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In bester Verfassung und im Fokus

Roger Federer ist der grosse Favorit auf den Triumph an den ATP Finals in London. Rafael Nadal hofft derweil, den Titel, der ihm noch fehlt, diesmal zu gewinnen.

Die Nummer 2 als Gejagter: Roger Federer.
Die Nummer 2 als Gejagter: Roger Federer.
Keystone

Wer soll Roger Federer in London stoppen? Auf den ersten Blick niemand. Von den acht Teil­nehmern ist der Basler der Einzige, der an den ATP Finals schon triumphiert hat – und er ist in Form und hoch motiviert.

Braucht Roger Federers sen­sationelles Comebackjahr noch eine Krönung? Grundsätzlich nicht. Der Schweizer ist aber an der Gala der besten acht Tennisspieler des Jahres klarer Favorit. Er macht am Ende des Jahres trotz seiner 36 Jahre den frischesten Eindruck. Er spielt in der Halle immer gut, am ehemals Masters genannten Event ist er mit sechs Titeln Rekordhalter, und London ist der Ort, an dem er in seiner Karriere am meisten gewonnen hat: achtmal in Wimbledon, zweimal in der O2-Arena.

Für die ATP ist es ein Segen, dass Federer nochmals zu alter Stärke zurückgefunden hat. Ausser ihm ist von den Big 5 in London nämlich nur noch Rafael Nadal dabei – und um den Spanier ranken sich nach seinem Verzicht auf die Swiss Indoors und der Aufgabe letzte Woche in Paris-Bercy wegen Knieproblemen einige Fragezeichen. Ist Nadal fit, wäre ein Traumfinal zwischen den Spielern, die in diesem Jahr je zwei der vier Grand-Slam-Turniere gewonnen haben, logisch.

Zverev unter Zugzwang

Den restlichen Teilnehmern fehlt der Glamourfaktor, die Konstanz, die spielerische Klasse oder die Power. Am ehesten scheint Alex­ander Zverev, der in Federers Vorrundengruppe figuriert, zu einer Überraschung in der Lage. Der 20-jährige Deutsche ist mit den Siegen an den Masters-1000-Turnieren in Rom und Montreal (gegen Federer) der Aufsteiger des Jahres.

Allerdings ist er den Beweis (noch) schuldig ge­blieben, ein Mann für die ganz grossen Gelegenheiten zu sein. Bei den Grand-Slam-Events ist ein Achtelfinal in Wimbledon die enttäuschende Bestmarke. Eigentlich müsste sein Powertennis für die Bedingungen in der Halle wie geschaffen sein. Seit dem Finalsieg gegen Federer im August in Montreal gewann der Sohn des ehemaligen sowjetischen Tennisprofis Alexander Zverev senior allerdings gerade mal acht Partien – ein Top-20-Spieler gehörte nicht zu seinen «Opfern».

Gegen seine weiteren Vorrundengegner hat Federer eine hervorragende Bilanz. Als Erstes trifft er am Sonntag­nachmittag auf Jack Sock, der sich als erster Amerikaner seit Andy Roddick vor sieben Jahren für die ATP Finals qualifizierte. Der aufschlagstarke Sock legte einen eindrücklichen Schlussspurt mit dem Sieg in Bercy hin. Der 25-Jährige aus Nebraska hat in drei Spielen gegen Federer aber noch keinen Satz gewonnen.

Marin Cilic hatte seine Sternstunde 2014 mit dem Triumph am US Open, als er im Halbfinal Roger Federer nach allen Regeln der Kunst deklassierte. Der 1,98 Meter grosse Kroate konnte diesen Exploit aber nie bestätigen. Er etablierte sich dank seiner Konstanz zwar in den Top Ten und ist zum dritten Mal an den ATP Finals dabei, in Duellen mit den Topcracks ist er aber meist chancenlos. Gegen Federer hat er ausser der Galavorstellung am US Open sämtliche sieben Partien verloren, unter anderen dieses Jahr im Wimbledon-Final. Auch seine Bilanz in London mit einem Sieg und fünf Niederlagen spricht gegen eine Überraschung.

Nadals Ziel

Dennoch scheint Nadal eher die einfachere Gruppe erwischt zu haben. Er trifft auf den Debütanten Grigor Dimitrov, den Fast-Debütanten David Goffin (er kam letztes Jahr als Ersatzmann zu einem Einsatz) und den Öster­reicher Dominic Thiem, der seit seinem Erfolg im Juni am French Open gegen Novak Djokovic auf eine Halbfinalqualifikation oder einen Sieg gegen einen Top-20-Spieler wartet. Einem Nadal in Vollbesitz seiner Kräfte dürfte keiner der drei gefährlich werden können, auch wenn die Nummer 1 der Welt an den ATP Finals nur selten überzeugen konnte. Es ist der einzige Titel von Bedeutung, der in seinem Palmarès fehlt.

Die Chancen stehen so gut wie selten, diese Lücke zu schliessen – wenn da nicht ein Roger Federer in Glanzform und das lädierte Knie wären.

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