Federer nach Fehlstart brillant zum 100. Sieg

Mit einem Viersatzerfolg über Kei Nishikori erreicht Roger Federer die Halbfinals in Wimbledon, wo er am Freitag auf Rafael Nadal trifft.

Roger Federer gewinnt gegen Kei Nishikori in vier Sätzen und feiert seinen 100. Wimbledon-Sieg. (Video: SRF)
René Stauffer@staffsky

Die Abendsonne schien sanft auf den Centre Court, die Szenerie war wie ein schönes, zeitloses Gemälde. Vor allem für Roger Federer, der mit einem 4:6, 6:1, 6:4, 6:4 gegen den Japaner Kei Nishikori eben die Halbfinals erreicht hatte. Dort trifft er am Freitag auf Rafael Nadal, der gegen Sam Querrey in drei Sätzen gewann.

«Es war schwierig, der Anfang war brutal», sagte Federer nach Verlassen des Courts. «Kei smashte Returnwinner ins Feld, ich musste Anpassungen machen. Zu Beginn war er der bessere Spieler. Deshalb war es wichtig, dass ich im zweiten Satz in Führung gehen konnte und den Satzausgleich schaffte.» Zufrieden war er vor allem mit seinem Aufschlag: «Ich servierte wirklich gut und konnte das bis zum Ende durchhalten. Es war eine gute Serviceleistung gegen einen starken Returnspieler.»

«100, 100, 100»

Dass es der 100. Sieg in Wimbledon gewesen sei, habe er nach dem Matchball kurz vergessen. «Ich dachte nicht 100, 100, 100, bis ein Fan mir gratulierte zum 100. Sieg», gab er zu. Zum Halbfinal gegen Nadal sagte er: «Wir haben viele Informationen über ihn, aber er auch über mich.» Er werde attackieren, so gut er könne, und wenn sich Nadal gut genug verteidige, dann sei es halt so. «Ich liebe es, gegen ihn hier in Wimbledon zu spielen. Aber ich werde es angehen wie einen ganz gewöhnlichen Match».

Federer erlebte gegen den Japaner einen klassischen Fehlstart, der ihn den ersten Satz kostete und ihn zu einer unangenehmen Aufholjagd zwang. Gleich zu Spielbeginn verlor er zum dritten Mal an diesem Turnier ein Servicegame, und hätte er nicht in der Folge vier Breakbälle abwehren können, wäre der erste Satz noch schneller und klarer als 4:6 verloren gegangen.

Steigerung im zweiten Satz

Seine statistischen Werte aber waren auch im ersten Satz nicht schlecht – Nishikori hatte einfach zu souverän, präzis und schnell gespielt. Doch der Weltranglistensiebte konnte sein hohes Level nicht halten. Federer dagegen fand im zweiten Satz einen höheren Gang, spielte aggressiver und schneller und dominierte diesen Abschnitt in 22 Minuten 6:1, wobei die Weltnummer 7 nur acht Ballwechsel für sich buchen konnte.

«Chumm jetzä», spornte sich Federer immer wieder an, doch Nishikoris Widerstand wurde im dritten Satz wieder grösser. Es brauchte einen Kraftakt des Favoriten, um die Vorentscheidung herbeizuführen. Im siebten Game liess er nicht locker, obwohl Nishikori die ersten drei Breakbälle annullieren konnte. Der achtfache Wimbledonsieger erzwang mit einem Rückhandpassierball aber eine vierte Chance, welche er mit einem Vorhandwinner verwertete. Zwar musste er im zehnten Game noch einen Breakball abwehren, und den ersten Satzball vergab er leichtfertig, doch inzwischen servierte er ausgezeichnet und ging nach 1:54 Stunden mit 2:1 Sätzen in Führung.

Ähnlich wie der dritte verlief der vierte Satz. Mit einem aus dem Lauf geschlagenen Crosscourt-Rückhandpassierball, der viele Zuschauer von den Sitzen riss, erzwang er sich zwei Chancen zum 3:2, die er aber vergab. Erst im neunten Game gelang ihm sein viertes Break, worauf er die Partie nach 2:36 Stunden mit seinem 12. Ass beendete und im 11. Duell mit Nishikori zum 8. Sieg kam.

Federer steht zum 45. Mal in einem Grand-Slam-Halbfinal, zum 13. Mal in Wimbledon. Seine Bilanz gegen den zweifachen Wimbledonsieger Nadal ist nach 39 Duellen negativ (15:24), an diesem Turnier führt er aber mit 2:1 Siegen, wobei alle drei bisherigen Duelle in Endspielen stattfanden.

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