«Da sah Rafa, dass ich ganz relaxt bin»

Roger Federer und Rafael Nadal spannen mehr zusammen denn je. Weil sie sich Gedanken über ihr Vermächtnis machen.

Zwei Giganten des Tennis: Rafael Nadal und Roger Federer. Foto: AFP

Zwei Giganten des Tennis: Rafael Nadal und Roger Federer. Foto: AFP

Simon Graf@SimonGraf1

«Ihr solltet als Journalisten doch wissen, dass man nicht alles glauben darf, was in den Zeitungen steht», sagte Roger Federer nach seinem zweiten Sieg am US Open auf Schweizerdeutsch und schmunzelte.

Die Meldung, er sei zu Rafael Nadals Hochzeit am 19. Oktober auf Mallorca eingeladen, hatte sich auf Onlineportalen verbreitet wie ein Lauffeuer. Das habe ihn amüsiert, sagte Federer, «aber ich weiss nichts davon. Und inzwischen habe ich für das Wochenende vor dem Basler ­Turnier schon etwas vor.»

Federer und Nadal als Freunde zu bezeichnen, wäre also übertrieben. Aber was ihren ­Beruf, ihre gemeinsame Leidenschaft angeht, haben sie sich mit den Jahren immer mehr angenähert. Das dokumentiert ihre gemeinsame Rückkehr in den Spielerrat. Der Schweizer erzählte nun, wie die genau ablief: Für ihn sei von Beginn weg klar gewesen, dass er nur zurückkehre, wenn ihn Nadal begleite. «Also schrieb ich ihm nach Wimbledon.» Ausserdem sagte Federer zu Manager Tony Godsick, er solle mit Nadals Coach Carlos Moya abklären, ob Interesse da sei. «Dann redeten wir miteinander und kamen überein, dass wir es gemeinsam machen.»

«Sehr ähnliche Ansichten»

Es gab Zeiten, als Federer der ­Präsident in Spielerrat war und Nadal sein Vize, da vertraten sie ganz unterschiedliche Meinungen. Der Spanier warf Federer vor, er kümmere sich zu wenig um die Reformierung des vollbepackten Turnierkalenders, und trat 2012 aus dem Gremium aus. «Aber heute haben wir sehr ähnliche Ansichten», sagt Federer. «Und wir sind beide an einem Punkt unserer Karrieren angelangt, an dem wir uns überlegen, was wir dereinst zurücklassen im Tennis. Wenn wir uns im Spielerrat ­engagieren, dann ist das für die Zukunft und nicht für uns. Denn bis das alles ineinandergreift, dauert das Jahre.»

Federer trug dazu bei, dass die Preisgelder während seiner Aktivzeit massiv anstiegen. Als er 2000 erstmals am US Open spielte, bekamen die Sieger 800 000 Dollar. Heute sind es 3,85 Millionen, beinahe das Fünffache. «Es war für uns wichtig, das Siegerpreisgeld zu erhöhen, um andere Sportarten wie Golf zu konkurrenzieren», sagt er. «Heute haben wir da ein gutes Niveau, die Zunahme sollte nicht mehr oben sein, sondern unten. Es wäre schön, wenn die Spieler auch auf der Challenger-Tour finanziell überleben könnten.»

Der Respekt voreinander ist gross zwischen Rafa und mir. Und wir schätzen die Ehrlichkeit des anderen. Roger Federer

Das Engagement der beiden dürfte zeitlich begrenzt sein, bis Wimbledon 2020, wenn eine neue Amtszeit beginnt. Dass sie beide in den Spielerrat zurückgekehrt sind, darf man auch so verstehen: Sie wollen Novak Djokovic auf die Finger schauen. «Rafa und ich sind starke Persönlichkeiten, wir sitzen nicht auf den Mund, sagen, wenn uns ­etwas passt oder nicht», stellt ­Federer klar. «So passieren hoffentlich weniger Fehler, können die Dinge an Ort und Stelle ­gelöst werden und werden nicht mehr nach draussen getragen. Zu ­meiner Zeit passierte das nie.»

Alle sprechen von den grossen drei, doch es ist offensichtlich, dass sich Federer und Nadal einander viel näher fühlen als Djokovic. So sagt Federer: «Der Respekt voreinander ist gross zwischen Rafa und mir. Und wir schätzen die Ehrlichkeit des anderen. Wir können zurückschauen und froh sein, dass wir so gute Fights gegeneinander gehabt haben. Und dass wir so gut daraus herausgekommen sind.» Obschon sie sich schmerzhafte Niederlagen zufügten.

Der Trip nach Mallorca

Die gemeinsamen Charity-Spiele hätten geholfen, die Beziehung zu stärken, ist Federer überzeugt. «Ob das in Zürich war, in Madrid, oder als ich zu ihm ging für die Eröffnung seiner Akademie. Ich glaube, das bedeutete ihm viel. Es war ja nicht so, dass er mich angefragt hätte. Ich fragte, ob ich helfen könne. Da sah Rafa, dass ich ganz relaxt bin. Nicht einer, der nur für sich selber schaut.» Und Nadal tat ihm ja nun den Gefallen der Teilnahme am «Match for ­Africa» am 7. Februar 2020 in Kapstadt. Was das Sportliche betrifft, so fehlt ihrer Rivalität eigentlich nur noch ein Spiel: ein Duell am US Open. Sollte es diesmal dazu kommen, wäre es der Final.

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