Doppelfehler für eine gute Sache

Der Saisonstart in Australien wird von den Buschfeuern überschattet. Verschiedene Spendenaktionen sind angelaufen. Dabei hat Belinda Bencic einen besonderen Ansatz.

Bencic will für Doppelfehler spenden, dann muss sie sich weniger darüber aufregen. (Bild: Keystone)

Bencic will für Doppelfehler spenden, dann muss sie sich weniger darüber aufregen. (Bild: Keystone)

René Stauffer@staffsky

Belinda Bencic beteiligt sich an den Spendenaktionen für die südostaustralischen Buschbrände mit einem originellen Beitrag. Im Gegensatz zu vielen anderen Tennisprofis werde sie an ihren nächsten Turnieren nicht für jedes von ihr geschlagene Ass Geld spenden, erklärte sie, sondern für jeden Doppelfehler. Auf sozialen Netzwerken schreibt sie, wie nahe ihr das Drama geht: «Mein Herz weint.»

In der Produktion von Doppelfehlern sei sie ohnehin erfolgreicher als bei Assen, hielt sie ironisch fest. Die 200 Dollar, die sie für jeden davon spende, könnten ihr zudem helfen, sich darüber weniger aufzuregen, gab sie zu. Nach ihrer Startniederlage in Shenzhen hat sich die Weltnummer 8 kurzfristig für ein Turnier in Adelaide von nächster Woche nachmelden lassen.

Gemäss der Zeitung «Melbourne Age» wurden bis Mittwoch weltweit schon über 140 Millionen Dollar gesammelt im Kampf gegen die südlich von Sydney und östlich von Melbourne tobende Feuersbrunst. Der Musiker Elton John, der mit auf seiner Tournee zurzeit in Sydney weilt, spendete allein eine Million. Grosszügig zeigen sich auch viele Tennisorganisationen und -spieler. Inzwischen wurde bekannt, dass bei der kurzfristig anberaumten Benefizveranstaltung vom 15. Januar in Melbourne auch Roger Federer, Rafael Nadal und Serena Williams antreten werden.

Düstere Erinnerung an 2009

«Es wäre falsch, sich hier in Sicherheit zu wiegen.»Der Schweizer Jürg Casanova, der jedes Jahr den Winter in Melbourne verbringt.

Melbourne, ab dem 20. Januar Schauplatz des ersten Grand-Slam-Turniers, bekam von den Flächenbränden bisher zwar erst mehr oder weniger rauchgeschwängerte Luft ab. «Es wäre aber falsch, sich hier in Sicherheit zu wiegen», sagt der Schweizer Jürg Casanova, der wie jedes Jahr den Winter in Melbourne verbringt. «Experten warnen, dass im waldreichen, dicht besiedelten Gebiet nördlich der Stadt bezüglich Trockenheit und Unmassen von dürrem Holz wiederum die gleichen gefährlichen Voraussetzungen herrschen, die 2009 zum Black Saturday geführt hatten.» An jenem 7. Februar starben 173 Menschen bei Grossbränden im Norden der Stadt. Gemäss Meteorologen dürfte die Wetterlage Ende Woche das Ausbreiten von Bränden wieder begünstigen.

Die Tennis-Show muss in Australien derweil weitergehen. Nachdem die Vorrundenspiele in Brisbane, Perth und Sydney am Mittwoch beendet worden sind, erreicht der 1. ATP-Cup nun in Sydney mit acht verbliebenen Nationen die entscheidende Phase. Das bedeutet für Rafael Nadal und sein Team, dass sie von Perth ins 3300 km entfernte Sydney reisen müssen und dort am Freitag im Viertelfinal auf Belgien treffen. Nadal stand in Einzel und Doppel gegen Japan über vier Stunden im Einsatz und ist 2020 noch ungeschlagen.

Zverev ohne Sieg, aber mit Doppelfehlern

Sieben der acht Teams, die schon am Davis-Cup-Finalturnier in Madrid im November in den Viertelfinals standen, sind auch in Sydney dabei. Einzig Kanada verpasste die Qualifikation, dafür stiess Belgien dazu. Zu den 16 bereits eliminierten Teams gehören Österreich mit Dominic Thiem, Griechenland mit Stefanos Tsitsipas und Deutschland mit Alexander Zverev.

Ob der Hamburger Bencic folgt und ebenfalls pro Doppelfehler spenden wird, ist unbekannt. Nach seinen drei ersten Partien hat er bereits 31 davon produziert. Nur ein Sieg ist ihm noch nicht gelungen.

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