Simona Halep bezwingt ihre Dämonen

Die Rumänin hat den Final der French Open gewonnen. Es ist ihr erster Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier.

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Simona Halep triumphierte – endlich – bei einem Major-Turnier. In ihrem vierten Final gewann die Nummer 1 der Welt Paris mit 3:6, 6:4, 6:1 gegen die Amerikanerin Sloane Stephens.

Das Aufatmen von Halep war förmlich zu hören. Bis in die hinterste Ecke des mit fast 15'000 Tennisfans gefüllten Court Philippe-Chatrier. 3:6 und 0:2 hatte sie gegen die US-Open-Siegerin zurückgelegen, es drohte die vierte Pleite im vierten Major-Final. Der Rückstand tat Halep aber besser als die klare Führung (6:4, 3:0), die sie im letztjährigen Final gegen Jelena Ostapenko verspielt hatte.

«Zuerst dachte ich: Alles ist weg»

«Als ich im zweiten Satz mit Break hinten lag, dachte ich: Alles ist weg. Also werde ich mich entspannen und den Match geniessen.» Das funktionierte formidabel. Halep gewann vier Games in Folge, musste Stephens nochmals auf 4:4 herankommen lassen und holte dann wieder sieben Games hintereinander.

Das 5:0 im Entscheidungssatz war dann genug Vorsprung, um nicht mehr nervös zu werden. Auch wenn Halep nach dem Spiel zugab: «Im letzten Game hatte ich das Gefühl, nicht mehr atmen zu können.»

Ein Traum wird wahr

Umso grösser war nach 2:03 Stunden die Erlösung. «Seit ich 14 Jahre alt war, habe ich davon geträumt, hier zu gewinnen», schwärmte die 26-jährige Rumänin. «Das ist mein Lieblingsort.» Zweimal hatte sie aber in Paris im Final verloren, dazu im Januar auch in Melbourne, jeweils in drei Sätzen. Diesmal verdiente sie sich den Sieg aber mit einer kämpferisch und strategisch hervorragenden Leistung.

Die beiden läuferisch und taktisch starken Finalistinnen schenkten sich nichts und boten den Zuschauern einen hochstehenden Schlagabtausch mit vielen intensiven und langen Ballwechseln. Ab Mitte des zweiten Satzes konnte Stephens ihre Kadenz nicht mehr ganz halten und beging sie plötzlich mehr Fehler als zu Beginn. Auch der dritte Satz war jedoch nicht so eindeutig, wie es das Schlussresultat glauben machen könnte.

«Das ist nicht die Trophäe, die ich wollte, aber sie ist auch schön», meinte Stephens, die in ihrem siebten WTA-Final erstmals als Verliererin vom Platz musste. Tatsächlich darf sie mit ihrem French Open zufrieden sein. Die 25-Jährige aus Florida ist nicht gerade als Sandplatz-Spezialistin bekannt und überraschte mit dem Finaleinzug. Sie wird sich am Montag in der Weltrangliste von Platz 10 auf 4 verbessern und ist damit erstmals beste Amerikanerin.

Cahills Drohung wirkte

Die Beste überhaupt ist aber Simona Halep - und das nicht mehr nur auf dem Papier. Sie hatte im Vorfeld des Finals allen erzählt, sie sei nicht mehr die gleiche und mental stärker geworden. Sie hielt Wort und gewann als zweite Rumänin nach ihrer heutigen Managerin Virginia Ruzici vor genau 40 Jahren die Coupe Suzanne Lenglen. Danach fiel der ganze Druck von ihr ab.

Halep vergrub das Gesicht in ihren Händen, vergoss für einmal ein paar Freudentränen statt solche des Frusts und kletterte in die Betreuerloge zu ihrem Coach Darren Cahill hinauf. Der Australier, der 1988 das ATP-Turnier in Gstaad gewann (gegen Jakob Hlasek) und bereits Lleyton Hewitt und Andre Agassi zur Nummer 1 geführt hatte, ist vielleicht das wichtigste Teil in Haleps Erfolgspuzzle. Er hatte sogar gedroht, sie zu verlassen, wenn sie ihre Emotionen auf dem Platz nicht besser in den Griff bekommen würde. Halep gehorchte und wurde nun verdientermassen belohnt.

Paris. French Open. Grand-Slam-Turnier (39,2 Millionen Euro/Sand). Frauen. Einzel. Final: Simona Halep (ROU/1) s. Sloane Stephens (USA/10) 3:6, 6:4, 6:1. – Junioren. Final: Tseng Chun Hsin (TPE/4) s. Sebastian Baez (ARG/1) 7:6 (7:5), 6:2. – Juniorinnen. Final: Cori Gauff (USA/16) s. Caty McNally (USA) 1:6, 6:3, 7:6 (7:1).

sal/fal/sda

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