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Turniersiege zum Sonderpreis

Dass Roger Federer und Rafael Nadal an den Swiss Indoors fehlen, dürfte der Grossteil der Zuschauer bedauern. Den Profis aus der zweiten Reihe eröffnet die Absenz der Superstars hingegen ungeahnte Perspektiven.

Die Swiss Indoors hat es schon gegeben, da war Roger Federer noch nicht einmal geboren. Und doch: Ohne Federer fehlt dem Basler Tennisevent das gewisse Etwas – es ist, als gäbe es in Bern die Aare oder in Paris den Eiffelturm nicht mehr. Die Tennisanhänger, und nicht nur jene aus der Schweiz, werden sich früher oder später an den Umstand, dass Federer nicht mehr für spektakuläre Ballwechsel und unterhaltende Interviews sorgt, gewöhnen, gewöhnen müssen.

Doch es schleckt keine Geiss weg: Tennis macht ohne Federer und Rafael Nadal weniger Spass. Das sieht auch Kei Nishikori so. Es sei traurig, hätten die beiden die Saison abgebrochen und seien nicht mehr zu sehen, sagt der ­Japaner. «Obwohl sie sehr stark sind, spiele ich gern gegen Roger und Rafa – auch, weil sie meine Idole sind.» Die Weltnummer 5 sagt aber auch: «Dass die beiden nicht dabei sind, eröffnet uns anderen die Chance, den Durchbruch zu schaffen.»

Neue Gesichter in London

Das Männertennis befindet sich im Wandel. Jahrelang war am Spitzenquartett, zu dem auch Novak Djokovic sowie Andy Murray zählen, kein Vorbeikommen. Etliche Spieler dürften innerlich die Titelhamsterer schon verflucht haben.

Doch nun bieten sich den ­Herausforderern immer mehr Möglichkeiten, sich in Szene zu setzen. Das gilt umso mehr, als Dominator Djokovic seit dem ­Gewinn des French Open ungewohnte Schwächen zeigt. Rund acht Turniersiege waren heuer zum Sonderpreis zu haben, weil Federer (0 ATP-Titel) und Nadal (2) oft nicht in Bestverfassung oder gar nicht angetreten sind. In der jüngeren Vergangenheit hatten die Rivalen pro Saison nämlich insgesamt rund zehn Pokale eingeheimst.

Die spezielle Ausgangslage lässt sich auch an den ATP World Tour Finals festmachen. Federer hatte von 2002 bis 2015 durch­gehend einen Platz im Feld der Top 8 beansprucht, Nadal sich von 2005 bis 2015 stets qualifiziert (allerdings viermal abgesagt). Für das «Race to London» werden noch diese und nächste Woche Punkte gesammelt. Drei Teilnehmer für das ATP-Finalturnier sind noch nicht bekannt, und etwas steht schon fest: Den Besuchern werden Mitte November in der O2-Arena zwei, vielleicht sogar drei neue Gesichter präsentiert.

Der Franzose Gaël Monfils ist in guter Ausgangsposition, der Österreicher Dominic Thiem hat es in den eigenen Händen, sich zu qualifizieren. David Goffin (BEL), Marin Cilic (CRO) sowie Roberto Bautista Agut (ESP)befinden sich noch im Rennen. Das sind alles gute Spieler, aber sie können bezüglich ­Anziehungskraft Nadal und Federer nicht gleichwertig ersetzen – nicht in London, aber auch nicht in der Zukunft.

Um die Fans rund um den Globus zu berühren, braucht es mehr als einen harten Aufschlag und eine gute Vorhand. Federer sowie Nadal überzeugen durch ihre aussergewöhnlichen Stile, viel Charisma, exemplarische Fairness – und jahrelang glänzten sich durch Konstanz auf höchstem Niveau. Gerade Letzteres geht den potenziellen Nachfolgern ab. Ein gutes Beispiel lieferte gestern in Basel Milos Raonic (ATP 4) mit der Erstrundenniederlage gegen Ricardas Berankis (ATP 91).

(ar)

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