Coach: «Roger gibt sich nicht mit dem Halbfinal zufrieden»

Federer-Coach Severin Lüthi spricht über die Vorbereitung aufs grosse Spiel und über den Pariser Rummel um den Maestro.

Severin Lüthi: Der 43-jährige Berner ist seit Frühjahr 2007 der Coach von Roger Federer und erlebte mit ihm 53 seiner 101 Titel. (Foto: Keystone)

Severin Lüthi: Der 43-jährige Berner ist seit Frühjahr 2007 der Coach von Roger Federer und erlebte mit ihm 53 seiner 101 Titel. (Foto: Keystone)

Simon Graf@SimonGraf1

Roger Federer wirkte im ­Training sehr locker. Stimmt der Eindruck?
Absolut. Die Lockerheit ist eine grosse Stärke von ihm. Aber er kann sich trotzdem gut auf die entscheidenden Dinge konzentrieren. Praktisch auf Knopfdruck. Ich denke, es hilft, dass er weiss, schon ein gutes Turnier gespielt zu haben. Und bei ihm besteht die Gefahr nicht, dass er sich mit dem Halbfinal zufriedengibt.

Trainierte er am verregneten Mittwoch in der Halle?
Nein. Wir machten uns keinen Stress. Wir blieben im Hotel und warteten, ob es sich noch ergibt. Aber dann sagten wir irgendwann: Es macht keinen Sinn. So gingen wir gar nicht auf die Anlage, und er konnte sich am Mittwoch schön erholen. Heute (Donnerstag) machten wir etwas mehr.

Federer hat in Paris alle fünf Partien gegen Nadal verloren. Welche Schlüsse haben Sie daraus gezogen?
Ihr letztes Spiel hier liegt schon acht Jahre zurück. Roger ist nicht mehr der gleiche Spieler wie 2011, Rafa auch nicht. Hätten sie hier im letzten Jahr gegeneinander gespielt, hätten wir jene Partie natürlich genau analysiert. Logisch schauen wir uns Szenen aus Sandmatchs gegen Rafa an. Aber nicht nur. Und manchmal kommt Roger irgendein Spiel in den Sinn, aus dem er nochmals etwas sehen möchte. Dann organisiere ich es.

Wie kann er verhindern, dass Nadal mit der Vorhand immer wieder seine Rückhand anpeilt?
Es gibt viele Dinge, die wir anschauen. Nicht nur die Vorhand von Rafa auf Rogers Rückhand. Wir reden darüber, von welcher Position er retournieren soll. Wie oft soll er ans Netz gehen? Wann? Es gibt viel zu diskutieren. Aber nicht mit Journalisten. (lacht)


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Weil Sie befürchten, so Nadal einen Vorteil zu verschaffen?
Das kann man so sagen, ja. Ich rede nicht gerne über Taktik in der Öffentlichkeit. Andere ­Coachs tun das. Vielleicht, um zu zeigen, wie viel sie vom Tennis verstehen. Natürlich gibt es ­keine grossen Geheimnisse. Aber ich finde, es ist nicht sinnvoll, dem Gegner mitzuteilen, worauf wir unseren Fokus legen.

Reist für den Halbfinal Federers Familie an?
Ich weiss, dass viele Freunde kommen. Ob die Familie auch kommt, weiss ich nicht. Auch ich wurde von vielen nach Tickets gefragt.

War dieses Turnier für ihn ohne Familie lockerer?
Ich betrachte das nicht so. Etwas Ablenkung ist positiv. Und Roger schafft es immer, eine gute Balance zu haben. Vielleicht schlief er etwas mehr, dafür vermisste er seine Kinder. Er würde schon lange nicht mehr spielen, wenn seine Familie nicht mit ihm auf der Tour herumreisen würde.

Wie haben Sie die Begeisterung der Leute für ihn in Paris erlebt?
Du merkst schon, dass viele ­denken, er spiele vielleicht zum ­letzten Mal hier. Das macht es natürlich speziell. Aber der Rummel um ihn ist immer gross.

Und um Sie?
(lacht) Es geht. Ich bin nun schon lange dabei, die Leute kennen mich mittlerweile auch mehr. Aber das ist nur ein Bruchteil davon, was Roger erlebt. Für mich ist es unglaublich, wie geduldig er ist. Ich würde mich mehr nerven. Wenn wir am Essen sind und die Leute einen einfach unterbrechen. Viele sind so hin und weg, wenn sie Roger sehen, dass sie alles vergessen. Vor ein paar Jahren schlug mir hier einmal der Fahrer den Kofferraumdeckel auf den Kopf, als ich meine Schlägertasche herausnahm. Weil er nur auf Roger schaute. Roger fand das lustig, ich weniger.

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