Mirka Federer, die Seite-1-Frau

Britische Zeitungen verbeissen sich in den Disput zwischen ihr und Stan Wawrinka an den World Tour Finals in London.

Der Aufreger: Stan Wawrinka während des Halbfinals gegen Roger Federer. (Video: DailyMotion/ beIN SPORTS)

René Stauffer@staffsky

Miroslava Federer, die längst von allen nur noch Mirka genannt wird, gibt seit Jahren keine Interviews mehr. Trotzdem rückte die Ehefrau des 17-fachen Grand-Slam-Siegers nach den World Tour Finals unvermittelt in den Mittelpunkt, und noch am Dienstag fand sie sich prominent und gross im Bild auf Seite 1 des «Daily Telegraph» wieder.

Grosse Aufmerksamkeit für Mirka Federer im «Daily Telegraph».

In Anbetracht des wegen Federers Rückenproblemen ausgefallenen Finals griffen gerade britische Zeitungen, die sich wenig für den bevorstehenden Davis-Cup-Final interessieren, den Zwischenfall aus dem Halbfinal zwischen Federer und Stan Wawrinka dankbar auf. In diesem war es am Ende des 3. Satzes zu einem aggressiven Disput zwischen dem Waadtländer und der Frau des Weltranglistenzweiten gekommen.

Für die «Daily Mail» waren dieses Intermezzo und die Aussprache, die zwischen den beiden Schweizern im Anschluss daran um Mitternacht in der 02-Arena stattgefunden hatte, schon am Montag die grosse Story. Der «Telegraph» drehte die Schraube dann noch weiter und spekulierte sogar, Federer könnte wegen dieses Zwischenfalls den Final verpasst haben – weil er sich besser um seinen Rücken gekümmert hätte, als mit Wawrinka zu diskutieren.

Federer, der Wortführer

Wawrinka hatte sich gemäss diversen und übereinstimmenden Quellen gegenüber Mirka Federer bei 5:5 und Einstand im 3. Satz beschwert, da er sich durch ihre Anfeuerungen gestört fühlte in seiner Konzentration vor dem Return, worauf die 36-jährige Thurgauerin gekontert habe. «Crybaby» soll die frühere Top-100-Spielerin gemäss Auswertung der Fernsehbilder gesagt haben; er sei eine Heulsuse. Wawrinka hatte eben drei Matchbälle zum 6:4 und nun auch noch zwei Breakbälle zur 6:5-Führung vergeben und war sichtlich gereizt. Schiedsrichter Cédric Mourier versuchte, ihn zu beruhigen.

Gemäss dem «Telegraph» sollen die beiden Schweizer nach dem Match von Tennisfunktionären dazu aufgefordert worden sein, ihre Differenzen zu bereinigen, worauf es im Fitnessraum bei den Garderoben zu einer hitzigen, etwa zehnminütigen Debatte gekommen sei, in der vor allem Federer das Wort geführt habe.

John McEnroe hatte am Sonntag am TV-Sender ESPN als Erster erklärt, dass zwischen den beiden etwas vorgefallen sei, das sich am Samstag bis weit in die Nacht hineingezogen habe. Der New Yorker, schon immer vorlaut, brachte damit die Lawine ins Rollen. Der «Telegraph» spekulierte, dass diese Story nun auch den Davis-Cup-Final beherrschen könnte – umso mehr, als Federer und Wawrinka getrennt nach Lille reisten. Schlecht passt dazu nur, dass sich die beiden dort sogleich demonstrativ zum Gruppenfoto hinstellten, Arm in Arm, zusammen mit dem Rest des Teams.

Immerhin unterhielt der «Daily Telegraph» seine Leser mit der Story sowie einem Porträt über die frühere Tennisspielerin und Mutter von vier Kindern offenbar gut: Sie generierte innert Kürze über 150 Kommentare.

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