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«In gewissen Situationen hat er fast panisch reagiert»

Heinz Günthardt, einst selbst ein Weltklassespieler und heute Tennisexperte beim Schweizer Fernsehen, traut Roger Federer in Roland Garros alles zu – obwohl er von dessen Leistungen in Rom enttäuscht war.

«Wenn er ein gutes Gefühl bekommt und sich in einen Rausch spielen kann, ist er auf jeden Fall viel gefährlicher als Ferrer»: Heinz Günthardt glaubt, dass Roger Federer in Paris eine gute Rolle spielen kann.
«Wenn er ein gutes Gefühl bekommt und sich in einen Rausch spielen kann, ist er auf jeden Fall viel gefährlicher als Ferrer»: Heinz Günthardt glaubt, dass Roger Federer in Paris eine gute Rolle spielen kann.
Keystone

In einem Interview mit dem SRF-Online-Portal äusserte sich Heinz Günthardt optimistisch zu den French-Open-Chancen von Roger Federer. Die von Rafael Nadals Onkel und Trainer Toni Nadal geäusserte Ansicht, dass der Schweizer noch nicht einmal zum erweiterten Kreis der Favoriten zähle, teile er überhaupt nicht, erklärte der frühere Coach von Steffi Graf. Er sieht Federer, der wohl Jo-Wilfried Tsonga und David Ferrer schlagen muss, um in den Final zu kommen, hinter Nadal und Novak Djokovic als dritte Kraft – wie übrigens auch die Wettanbieter.

«Bei Ferrer hingegen muss man sich fragen: Schafft er es nach so vielen Anläufen tatsächlich einmal, die Besten zu schlagen? Dies ist ihm bislang bei grossen Matches noch nicht gelungen. Nur schon deshalb räume ich Roger die viel grösseren Chancen ein – auch was den Turniersieg angeht», so Günthardt. «Wenn er ein gutes Gefühl bekommt und sich in einen Rausch spielen kann, ist er auf jeden Fall viel gefährlicher als Ferrer.»

Federers Auftritte in Rom, wo er mit Siegen gegen Spieler, die nicht zu den Top 15 gehören, den Final erreichte, dort aber gegen Nadal nur vier Games gewann, haben dem Experten nicht gefallen: «Seine Leistung war nicht sehr gut, das müssen wir nicht schönreden. Roger hatte sich mit seinem aggressiven Spiel zwar einen Plan zurecht gelegt, hat dann aber regelrecht überdreht. In gewissen Situationen hat er fast panisch reagiert. Für mich lässt das den Rückschluss zu, dass er nicht mit sehr viel Selbstvertrauen ans Werk gegangen ist. Ich bin aber überzeugt, dass dieses Spiel im Hinblick auf Roland Garros eine wichtige Erfahrung war. Federer wird in Paris besser aussehen.»

Stanislas Wawrinka, der in Madrid erst im Endspiel gegen Nadal den Kürzeren zog, stuft Günthardt ebenfalls hoch ein: «Durch die Erfolge in den letzten Wochen hat er enorm viel Selbstvertrauen getankt. Es gibt keinen Grund, weshalb Stan nicht wie in Madrid weit kommen sollte. Wenn er den Rhythmus gefunden hat, ist er auch für die Top-Spieler ein äusserst gefährlicher Gegner.» Wawrinkas Problem ist, dass er sich in einem Tableauviertel mit Titelverteidiger Nadal befindet.

Für die Schweizer Nummer 2 sprechen laut Günthardt die enorm harten Schläge von der Grundlinie, die Nadal nicht möge: «Wenn jemand heiss läuft, dann kann Nadal sein Spiel nicht aufziehen. Heutzutage können gewisse Spieler so hart schlagen, dass es zum Teil gar nicht mehr relevant ist, gegen wen sie spielen. Aber es ist viel schwieriger, mit einem solchen Spielstil über drei Gewinnsätze zum Erfolg zu kommen. Deshalb räume ich Djokovic, der die Ballwechsel mitgehen und jederzeit beschleunigen kann, die grösseren Chancen ein, Nadal zu schlagen.»

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