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Wenn ein schlechter Satz noch der Beste ist

Nach Breakfestival: Roger Federer bezwingt Gilles Simon und steht im Halbfinal von Basel. Auch Zverev und Copil sind unter den letzten Vier.

Roger Federer wird von den Fans mit frenetischem Applaus empfangen.
Roger Federer wird von den Fans mit frenetischem Applaus empfangen.
Georgios Kefalas, Keystone
Federer wird im ersten Satz früh gebreakt, kann sich aber steigern und gewinnt schliesslich im Tiebreak.
Federer wird im ersten Satz früh gebreakt, kann sich aber steigern und gewinnt schliesslich im Tiebreak.
Georgios Kefalas, Keystone
Am Schluss reicht es trotzdem: Dank einer Leistungssteigerung im dritten Satz steht Federer im Halbfinal.
Am Schluss reicht es trotzdem: Dank einer Leistungssteigerung im dritten Satz steht Federer im Halbfinal.
Georgios Kefalas, Keystone
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Die Roger-Federer-Festspiele in Basel gehen weiter. An den Swiss Indoors kämpfte sich der Lokalmatador mit 7:6 (7:1), 4:6, 6:4 über Gilles Simon (ATP 32) in die Halbfinals.

Wie im Achtelfinal gegen den Deutschen Jan-Lennard Struff trauten die 9000 Zuschauer in der St. Jakobshalle am Anfang ihren Augen nicht. Für Roger Federer begann der Viertelfinal mit einer Fehlerorgie. Nach neun Minuten und neun Fehlern lag Federer 0:3 in Rückstand. Gilles Simon bot sich eine weitere Breakmöglichkeit zum 4:0. Er führte 5:2 und kam beim Stand von 6:5 zu einem Satzball. Und am Ende sagte Federer: «Dieser erste Satz war noch der beste.»

Wie denn das? «Natürlich begann ich nicht gut. Aber ich fand die Balance zwischen Aggressivität und Geduld. Ich schlug plötzlich besser auf. Und ich spielte ein wirklich gutes Tiebreak.»

Der Aufschlag als grosses Manko

Wenn ein Satz, in dem Federer beinahe 0:4 in Rückstand gerät, in dem er mit dem Tiebreak vor Augen zwei Doppelfehler hintereinander produziert (vom 40:15 zum 40:40), wenn dieser Satz der beste ist, dann zeigt das auf, wie grosse Schwierigkeiten Federer gegen den Franzosen Simon aus dem Weg zu räumen hatte.

Die Absicht, mal ein ganzes Spiel lang nie den Aufschlag abzugeben, war schon nach fünf Minuten ad absurdum geführt. Am Ende liess Roger Federer auch gegen Simon wieder fünf Breaks zu. Er hat in Basel in acht Sätzen schon zehn Mal den Aufschlag nicht durchgebracht. Zum Vergleich: Zweimal gewann er in seiner Karriere Wimbledon, ohne in 22 Sätzen auch nur einmal den Aufschlag abzugeben.

Ein stetes Auf und Ab

Zum zweiten Mal in diesem Turnier (nach dem Startspiel gegen Filip Krajinovic) brachte er in einem einzigen Satz dreimal den Aufschlag nicht durch. Simon schaffte im zweiten Satz Breaks zum 2:1, 3:2 und 5:4.

Auch im Entscheidungssatz ging die 154-minütige Achterbahnfahrt weiter. Federer führte 3:0 und 4:1. Die Halle tobte. Die La-olà-Welle schwappte durch die St. Jakobshalle. Zehn Minuten später stand es 4:4 und plötzlich war es wieder mucksmäuschen still in der Arena. Das letzte «Olé» gehörte aber Federer: Mit vier gewonnenen Ballwechseln nacheinander gelang ihm das matchentscheidende Break zum 6:4.

Und was meinte Federer nach diesem packenden, grandiosen Spiel? «Das war eine Partie, wie ich sie erwartet hatte. Ich rechnete mit einem steten Hin und Her, denn Gilles Simon ist einer der weltbesten Return-Spieler der Welt, ausserdem war mir klar, dass ich derzeit nicht besonders gut serviere. Ich wusste, dass ich nur mit vielen Breaks dieses Spiel würde gewinnen können. Ich musste ruhig bleiben und durfte mich nicht frustrieren lassen. So gesehen war das ein 'lässiges Spiel'. Mir gefallen taktische Partien, auch wenn sie für die Nerven nicht gut sind und viel Kraft kosten.»

Jetzt geht es gegen Medwedew

Wie lange kann sich Federer in Basel Fehlstarts und Schwächeperioden noch leisten? Wie lange hält er sich trotz wackligem Aufschlag noch über Wasser? Die Gegner werden stärker. Im Halbfinal trifft Federer auf den 22-jährigen Russen Daniel Medwedew (ATP 20). Medwedew setzte sich gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas (ATP 16) zur Geisterstunde mit 6:4, 4:6, 6:3 durch. Federer und Medwedew standen sich Mitte Oktober in Shanghai in den Sechzehntelfinals erstmals gegenüber. Damals setzte sich Federer 6:4, 4:6, 6:4 durch.

Zverev und Copil im Halbfinal

Den ersten Halbfinal an den Swiss Indoors bestreiten der als Nummer 2 gesetzte Deutsche Alexander Zverev (ATP 5) und der rumänische Aussenseiter Marius Copil (ATP 93).

Zverev besiegte Roberto Bautista Agut (ATP 26) 7:5, 6:3. Gegen den Spanier hatte Zverev vor fünf Jahren in Hamburg als 16-Jähriger sein erstes ATP-Turnierspiel noch 3:6, 2:6 verloren. Die letzten vier Direktbegegnungen gewann nun aber alle Zverev.

Im Halbfinal trifft Alexander Zverev auf Marius Copil, der als erster Qualifikant in Basel seit Mischa Zverev 2016 bis in die Halbfinals vorstiess. Copil steht zum zweiten Mal nach Sofia im Februar 2018 unter den letzten vier eines ATP-Events.

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