglichen Schwägalp-Schwinget, ihr Heim-Bergkranzfest, als Favoriten in Angriff. Das überrascht einerseits, nimmt doch auch eine Berner Delegation am Kräftemessen unterhalb des Säntis teil. Doch: Der stärkste Teilverband tritt bei weitem nicht in Bestbesetzung an; die drei Schwingerkönige Kilian Wenger, Matthias Glarner und Matthias Sempach fehlen ebenso wie Christian Stucki.

Letzterer meldete sich am Dienstag ab, weil er im Hinblick auf den Unspunnen-Schwinget vom übernächsten Sonntag eine Pause benötigt, um kleinere Blessuren auszuheilen. Der Seeländer, welcher in diesem Jahr bereits fünf Kranzfeste für sich entschied, wäre auf der Schwägalp zweifellos Anführer und Topfavorit der Berner gewesen. «Es muss für den Schwinger stimmen», hält Peter Schmutz, der Technische Leiter der Berner, fest. Schliesslich wird er seine Spitzenkräfte in einer Woche in Interlaken in Topform brauchen.

Somit ist der stärkste Teilverband auf der Schwägalp nur noch mit 19 Schwingern vertreten, darunter figurieren fünf «Eidgenossen»: Simon Anderegg, Florian Gnägi, Philipp Reusser, Patrick Schenk und Thomas Sempach. Gleichwohl ist für Schmutz klar: «Ein Berner muss im Schlussgang stehen.» Das wird zweifellos keine leichte Aufgabe, schliesslich werden die Nordostschweizer alles daran setzen, einen der ihren ganz nach vorne zu bringen. Und mit Samuel Giger (4 Kranzfestsiege in dieser Saison) und Armon Orlik (2) stellen sie auch die Topfavoriten.

Als alles zusammenpasste

«Wir müssen auf der Hut sein», meint Thomas Sempach. «Aber wir haben in dieser Saison auch schon gezeigt, dass wir mit den beiden Youngsters mithalten können.» Auf dem Brünig beispielsweise bezwang Giger im ersten Gang überraschend Stucki, danach allerdings stellte er mit Sempach, Bernhard Kämpf und Simon Anderegg und fiel dadurch in der Rangliste auf Rang 5b zurück.

«Der Kranz wäre optimal», meint Sempach, angesprochen auf sein Ziel am Sonntag. Der Heimenschwander blickt auf eine durchzogene Saison zurück, doch die Schwägalp ist für ihn ein spezielles Pflaster, weshalb er sich auf das Kräftemessen freut. Vor neun Jahren triumphierte Sempach schliesslich am Fusse des Säntis, als erster Berner in der Geschichte notabene. «An diesem Tag hat einfach alles zusammengepasst», hält er fest.

Nach vier Gängen lag Sempach nur auf Rang 10, doch weil die Konkurrenten vor ihm patzten, er aber den fünften Vergleich mit der Maximalpunktzahl gewann, qualifizierte er sich schliesslich für den Schlussgang. Und dort traf er auf Christian Bürki – ausgerechnet! Mit seinem Emmentaler Kollegen hatte er schliesslich gemeinsam die Anreise angetreten. «Damit hätten wir nicht gerechnet», sagt Sempach lächelnd. Der 32-Jährige erinnert sich, dass damals vorab eine starke Berner Teamleistung zum Erfolg führte. Stefan Fausch hatte nach drei Gängen mit drei Siegen vorne gelegen, doch dann banden Simon Anderegg und Matthias Glarner den Favoriten mit zwei «Gestellten» zurück.

Gleiches erhofft sich Sempach auch am Sonntag. «Wir treten zwar nicht in Bestbesetzung an, haben aber trotzdem starke Schwinger dabei. Wir werden unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen.»

Berner Zeitung

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