«Es war verrückt. Ich weiss nicht, ob Sie das verstehen»

Roger Federer zeigt sich nach dem verlorenen Halbfinal gegen Rafael Nadal in Paris mehrfach beeindruckt.

Rafael Nadal verwertet nach 2:25 Stunden den Matchball. Video: SRF

Ein Interview auf dem Court gab es mit Roger Federer für einmal nicht. Umso grösser war nach dem 3:6, 4:6, 2:6 gegen Rafael Nadal im Halbfinal von Paris das Interesse an seiner Medienkonferenz. Die Zusammenfassung.

Wie erlebten Sie diese Partie gegen einen sehr starken Nadal?
Im ersten Satz ging es nur darum, sich an die Bedingungen zu gewöhnen. Es war unglaublich windig. Das machte es sehr kompliziert für uns, umso mehr, als es ein derart wichtiger Match war. Man versucht herauszufinden, was überhaupt möglich ist. Spielst du flacher oder mit mehr Drall? Hältst du den Ball einfach im Spiel? Wie viel riskierst du? Am meisten bedauere ich, dass ich im zweiten Satz nach dem 2:0 mit dem Wind im Rücken selber gebreakt wurde. Wenn ich das vermeiden kann, verläuft der Satz vielleicht ganz anders. Allerdings ist es schwierig, gegen Nadal gegen den Wind den Aufschlag durchzubringen, zumal er als Returnspieler so gut ist. Und wenn er einmal im Ballwechsel drin ist, spielt er mit grossartigem Spin auf der Vorhand und einer hohen Kontrolle auf der Rückhand. Das macht es hart, Öffnungen zu finden, vor allem gegen den Wind. Aber es war für beide windig. Und er war besser, zweifellos. Ich hatte meine kleinen Chancen, aber diese waren nicht gross genug, um zu gewinnen.

Die Zuschauer wollten noch mehr Tennis sehen und schätzten es, Sie spielen zu sehen. Wie fühlten Sie sich nach dem zweiten Satz? Frustriert, weil Sie die Partie nicht unter Kontrolle bekamen?
Das ist halt Nadal: Auf Sand sorgt er dafür, dass du dich nicht wohlfühlst durch seine starke Verteidigung und seine Spielweise. Es gibt niemanden, der auch nur annähernd ähnlich spielt wie er. Ich weiss jeweils gar nicht, mit wem ich mich einspielen könnte. Es ist verblüffend, wie er sich an der Grundlinie vor- und rückwärts bewegt. Aber ich dachte auch nach zwei Sätzen, dass bei diesen windigen Verhältnissen noch alles möglich wäre. Ich hatte die ersten zwei Sätze nicht schlecht gespielt. Rafa musste etwas zeigen, um den Unterschied auszumachen, und der Unterschied war ein Passierball hier und dort, eine starke Befreiung unter Druck, und darin war er grossartig. Ich bemühte mich, positiv zu bleiben, aber schon das erste Game im dritten Satz war schwierig, und das gab die Tonalität vor.

Der Wind setzt Federer und Nadal zu. Video: SRF

Ihre Taktik gegen Nadal war auf Hartplätzen zuletzt so gut, dass Sie ihn fünfmal schlugen. Hatte der Wind einen Einfluss auf Ihre Spielweise, oder konnten Sie spielen, wie Sie es beabsichtigt hatten?
Nein. Das kann niemand. Es war verrückt. Ich weiss nicht, ob Sie das verstehen. Das ist keine Entschuldigung, aber das war es. Du kommst an einen Punkt, an dem du schon froh bist, beim Spielen nicht lächerlich auszusehen. So schlimm war es. Wirklich kompliziert, für beide. Und es gibt auch keine Möglichkeit, in solchen Bedingungen zu trainieren. Da geht es um die Fussarbeit, um die mentale Einstellung, um alles Mögliche. Ich weiss nicht, was ich gross hätte anders machen können. Der Wind schwächt wahrscheinlich auch meinen Aufschlag, er verlangsamt die Spielbedingungen. Wenn der Ballwurf in alle Richtungen geht, musst du dir etwas mehr Sicherheit geben. Und das erlaubt es Nadal, dass er mehr zweite Aufschläge bekommt. Ich erhalte so einfach keinen Rhythmus beim ersten Service. Aber noch einmal: Ich denke nicht, dass ich schlecht gespielt habe. Er ist der beste Sandspieler, das kann ich akzeptieren, damit habe ich kein Problem.

Welches ist bei Ihnen nun das dominierende Gefühl? Frustration?
Nein, denn die Bedingungen waren für beide gleich, und er spielte unglaublich. Ich kämpfte bis zuletzt, aber je länger die Partie dauerte, desto wohler schien er sich zu fühlen. Es ist schade, dass ich nicht den ersten Satz gewann, dann wäre alles möglich gewesen, aber es war beeindruckend, ihn auf Sand wieder einmal spielen zu sehen. Allerdings sind meine Augen noch immer voller Sand. Ich weiss nicht, ob Rafa und ich heute Abend überhaupt sehen können, was wir essen.

Wie beurteilen Sie Ihr Comeback auf Sand insgesamt? Werden Sie wieder auf dieser Unterlage spielen?
Es war ein grossartiges Turnier. Ich genoss es. Die Unterstützung des Publikums hätte nicht besser sein können. Sie war die vielleicht grösste, die ich in meinen 20 Jahren auf der Tour an Grand-Slam-Turnieren erlebt habe. Die Fans waren immer da für mich, unterstützten mich bei den Trainings, auf der Anlage oder wo immer ich auftauchte, und sie waren stets froh, mich zu sehen. Auch spielerisch war ich sehr zufrieden. Ich überraschte mich, wie weit ich kam und wie stark zu spielen ich fähig war während der ganzen Zeit. Was nächstes Jahr sein wird, weiss ich nicht, wie bei allen Turnieren. Aber ich genoss diese Sandsaison und das French Open, und das dürfte die Chancen erhöhen, dass ich auf diesen Belag zurückkomme.

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