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Federers Befreiungsschlag sass

Krise ade: Der 13fache Grand-Slam-Sieger ist zurück auf der Jagd nach Sampras

Fünf Tage nach seinem 5. US-Open-Titel in Serie weilte Roger Federer gestern in Palma auf Mallorca, der Insel seines Erzrivalen Rafael Nadal. Sein Freund Reto Staubli, ein ehemaliger Tennisprofi, hatte den Hochzeitstermin mit seiner spanischen Freundin auf der Balearen-Insel extra auf den 13. September gelegt, damit Federer sicher dabei sein konnte. Während der Aargauer die Flitterwochen in Asien verbringen wird, geht für Federer die Reise weiter nach Lausanne, wo das Davis-Cup-Team ab Freitag mit einem Sieg gegen Belgien in die Weltgruppe zurückkehren will.

Auf die Frage, ob er jetzt, da er wieder in Topform sei, gerne gegen Nadal spielen würde, winkte Federer aber ab: «Dazu fehlt mir die Lust. Ich bin froh, dass ich nun wieder einmal zu Hause spielen kann. Es liegen einige emotionale Auftritte vor mir, mit dem Davis-Cup und meinem Heimturnier in Basel. Es wird ein tolles Ende der Saison.»

Nach seinem Finalsieg über den Schotten Andy Murray blickte Federer in New York mit neuer Euphorie voraus ins Jahr 2009. Es wird im Zeichen seiner Jagd auf Pete Sampras stehen, der mit 14 Grand-Slam-Titeln den Rekord hält. Im Alter von 27 Jahren und einem Monat und 13 dieser Trophäen ist Federer in der vom Amerikaner vorgegebenen Marschtabelle nun 22 Monate oder zwei Titel voraus. Im gleichen Alter blickte der 10 Jahre ältere Sampras erst auf 11 Majortitel zurück, nachdem er - wie Federer - als 26-Jähriger nur einen geholt hatte. Im virtuellen Duell mit «Pistol Pete», der beim ersten Majortitel fast drei Jahre jünger war, lag Federer einst 1:3 und, bei seinem 23. Geburtstag, 3:5 zurück. Seither eroberte er zehn dieser Trophäen, vier mehr als Sampras in der gleichen Zeitspanne, und ging 13:11 in Führung. Den 14. und letzten Grand-Slam-Titel feierte Sampras mit 31 Jahren am US Open 02, das sich später als sein Abschiedsturnier entpuppten sollte.

Bis Federer so alt sein wird, werden noch 16 Grand-Slam-Titel vergeben. Damit sollte er zu genügend Chancen kommen, den Rekord nicht nur einzustellen, sondern zu verbessern. «Ich bin froh, dass man nun wieder über solche Dinge spricht und nicht über schlechte Vorhandschläge», sagte Federer vergangene Woche.

«Erst der 15. Grand-Slam-Titel wird mein Leben verändern»

Dabei machten seine Aussagen klar, dass auch er davon ausgeht, dass er den wichtigsten Rekord seines Sports brechen wird. «Ob ich 13 oder 14 dieser Titel habe, ist kein grosser Unterschied», sagte er, «erst der 15. wird mein Leben verändern.»

Er gehe davon aus, dass er «bis ans Ende meiner Tennistage» fähig sein werde, an der Spitze und um die grössten Titel mitzuspielen, sofern er gesund bleibe, so Federer. «Wenn ich einst nicht mehr daran glaube, werde ich wahrscheinlich abtreten. Aber ich fühle, dass ich noch sehr lange Grand-Slam-Titel gewinnen kann. Als Erstes werden wahrscheinlich die Chancen beim French Open schwinden - aber das dürfte noch eine Weile gehen, weil ich ein sehr guter Allroundspieler bin.»

Im kleinen Kreis bestätigte er am Morgen nach seinem 5. Coup in Flushing Meadows, dass seine Planung über Olympia 2012 in London hinausgeht. Er finde es faszinierend, wenn sich - wie im Golf - Vertreter verschiedener Generationen messen. «Ich strebe nach Langlebigkeit, und ich fühle mich körperlich viel besser als je zuvor.» Es sei zwar ein schwieriges Jahr gewesen, «aber ich bin noch frisch und spielte nun sehr gut. Früher hatte ich jeden Tag Armschmerzen, Muskelschmerzen nach langen Partien, 2005 konnte ich manchmal wegen Schmerzen in den Füssen kaum laufen. Nun bin ich zwar müde nach vier Stunden Training, aber habe keine Schmerzen.»

Die Gründe dafür seien, dass er sich besser vorbereite, mehr Erfahrung habe, dass er fitter sei und seine Energiereserven besser verwalte. «Zudem habe ich den grossen Vorteil, dass ich so locker spiele.» Sein Fitnessbulletin machte nicht nur klar, dass er die Folgen des Drüsenfiebers überwunden hat, sondern ist auch ein Kompliment an Fitnesstrainer Pierre Paganini, der kommende Woche letztmals zum Davis-Cup-Team gehört und sich künftig ganz auf seine Arbeit mit Federer und Stan Wawrinka konzentrieren wird.

In den USA gilt Federer nun wieder als der Grösste

Sampras gehörte zu den ersten Gratulanten in New York. Der 64fache Turniersieger schrieb dem 56fachen eine Textmitteilung. «Es war ein Gratulationstext», so Federer. «Davon, dass mein 14. Titel um die Ecke stehen könnte, erwähnte er nichts.»

Bei einer Umfrage der New Yorker «Daily News» gingen vergangene Woche 95 Prozent der Teilnehmer davon aus, dass Federer 14 oder mehr Grand-Slam-Titel holen wird, 11 Prozent rechneten sogar damit, dass es über 20 sein werden. Und auf die Frage, wer der grösste Spieler aller Zeiten sei, stimmten 45 Prozent für ihn, 23 Prozent für Rod Laver und nur 19 Prozent für Sampras.

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