Das Mysterium um Federers Fehlstarts

Der Schweizer beurteilte seine Leistung sehr kritisch, ist aber nicht beunruhigt. Und er kritisiert die Bedingungen am US Open.

Er musste sich strecken: Roger Federer in seiner Zweitrundenpartie.

Er musste sich strecken: Roger Federer in seiner Zweitrundenpartie.

(Bild: Keystone)

Simon Graf@SimonGraf1

Roger Federer ist sonst einer, der auf fast alles eine Antwort hat. Aber diese Frage konnte er nach seinem harzigen Zweitrunden-Sieg über Damir Dzumhur nicht schlüssig beantworten: Wieso ist er nun zweimal so schlecht in seine Matches gestartet? Es sei überhaupt nicht so, dass ihm die Bedingungen am US Open den Start erschweren würden, sagte er, im Gegenteil: «Hier sollte es für mich einfach sein, ins Spiel zu finden. Weil es kaum Wind gibt, und der Ball springt auch nicht gross ab, deshalb sollte ich den Rhythmus schnell haben. Ich habe den Ball einfach schlecht getroffen.»

Federer wäre aber nicht Federer, der 20-fache Major-Champion, wenn er nicht sofort nachschieben würde, dass ihn das nicht beunruhige. Er habe genügend Erfahrung, um damit umzugehen. «Und nachdem ich den ersten Satz verloren habe, spiele ich ja besser.» Es gebe also nichts Grundsätzliches, das er korrigieren müsse. Ausser, nicht gleich 15 bis 20 unerzwungene Fehler zu machen und so den ersten Satz zu verschenken. Seine Quintessenz: «Das Gute ist: Ich kann nur besser werden.»

«Es ist höchstens mittelschnell»

Eine leise Kritik äusserte er an den Bedingungen am US Open, das ja lange dafür bekannt war, dass es sich hier sehr schnell spielt. «Es ist definitiv langsamer als früher», sagte Federer. «Ich weiss nicht, ob das an den Bällen liegt oder an den Courts. Ich würde sagen, die Bedingungen sind höchstens mittelschnell. Es wurde auch mir gesagt, sie würden auf dieses Jahr hin wieder schneller gemacht. Aber davon habe ich noch nichts gespürt.» Wenn es aufs Wochenende hin wärmer wird, dürften die Bälle aber schneller fliegen.

Ein selektives Gedächtnis

Jedenfalls hat Federer das US Open seit 2008 nie mehr gewonnen. Danach gefragt, wann er in diesen elf Jahren die beste Chance verpasst habe, sagte er: «2009 und in jenem Jahr, als ich gegen Cilic verlor (2014). Damals schaute es sehr gut aus, nachdem Novak ausgeschieden war, Nishikori im Final wartete und ich meinen Halbfinal gegen Cilic hatte. Ich dachte, das sei eine gute Gelegenheit. Aber dann hat mich Marin einfach vom Court gefegt. Wie gut meine Chancen im Final gegen Novak waren (2015), ist schwer zu sagen. Und an alle anderen Jahre kann ich mich nicht mehr erinnern.»

Schön, wenn man ein solch selektives Gedächtnis hat, fast nur die guten Dinge mitnimmt. Das dürfte Federer nun auch helfen, seine unerklärlichen Fehlstarts hinter sich zu lassen.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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