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Jetzt lockt der Final

Nach dem 4:1-Heimsieg gegen Frankreich sind die Aussichten des helvetischen Fed-Cup-Teams rosig. Im Halbfinal gegen die Weissrussinnen sind die Schweizerinnen jedenfalls klar favorisiert.

Ein Herz und eine Seele: Captain Heinz Günthardt mit Belinda Bencic, Martina Hingis, Timea Bacsinszky und Viktorija Golubic.
Ein Herz und eine Seele: Captain Heinz Günthardt mit Belinda Bencic, Martina Hingis, Timea Bacsinszky und Viktorija Golubic.
Keystone

Kurz nachdem Belinda Bencic gegen Pauline Parmentier den Matchball verwertet und den Einheimischen gegen Frankreich den dritten und entscheidenden Zähler gesichert hat, tanzen die vier Schweizerinnen Arm in Arm im Kreis. Alle wirken glücklich. Auch Viktorija Golubic, die nicht zum Einsatz gekommen ist.

Auch Martina Hingis, die mit Abstand Älteste und Erfolgreichste des Quartetts. Und Timea Bacsinszky als Matchwinnerin sowieso. Die Waadtländerin hat, noch bevor der Halbfinaleinzug feststeht, ­gesagt: «Ich habe das totale Vertrauen in all meine Teamkolleginnen – in dieser Equipe gibt es keinen Röstigraben.»

«In dieser Equipe gibt es keinen Röstigraben.»

Timea Bacsinszky

Bacsinszky hat den Hang zum Dramatischen. Zumindest im Fed-Cup sind bei der 27-jährigen starke Emotionen quasi garantiert. 2016 waren in Luzern nach schwachen Leistungen gegen Tschechien Tränen geflossen, und das nicht zu knapp. In Genf ist Bacsinszky die Heldin.

Insgesamt fünfeinhalb Stunden dauerten ihre beiden Einzel, doch am Ende hatte sie zwei Punkte ins Trockene gebracht. Dem 7:5, 6:4-Sieg über Alizé Cornet liess sie einen 7:6, 4:6, 7:5-Erfolg über ­Kristina Mladenovic folgen.

Wespe und Känguru

Es waren Duelle auf hohem Niveau. Das sieht auch Mladenovic so: «Es braucht zwei gute Spielerinnen für einen Match von dieser Qualität. Es war ein toller Kampf, vom ersten bis zum letzten Ballwechsel», sagt die gross gewachsene Französin. Kritisch äussert sich die Nummer 3 der Doppel-Weltrangliste hingegen in Bezug auf das medizinische Time-out, das Bacsinszky bei 3:2 im dritten Satz nach einem Sturz am Netz und Schmerzen im linken Knie bezog.

«Nach der Pflege sprang sie auf wie ein Känguru und rannte schneller als zuvor.» Sie deutet an, ihre Gegnerin habe die Regeln missbraucht. Etwas Verständnis muss man für die frustrierte Verliererin aufbringen, denn Bacsinszky hatte sich schon gegen Cornet zweimal ­behandeln lassen – zuerst nach einem Wespenstich (!), dann bei 5:4 im zweiten Durchgang aufgrund eines Stechens im Oberschenkel.

Sie habe bei keinem Time-out an die Gegenseite gedacht, erzählt Bacsinszky und zeigt den Journalisten als Beweis das aufgeschürfte Knie. Später gewinnt sie an der Seite von Hingis auch noch das Doppel.

Sportlich ist der Event ein Erfolg, kommerziell sieht es anders aus. Der Fed-Cup ist kein einträgliches Geschäft; die Infrastrukturkosten sind ähnlich hoch wie im Davis-Cup, allerdings können nur für zwei statt für drei Tage Eintrittskarten verkauft werden. Zudem zieht Frauentennis generell weniger als Männertennis.

Ursprünglich hatte Swiss Tennis ein Stadion mit 6800 Plätzen in die Palexpo-Halle 7 bauen lassen wollen. Aufgrund enttäuschender Vorverkaufszahlen musste redimensioniert werden, letztlich wurden Tribünen mit einer Kapazität von 3850 Personen ­installiert. Voll waren, Ferienzeit und Prachtswetter sei Undank, auch diese nicht.

An beiden Tagen waren jeweils 3000 Zuschauer live dabei, rund 2600 davon als zahlende Kunden. Trotzdem war die Stimmung hervorragend, doch für den Verband wird laut Präsident René Stammbach ein Defizit in der Höhe von 300 000 bis 400 000 Franken resultieren.

Im Halbfinal favorisiert

Wie im Vorjahr steht die Schweiz also im Halbfinal. Diesmal sind die Chancen, sich fürs Endspiel zu qualifizieren, hervorragend. Am 22. und am 23. April wird die Schweiz auswärts auf Weissrussland treffen. Dessen Teamleaderin Victoria Asarenka ist am 20. Dezember Mutter eines Sohnes geworden und will erst im Sommer wieder ins Profitennis einsteigen.

Keine andere Weissrussin figuriert in den Top 100. Ein Sieg ist also Pflicht. «Wir wollen im April Gas geben und diesmal den Schritt in den Final machen», sagt Belinda Bencic am späten Abend.

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