Zum Hauptinhalt springen

Baumeister für Federers Erben

Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach nahm gegenüber «Le Temps» Stellung zur Zukunft des Schweizer Tennis nach Roger Federer und zum Streit zwischen den Spielern und dem Tennisverband.

Muss das Schweizer Tennis auf die Zeit nach Roger Federers Karriere vorbereiten: Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach.
Muss das Schweizer Tennis auf die Zeit nach Roger Federers Karriere vorbereiten: Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach.
Keystone

Roger Federer ist mit seinen 30 Jahren im Herbst seiner Karriere angelangt und wird die Schweiz nicht mehr für Jahre im Welt-Tennis vertreten können. Allenfalls wird der beste Schweizer Tennisspieler bereits 2012 aufhören, auch wenn Stammbach diese Meinung nicht vertritt: «Er hat das Potenzial noch mindestens zwei Jahre oder mehr zu spielen.»

Dennoch laufen beim Schweizer Verband seit Jahren Bemühungen für die Zeit nach Federers Karriere. Das nationale Zentrum in Biel besteht schon seit 14 Jahren, vor zwei Jahren schliesslich wurde die Swiss Tennis Academy gegründet, um das Zentrum besser auszulasten. Zudem werden jedes Jahr Partner-Akademien erkoren, zur Zeit 10, ab 2012 sogar deren 15. Stammbach warnt aber, dass die Früchte dieser Bemühungen «nicht vor fünf oder sechs Jahren» zu sehen seien. Aber die seit Jahren steigenden Zahlen an jungen Spielern machen Hoffnung.

Swiss Indoors ohne Federer

Schwieriger dürften es die Swiss Indoors in Basel nach Federers Rücktritt haben, da laut Stammbach «die Leute kommen, um Federer zu sehen». Deswegen muss sich nach Stammbachs Ansicht das Turnier «nach Federers Abgang redimensionieren». «Langfristig bin ich überzeugt, dass sich dieses erstklassige Turnier seinen Platz im ATP-Kalender verdienen wird.»

Swiss Tennis setzt neben Roger Federer vor allem auch auf Tennisspieler aus der zweiten Reihe: Stanislas Wawrinka bei den Männer und Timea Bacsinszky bei den Frauen wurden zu Botschaftern von Swiss Tennis ernannt. «Wir haben auch einen Vertrag unterzeichnet mit Heinz Günthardt und Yves Allégro», sagt Stammbach.

Hingis mit Federer?

Kurzfristig stehen aber der Davis-Cup 2012 und die Olympischen Spiele in London im Vordergrund. René Stammbach mag für die Sommerspiele noch nicht an das Mixed-Doppel von Roger Federer und Martina Hingis glauben. Denn einerseits müsste Martina Hingis, um sich zu qualifizieren, noch zweimal für die Schweiz spielen. Das heisst im Februar im Fedcup. Anderseits würde sich Federers Programm zusätzlich verdichten: «Ich habe Zweifel, weil das bedeutet für ihn, das Einzel, das Doppel und das Mixed-Doppel in zehn Tagen zu bestreiten.»

Ob Federer in den Achtelfinals des Davis-Cup im Februar dabei ist, ist noch offen. Die USA sind aber nach Stammbachs Einschätzung ein schwerer Gegner, weshalb die Schweizer wohl auf Sand antreten werden – ein Untergrund, der den US-Amerikanern nicht sonderlich behagt. Die Spiele werden, wie er verrät, nicht in der Deutschschweiz stattfinden.

ATP soll Lösung finden

Im Kalenderstreit zwischen Spielern, der ATP, WTA und der Internationalen Tennis-Föderation (ITF), als dessen Direktor Stammbach nominiert werden wird, sieht er zum einen die Spieler im Unrecht, auch wenn es Verbesserungsmöglichkeiten im voll gepackten Tennis-Jahr gäbe: «Sicher, sie spielen viel, aber man darf nicht vergessen, dass die Top-Stars auch eine gewisse Zahl von Tagen Exhibition-Matches bestreiten.» Deswegen sollte die ITF auch nicht nachgeben.

Daneben gibt er auch dem jetzigen ITF-Präsidenten Francesco Bitti in seiner harten Position Recht, dass die ATP für den Kalender selbst Lösungen finden muss. Der Davis-Cup nimmt in seinen Augen darin nur einen kleinen Teil ein. Deshalb ist es für Stammbach klar, dass der Davis-Cup wegen seiner grossen Tradition im Kalender bleiben muss. Die Euphorie in Serbien nach dem Sieg von dessen Team um Novak Djokovic 2010 zeigt dies auf.

Angesprochen auf die Einnahmenverteilung, bei welcher sich gewisse Spieler einen grösseren Anteil wünschen, mahnt Stammbach die Rolle der ITF und der nationalen Föderationen an, welche diese sowohl in der Organisation von kleineren Turnieren (z.B. auf der Challenger-Tour) und in der Jugendförderung spielen. «Die 207 nationalen Verbände investieren mehr Geld in diesen Sport als die ATP und die WTA.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch