«Sie denken eben, sie seien etwas Besonderes»

Dass Roger Federer vor Rafael Nadal gesetzt ist, sorgt für Unmut. Onkel Toni Nadal gibt dem Spanier Rückendeckung.

  • loading indicator

Polemiken über die Gesetztenlisten gehören zu Wimbledon wie Erdbeeren mit Schlagrahm. Dieser Tage gehen die Emotionen besonders hoch. Dass ­Rafael Nadal hinter Novak ­Djokovic und Roger Federer die Nummer 3 ist, empfindet der Weltranglistenzweite als Majestätsbeleidigung. Und er kann dadurch heute bei der Auslosung der Hälfte von Djokovic zugelost werden, womit er schon im Halbfinal auf die Nummer 1 treffen könnte.

Nadal erhält prominente Rückendeckung. «Er sollte die Nummer 2 sein», tweetete der frühere US-Davis-Cup-Captain Patrick McEnroe, genau wie TV-Analyst Darren Cahill und der frühere Spitzenspieler Greg Rusedski. Auch Toni ­Nadal, Onkel und früherer Coach des Spaniers, kritisierte Wimbledons Setzung: «Das ist hässlich. Aber sie denken eben, sie seien etwas Besonderes. Wenn alle Turniere das machen würden, wäre es das komplette Desaster.»

Brisant ist, dass auch Djokovic die Rücksetzung Nadals als «überraschend» taxierte, denn der Serbe hatte 2018 selbst davon profitiert, dass Wimbledon die auf Rasen erzielten Punkte der letzten zwei Jahre prozentual aufwertet – jene der letzten zwölf Monate um 100 Prozent, dazu jene des besten Rasenturniers des vorangegangenen Jahres um 75 Prozent. Djokovic wurde als Weltnummer 31 auf Position 12 befördert und gewann letztlich das Turnier.

Federer liegt mit 6620 Punkten zwar klar hinter Nadal (7945), er gewann in den vergangenen zwei Jahren aber auf Rasen 3910 Punkte, Nadal nur 855. Dennoch sagte der zwölf­fache Paris-Sieger, er finde es nicht richtig, zurückgestuft worden zu sein. In den Jahren vor 2002 hatte in Wimbledon ein Ausschuss die Setzlisten nach eigenem Gutdünken erstellt, was regelmässig Ärger verursacht hatte. Schon damals standen oft Spanier im Zentrum, da viele von ihnen als Sandspezialisten galten. Albert Costa, Juan Carlos Ferrero und Alex Corretja hatten 2000 sogar mit Boykott gedroht, falls sie nicht gesetzt würden. Auch ihretwegen entschied sich Wimbledon, zu einer mathematischen Formel zu greifen für das Turnier der Männer. Das Frauenturnier respektiert die Weltrangliste, dort herrscht seither Ruhe.

rst

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt