«Ich will auch Spass haben»

Roger Federer sagt, wie er seine Rückkehr auf Sand erlebt, was er in Madrid und danach am French Open erwartet und was er von Wawrinkas Vorprellen im Fall Gimelstob hält.

Roger Federer bewies sich auf Sand schon mehrfach: Die Sand-Turniersiege des Baselbieters der letzten 10 Jahre. (Video: Youtube)
René Stauffer@staffsky

Eine Journalistin der französischen Sportzeitung «L’Equipe» versteht in Madrid die Tenniswelt nicht mehr. «Da hat Rafael Nadal elfmal Roland Garros gewonnen, und hier sprechen alle nur von Roger Federer.» Dass der 20-fache Grand-Slam-Sieger nach vier Jahren Unterbruch erstmals wieder das Madrid Open und erstmals seit drei Jahren wieder ein Sandturnier bestreitet, ist die Hauptstory vor dem Masters-Turnier in der Caja Mágica, wo er am Dienstag gegen Richard Gasquet oder den Spanier Alejandro ­Davidovich startet. Tatsächlich ist der Interviewraum am Sonntag überfüllt, als Federer auftaucht.

Spüren Sie die grosse Vorfreude auf Ihr Sand-Comeback?
Roger Federer: Ich kann es nicht abschätzen, weil ich noch nicht gespielt habe. Im Moment ist viel Blabla. Ich hoffe aber, dass es am Schluss nicht nur zwei Partien sind, hier und in Paris. Deshalb ist der Druck hier gross, ein paar ­Matches zu gewinnen. Und wenn ich dann auch drei, vier Runden in Paris überstehen könnte, wäre das schon gut. Dann könnte ich die Sandplatzsaison auch etwas geniessen, anstatt permanent unter Druck zu stehen.

Sie spielen nun seit drei ­Wochen auf Sand. Wie verlief die ­Vorbereitung in der Schweiz?
Bis jetzt war alles wunderbar. Ich habe sehr gut trainiert, bin körperlich in Form und habe grosse Lust, auf Sand zu spielen. Ich hatte genug Zeit für alles und konnte mein Programm wie ­geplant durchziehen, im konditionellen Bereich wie im Tennis. Zum Glück war das Wetter zu Beginn gut. Allerdings gab es dann auch einige windige Tage. Vor allem während zweier Tage, als ich mit Dan Evans trainierte, blies es unheimlich (in Felsberg bei Chur, Red.). Ich bin sehr zufrieden, wie ich durch die Aufbauphase kam.

Was galt es bei der Rückkehr auf Sand zu beachten?
Damit beschäftigten sich vor ­allem die Coaches, die alle Möglichkeiten in Betracht zogen. Um sich auf Sand und mit dem Rutschen wohlzufühlen, musst du aber einfach sehr viele Stunden trainieren. Der Druck auf die Oberschenkel und die Waden ist ganz anders als auf Rasen. Dort ist mehr die Explosivität gefragt, auf Sand mehr die Ausdauer. Da musst du schwer und hart arbeiten, um für alles bereit zu sein. Damit hatten wir aber schon im Dezember begonnen, weil die Chance gross war, dass ich wieder auf Sand spielen würde.

«Der Druck auf dieOberschenkel und Waden istganz anders als auf Rasen.»

Gab es im technischen Bereich spezielle Umstellungen?
Auf Sand hast du mehr Möglichkeiten, kannst mehr mit den Winkeln und der Ballhöhe spielen. Das macht es spannend und unterhaltsam. In den Trainings war es nicht sehr schwierig. ­Matches sind allerdings völlig anders, da zählt jeder Punkt. Obwohl meine Erwartungen nicht sehr hoch sind, weiss ich, dass vieles möglich ist. In Madrid spielt es sich wegen der Höhenlage immer schnell. Ich bin gespannt, wie es diesmal sein wird.

Weshalb tun Sie sich das ­überhaupt noch einmal an?
Ich betrachte es als grosse ­Herausforderung. Aber ich will es auch geniessen und Spass haben, es soll nicht nur Kampf und Krampf sein. Auch wenn es das brauchen wird, wenn ich durchkommen will. Von dem her bin ich recht frei im Kopf.

Ihre Söhne feiern am Montag den fünften Geburtstag. ­Werden Sie dabei sein können?
Sie kommen heute (Sonntag) nach Madrid, damit ich sie an ihrem Geburtstag sehen kann. Wir werden etwas Lässiges machen. Einen Ballon gibt es sicher.

«Ich bevorzuge es manchmal, hinter verschlossenen Türen zu diskutieren als über die Medien.»

Sie haben bestimmt die ­Entwicklung der Lage von Justin Gimelstob verfolgt, der sich nach seiner Verurteilung wegen einer Schlägerei entschloss, aus dem ATP-Board zurück­zutreten. Ihre Meinung dazu?
Das ist sicher der richtige Schritt, ich bin froh darüber. Er muss ­Abstand nehmen und seine Lage klären, und die Tennistour muss in diesen herausfordernden Zeiten nach vorne schauen.

Kann es sein, dass Chris ­Kermodes Vertrag als Chef der ATP nun doch verlängert wird? Gimelstob galt mit Novak Djokovic als Drahtzieher bei seiner Abwahl per Ende Jahr.
Darüber habe ich mir nicht viele Gedanken gemacht. Ich kenne die Abläufe nicht im Detail und weiss auch nicht, ob Kermode das überhaupt will. Ich habe ihn schon lange nicht mehr gesehen.

Und Djokovic? Haben Sie inzwischen mit ihm diskutiert?
Nein. Momentan gibt es auch nicht allzu viel zu bereden mit ihm. Wobei es schon gut wäre, irgendwann zu wissen, in welche Richtung er die Tour steuern will.

Denken Sie, der Fall ­Gimelstob hat der Tour geschadet? Stan Wawrinka vertrat in einem Brief an die Londoner «Times» die Meinung, das Tennis habe sich mitschuldig gemacht, weil sich lange kaum ein Opinion­leader gegen Gimelstob ausgesprochen habe. Teilen Sie den Vorwurf?
Ich werde nicht plötzlich über die sozialen Medien Dinge kommentieren, und befragt dazu wurde ich nicht. Zudem bevorzuge ich es manchmal, hinter verschlossenen Türen zu diskutieren als über die Medien, auch wenn ihr (Reporter) das lieber hättet.

Redaktion Tamedia

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