«Er ist eben Roger Federer»

Fernando Gonzalez (36), zu ­seiner Aktivzeit wegen seiner gefürchteten Vorhand als «Kanonier von La Reina» bezeichnet, spricht über seinen frühen Rücktritt, Nadals Niederlage sowie Federers Form.

Roger Federer trifft am Mittwochabend im Viertelfinal von Wimbledon auf Milos Raonic.

Roger Federer trifft am Mittwochabend im Viertelfinal von Wimbledon auf Milos Raonic.

(Bild: Keystone)

Was sagen Sie zum Ausscheiden Rafael Nadals?
Fernando Gonzalez: Nadal sorgt immer wieder für spannende, nervenaufreibende Matchs. Die Unterlage kam natürlich Gilles Muller entgegen, während Nadals Körper an die vielen Sandplatzpartien gewöhnt ist. Die beiden boten ein Spektakel, das ist gut für das Turnier und den Tennissport.

Waren Sie über den Ausgang der Partie überrascht?
Dass Muller gewann, war für mich keine grosse Überraschung. Überraschend war für mich aber, dass die Partie höchst umstritten, ausgeglichen war und Nadal doch verlor. Das ist selten.

Nadal hatte in den letzten Wochen alle Matchs problemlos und ohne Satzverlust für sich entschieden. Wurde dies, als es knapp wurde, zum Nachteil?
Das denke ich nicht; er ist ein grosser Kämpfer, der stets 100 Prozent gibt – unabhängig davon, ob er klar führt oder ob es ein ­enges Spiel ist.

Wer holt am Sonntag den Titel?
Ach, die Favoriten sind seit Jahren immer die gleichen, und das ist auch jetzt so: Roger Federer, Andy Murray, Novak Djokovic. Vielleicht kann noch Marin Cilic mitmischen; er hat bisher überzeugt und alle Spiele in drei ­Sätzen für sich entschieden.

Und wer ist der Favorit unter diesen Favoriten?
Wohl Federer; bisher hat er alle Matchs klar gewonnen. Wenn er den Halbfinal frisch erreicht, ist er wohl der Beste.

Sind Sie erstaunt, wie stark ­Federer in dieser Saison spielt?
Von den Resultaten bin ich überrascht, nicht aber von seinem ­hohen Niveau. Er beweist seit 15 Jahren, wie gut er ist. Aber dass er nach einem halben Jahr Pause ein Grand-Slam-Turnier gewinnt, ist unglaublich – doch er ist eben Roger Federer.

Sie haben vor zehn Jahren gegen Federer den Australian-Open-Final verloren. Wie beurteilen Sie sein heutiges Spiel im Vergleich mit ­jenem aus Ihrer Aktivzeit?
Ich kann es nicht als Gegner vergleichen, aber ich denke: Körperlich ist er schwächer als damals, doch spielerisch noch besser. Er verfügt heute über mehr Erfahrung und versteht das Spiel noch besser.

In welchen Bereichen hat er ­körperlich nachgelassen? Ist er langsamer geworden oder weniger ausdauernd?
Er ist physisch sicher nicht schlecht, aber als 25-Jähriger ist es schlicht einfacher als für einen 35-Jährigen, jeden zweiten Tag einen Best-of-5-Match zu bestreiten. Er kompensiert dies, indem er seinen Kalender clever managt und ab und zu Turniere auslässt. Weniger Turniere zu ­bestreiten, ist eine sehr gute Entscheidung.

Federer ist nur ein Jahr jünger als Sie, Muller steht mit 34 im Wimbledon-Viertelfinal. Bereuen Sie heute, Ihre Karriere schon früh beendet zu haben?
Die Zeit als Profispieler war ein schöner Teil meines Lebens, aber ich bin froh, wie es jetzt ist. Ich fühle mich nun entspannter. Als ich vor fünf Jahren zurücktrat, hatte ich genug vom Leben auf der Tour.

Warum?
Einerseits plagten mich Verletzungen, anderseits hatte ich keine Lust mehr auf den Lebensstil. Ich bin aus Chile; ich war immer weit weg von zu Hause, ich vermisste meine Familie und Freunde. Jetzt betreibe ich eine Tennisakademie und bin zufrieden mit meinem Leben.

Berner Zeitung

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