Federer verliert erstes Duell auf der Anzeigetafel

Vor dem Match zwischen Roger Federer und Richard Gasquet in Madrid wurde das Aufschlagsrecht elektronisch ermittelt.

So sah der digitale Münzwurf auf dem grossen Screen aus. (Video: Skysport)

Die Digitalisierung gewinnt im Sport zunehmend an Bedeutung. Am Madrid Open wird vor den Partien jeweils das Aufschlagsrecht der Spielerinnen und Spieler per Computer vergeben. SRF 2 hat die Szene vor Roger Federers Erstrunden-Match gegen Richard Gasquet nicht gezeigt, da noch Werbung lief. Wer aber die Übertragung des Spiels auf Sky Sport 2 verfolgte, war wohl erstaunt ob der Neuerung.

Mit einem iPad in der Hand tritt der Schiedsrichter auf den Sandplatz und löst den digitalen Münzwurf aus. Auf der grossen Anzeigetafel im Stadion dreht sich eine Münze, wobei auf der einen Seite der animierte Kopf von Federer und auf der anderen jener seines französischen Gegners zu sehen ist.

Der 20-fache Grand-Slam-Sieger erlebt zum ersten Mal in seiner 19-jährigen Profikarriere mit, wie das Aufschlagsrecht nicht mit einer richtigen Münze ermittelt wird. Und prompt verliert er: Auf dem Grossbildschirm stoppt die Rotation, und Gasquets Kopf erscheint. Federer lässt sich davon allerdings nicht aus der Ruhe bringen – der Weltranglisten-Dritte gewinnt die Partie mühelos 6:2, 6:3.

Premiere erfolgte 2016 in China

Ob der virtuelle Münzwurf im Tennis definitiv Einzug hält, ist noch offen. Entwickelt wurde er von der in Polen ansässigen Firma Flight Scope Tennis als «revolutionäres Marketing-Tool». Denn parallel zur elektronischen Auslosung können die Logos von Turniersponsoren und -partnern über den Bildschirm flimmern – «auf unterhaltsame und unkonventionelle Weise», wie das Unternehmen auf seiner Homepage festhält. Erstmals zum Einsatz kam die Technik im September 2016 am WTA-Turnier im chinesischen Wuhan.

Das Turnier in Madrid scheint sich jedenfalls für Versuche zu eignen. 2011 war in der spanischen Metropole erstmals blauer Sand als Unterlage verwendet worden. Nach nur einem Jahr entschied die ATP-Spielervereinigung allerdings, den Gebrauch des blauen Sandes zu verbieten. Rafael Nadal und Novak Djokovic hatten sich während des Madrid Open 2012 über ihn beschwert. «Wir glauben stark an Neuerungen und Wege, unseren Sport zu stärken», sagte der damalige ATP-Chef Brad Drewitt, der 2013 verstorben ist. «Leider gab es in Madrid Probleme mit der Platzqualität, die für eines unserer herausragenden Turniere nicht akzeptabel sind», führte der ehemalige australische Profi weiter aus. Bevor blaue Sandplätze wieder erlaubt würden, müsse weitere Forschungsarbeit geleistet werden.

Zurück zum virtuellen Münzwurf: Dieser löste Reaktionen auf Twitter aus. Eine Userin hielt Federers Reaktion bildlich fest:

Aus seiner Sicht sorgte der Schweizer, der «den computergenerierten Münzwurf infrage stellt», für «den besten Ausdruck des Tages»:

Dass der konventionelle Münzwurf ebenso unterhaltsam sein kann, beweist dieses Video vom diesjährigen Australian Open:

Und wenn das Aufschlagsrecht einmal so wie zwischen Nadal und Stan Wawrinka vor dem Halbfinal des Tie Break Ten 2019 (das Blitzturnier findet jeweils vor dem Masters in Indian Wells statt) vergeben wird, ist das sowohl für die Spieler als auch für die Zuschauer ein Vergnügen:

Dass auch die Seitenwahl im Fussball auf eine ungewohnte Art ausgemacht werden kann, wurde an Ostern in Bulgarien bewiesen:

ddu

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