Dieser Italiener überrascht in Paris alle

Marco Cecchinato ist die Sensation am French Open, trifft nun auf Djokovic – und schweigt über seine Vergangenheit.

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Er schaute nach dem 10:8 im fünften Satz in den Himmel, streckte die Hände in die Höhe. Er torkelte erschöpft zum Netz, erleichtert, endlich auch an einem Grand Slam gewinnen zu können.

Fast wäre es so gekommen wie schon so oft zuvor. Marco Cecchinato wäre in der ersten Runde in der Anonymität des Court 16 beinahe an Marius Copil gescheitert. Er hätte weiterhin kein einziges Spiel an einem Grand-Slam-Turnier gewonnen. Und er stünde in Paris nun nach einem Sieg über David Goffin nicht im Viertelfinal, wo Novak Djokovic wartet.

Cecchinatos Matchball in der ersten Runde. Video: Eurosport

Doch Cecchinato drehte einen 0:2-Satzrückstand und begann damit eine Reise, die noch nicht fertig ist. Eine Reise, die den «besten Moment» im Leben des Marco Cecchinato darstellt, so beschrieb es der Italiener selbst. Die Nummer 72 der Welt ist die Sensation am diesjährigen French Open.

Das Duell mit Novak Djokovic hat sich der 25-Jährige mit Siegen über die Nummern 190, 10 und 8 der Welt verdient, er schaltete Marco Trungelliti, Pablo Carreño Busta und David Goffin aus. «Es ist ein Traum, ich bin sehr, sehr glücklich. Es ist unglaublich», sagte er nach seinem Erfolg. Bei ihm sind das keine Floskeln.

Wettbetrug und Spielmanipulation

Noch im Sommer 2016 sah sich der Mann aus Palermo happigen Vorwürfen ausgesetzt. Der italienische Verband sperrte ihn wegen Wettbetrugs und Spielmanipulation für 18 Monate. Er soll den Ausgang eines Matches an einem Challenger-Turnier mit dem Gegner abgesprochen und darauf gewettet haben.

Später wurde die Strafe aufgelöst, weil die Beweiskette nicht lückenlos war. Der Fall beschäftigt Cecchinato noch heute. Nach dem Achtelfinal wurde er an der Pressekonferenz darauf angesprochen und antwortete: «Entschuldigung. Darüber will ich nicht sprechen.»

Ein ungleiches Duell

Viel lieber redete er von seinem Exploit, den er mit einer «fokussierten Vorbereitung auf dem Platz und im Fitnessstudio» erklärte. Er spiele viel aggressiver als früher und fühle sich auf dem Court so gut wie nie zuvor. Nebenbei gewinnt Cecchinato in Paris im Minimum 380'000 Euro an Preisgeld. Zum Vergleich: In seinen acht Jahren als Profi verdiente er bisher gut 850'000 Euro.

Djokovic wird den Überraschungsmann nicht unterschätzen, die beiden haben in Monte Carlo bereits öfter miteinander trainiert. «Er spielt das Tennis seines Lebens», lobt Djokovic. Dennoch ist der Serbe der grosse Favorit. In zwei Zahlen ausgedrückt: Djokovic hat dreimal so viele Grand-Slam-Turniere (12) wie Cecchinato Grand-Slam-Spiele (4) gewonnen.

Den ersten Viertelfinal-Tag am French Open können Sie ab 14.55 Uhr auf SRF zwei live mitverfolgen.

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