Federers Gegner spricht von einem Wunder

Beim Comeback auf Sand trifft Roger Federer mit Richard Gasquet am Dienstagabend in Madrid auf einen alten Bekannten, der angeschlagen ist.

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René Stauffer@staffsky

Die Ausgangslage vor Roger Federers erster Partie an einem Sandturnier seit drei Jahren verbesserte sich massiv, während er seinen spielfreien Montag nutzte, um mit seinen Söhnen ihren fünften Geburtstag zu feiern. Zwei Stunden lang und bis nach 23 Uhr bekämpften sich in der Caja Mágica derweil Richard Gasquet und der junge Spanier Alejandro Davidovich Fokina hart mit dem Ziel, ihn heute Abend (nicht vor 20 Uhr) fordern zu können.

Dass es der 32-jährige Franzose ist, der 7:5, 7:6 gewann, überrascht diesen fast am meisten. Immer wieder nimmt er das Wort «Wunder» in den Mund, als er kurz danach vor dem Stadion von Reportern befragt wird. «Ich hätte nie geglaubt, dass ich gewinnen würde, es ist ein kleines Wunder. Schon am Ende des ersten Satzes war ich müde, wurde es schwierig. Der Arm, der Rücken… alles tat weh. Aber wenigstens nicht die Gegend, in der ich operiert wurde.»

Erste Partie seit fünf Monaten

Der ehemalige Weltranglistensiebte bestreitet sein erstes Turnier seit fünf Monaten. Am 18. Januar ist er an der Leiste operiert worden. «Mein Wiederaufbau im Februar, März und April war ein langer, harter Prozess, und ich bin stolz, dass ich überhaupt hier bin. Eine Niederlage wäre okay gewesen, denn ich hatte dieses Jahr noch nie zwei Sätze hintereinander gespielt», erzählt Gasquet, der in Neuenburg lebt. «Ich muss mich nun erholen und schauen, dass ich gegen Federer wieder loslegen kann. Das wird nicht einfach.»

Dass der 15-fache Turniersieger gegen Davidovich gewinnt, hat auch damit zu tun, dass sich der 19-jährige Aufsteiger aus Südspanien in den entscheidenden Momenten verkrampft. Der Sohn einer Russin und eines russischstämmigen Schweden hat in Estoril die Halbfinals erreicht und sich dieses Jahr schon von Rang 237 auf 127 verbessert. Er wusste, wie gross seine Chance war, in Madrid auf Federer zu treffen.

Den Weltranglistendritten dürfte es beruhigen, auf einen alten Bekannten zu treffen, den er in 19 Duellen 17-mal geschlagen hat und dessen Spiel er in- und auswendig kennt – und nicht auf einen heissblütigen, ihm unbekannten Teenager und früheren Wimbledon-Juniorensieger (2017). Im Bezug auf das bevorstehende 20. Duell gegen Federer gab sich Gasquet, der noch auf Rang 39 klassiert ist, ratlos. «Puuhhh, was soll ich sagen? Ich werde schlafen, schauen, wie ich aufwache und ich mich fühle.» Chancen rechnet er sich praktisch keine aus. «Die Bedingungen hier sind so schnell wie an einem Hallenturnier. Aber das ist okay. Ich habe mich zurückgekämpft, bin hier, kämpfte und siegte sogar. Das ist ziemlich wunderbar.»

Die Nebenwirkung seines Überraschungssiegs ist die Ungewissheit, ob er heute überhaupt genug fit sein wird, um anzutreten. Falls nicht, stünde Federer kampflos in den Achtelfinals, wo er am Donnerstag auf den Sieger der Partie zwischen Gaël Monfils und Marton Fucsovics oder David Goffin zu spielen hätte.

Spätschicht für Bencic

Noch später als Gasquet kam am Montag in Madrid Belinda Bencic vom Platz. Sie strahlte nach ihrem verdienten Sieg über Swetlana Kusnezowa (7:6, 2:6, 6:3), sagte aber: «Normalerweise bin ich um diese Zeit im Bett.» Dafür kommt sie heute zu einem Ruhetag, während Karolina Pliskova und Kateryna Kozlowa (UKR) ihre dritte Gegnerin ermitteln.

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