BBC-Mann prallt an Federer ab

Ob er seinen Familienmitgliedern Anweisungen für ihr Verhalten auf dem Platz gebe, wollte ein Journalist von Roger Federer an der Pressekonferenz wissen.

«Ich wünschte, es würde sich schneller bessern»: Roger Federer gibt an der Pressekonferenz in Lille Auskunft über seinen Gesundheitszustand.

«Ich wünschte, es würde sich schneller bessern»: Roger Federer gibt an der Pressekonferenz in Lille Auskunft über seinen Gesundheitszustand.

(Bild: Keystone)

René Stauffer@staffsky

In einer erfrischenden Offenheit beschönigte Roger Federer gestern seine Lage nicht: «Ich wünschte, es würde sich schneller bessern. Aber der Prozess ist langsam. Es geht nur in Babyschritten vorwärts.» Die in London aufgetauchten Rückenprobleme seien seiner Erfahrung nach eher schwerer Natur, bestätigte er frühere Informationen. An ein Training sei jedenfalls noch nicht zu denken gewesen. «Zuerst musste ich pausieren, damit die Entzündung nachliess. Nun sind Übungen und weitere ­Behandlungen an der Reihe.»

Hoffnung und Zweckoptimismus

Er sei ein Rückenexperte, habe ein gutes Team um sich und wisse, dass er bisher gar nicht viel anderes hätte machen können, sagte Federer. Er hoffe nun, wenigstens am Mittwoch und/oder Donnerstagmorgen trainieren zu können (danach muss Severin Lüthi die Einzelspieler für den Freitag nominieren). Wie gross seine Einsatzchancen seien, wisse er nicht. «Aber ich bin ein positiver Mensch und gebe den Glauben nicht auf», übte er sich in Zweckoptimismus. «Eineinhalb Tage sind manchmal lang, und wir Spitzensportler erholen uns schnell.»

Auf die Frage, wie viel Zeit er minimal brauche, um sich auf den Sandplatz einzustellen, skizziert Federer sogar ein ­eigentlich unvorstellbares Notfallsze­nario: einen Einsatz ohne Training. «Es wäre schön, einen Tag auf Sand zu spielen. Aber es wäre auch möglich, ohne Training zu spielen.» In diesem Fall ­würden ihm einfach die Informationen über die Spielbedingungen fehlen, schob er nach.

Der Beginn der Medienkonferenz, zu der das Schweizer Team inklusive Captain Lüthi gemeinsam erschien, wurde von einem anderen Thema dominiert: Ein Reporter von Radio BBC bohrte hartnäckig nach weiteren Informationen zum Zwischenfall im Schweizer ­Duell der World Tour Finals in London, in dem es zwischen Wawrinka und Federers Frau Mirka bekanntlich zu einem kurzen, aber unschönen Wortwechsel gekommen war. Stuhlschiedsrichter Cédric Mourier bestätigte dies inzwischen in ­einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «20 minutes» – was er gemäss Federer und Wawrinka wohl gar nicht hätte tun dürfen. «Er leistete ohnehin keinen ­guten Job», sagte der Lausanner.

«Wir sind Freunde, nicht Feinde»

Federer nahm erstmals und sichtlich ungern Stellung zum Intermezzo, das speziell in Grossbritannien noch immer hohe Wellen wirft. Er bestätigte, dass er sich mit Wawrinka nach der Partie in ­Anwesenheit von Lüthi ausgesprochen habe. «Nun ist alles entspannt. Wir sind Freunde, keine Feinde, und wir sind alt genug.» Sie würden die Zeit in Lille geniessen. «Es war eine dieser Situationen, die sich in der Hitze des Gefechts ergeben können.» Wawrinka stützte diese Einschätzung und bezeichnete den Vorfall als Kleinigkeit, die innerhalb von fünf Minuten geregelt worden sei. Er ­erlaubte sich sogar einen Scherz zum Thema: «Es gibt jetzt eine neue Regel: dass wir nur noch über ­Lüthi miteinander sprechen . . .»

Als der BBC-Mann Federer auch noch fragte, ob er mit den Familienmitgliedern darüber spreche, wie sie sich auf dem Court aufführen sollen, hatte dieser genug und blockte ab; nun gehe er zu weit. Lüthi äusserte später sogar die Vermutung, dass der Zwischenfall sein Team eher noch zusammenge­schweisst haben könnte.

Auf Französisch gab Federer dann auch zu, dass die vergangenen Tage für ihn nicht einfach waren mit dem Forfait für den Londoner Final. «Ich dachte sogar: Hätte Stan nur den Match beendet, als er 5:3 führte. Dann hätte ich jetzt keine Rückenprobleme, und die jetzige Situation wäre gar nicht entstanden.» Trotz der Konzentration auf die zwei Top-5-Spieler rückten aber auch Marco ­Chiudinelli und ­Michael Lammer in den Fokus: ­Einer der beiden – wohl der Basler – könnte am Freitag unverhofft zu ­einem grossen Auftritt kommen.

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