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Djokovic vom Clown zum Buhmann

Dem Serben brachte das US Open einige bittere Erfahrungen. Im Halbfinal gegen Roger Federer bemühte er sich um Schadensbegrenzung.

Ein Jahr zuvor hatte er die Zuschauer im weltgrössten Tennisstadion zu Lachsalven hingerissen, als er am US Open gelungene Imitationen von Rafael Nadal und Maria Scharapowa zum Besten gab. Auf dem gleichen Court verschaffte Novak Djokovic dem Publikum nun auch 2008 starke Emotionen - aber einer ganz anderen Art. Der Serbe wurde vom Clown zum Buhmann. Zuerst erhielt er verbale Prügel seiner Gegner Tommy Robredo und Andy Roddick, die ihn als Simulanten und Hypochonder darstellten; danach vom Publikum, das ihn in den Partien gegen Roddick und Federer ausbuhte (sogar Doppelfehler wurden bejubelt); und schliesslich wurde er am «Super Saturday» von Federer auch sportlich in die Schranken gewiesen.

Die verschiedenen Vorfälle zeigten Wirkung. «Fast schüchtern» sei ihm Djokovic vorgekommen, fand Federer nach seinem Viersatzsieg. Der Serbe liess sich in seinen letzten beiden Partien nicht mehr pflegen auf dem Platz und gab sich in seinen letzten Interviews versöhnlich, fast handzahm. Wie von einem PR-Berater gebrieft, sagte er Sätze wie «das Publikum war ziemlich fair» und es sei normal, dass es auf Federers Seite gewesen sei, «er verdient diese Unterstützung, immerhin ist er die Nummer 2 und hier vierfacher Sieger». Auf seine Gesamtsituation angesprochen, gab sich der 21-Jährige wieder einmal etwas altklug: «So ist halt das Leben. Nicht alles läuft zu deinem Vorteil.»

Tatsächlich verlief die Saison 2008 für den Australian-Open-Sieger alles andere als wunschgemäss, nachdem er in Indian Wells und Rom zwei weitere grosse Titel gewonnen und sich als Nummer-1-Kandidat aufgereiht hatte. Auf Sand konnte er Nadal ebenso wenig stoppen wie Federer, in Wimbledon scheiterte er schon in Runde 2 an Marat Safin; in Cincinnati kam er zwar zum vierten Sieg gegen Nadal, scheiterte danach aber an Murray, genau wie in der Woche davor in Toronto. Und die Bronzemedaille in Peking war ein schwacher Trost für eine wenig zwingende Niederlage im Halbfinal gegen Nadal.

Am US Open war Djokovic nicht mehr der unbeschwerte, lockere Emporkömmling. Er bekundete ungewohnte Probleme, Sätze und Partien zu beenden. Gegen Federer liess sein Widerstand nach dem verlorenen dritten Satz abrupt nach, die letzten fünf Games verlor er alle. Federer war darüber etwas enttäuscht: Djokovic sei einer, der gegen starke Gegner schneller nachlasse als gegen eine Nummer 80, fand er. Daran müsse er arbeiten, und im Übrigen habe er sich seine Probleme mit dem Publikum selber eingebrockt. «Aber er ist noch jung und hat wenig Erfahrung. Er wird noch viele Chancen bekommen.»

Intakte Chancen auf Rang 2

Der Baselbieter habe sich den Sieg «absolut verdient», fand Djokovic. Er sei selber zu erschöpft gewesen, habe mental und körperlich ein hartes Turnier hinter sich, «und um Roger hier zu schlagen, muss man hundertprozentig fit sein.» Noch immer hat er aber gute Chancen, erstmals die Nummer 2 zu werden. In der Jahreswertung würde er vor Federer bleiben, falls dieser heute den Final nicht gewinnt. Abgesehen von einem Turniersieg in Wien und dem Halbfinal in Madrid hat er bis zum Saisonende kaum Punkte zu verteidigen; am Masters Cup verlor er in Shanghai 2007 alle drei Partien. «Im Moment blicke ich nur in die Zukunft», sagte Djokovic. «Einige Dinge, die hier passiert sind, möchte ich so schnell wie möglich vergessen.»

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