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Unter Freunden

Im deutschen Halle gibt sich Stammgast Roger Federer vor Turnierbeginn entspannt. Ein paar Begegnungen möchte der Baselbieter aber schon gewinnen.

Man kennt sich: Ralf Weber (links), Direktor des Rasenturniers von Halle, überreicht Roger Federer im Sommer 2015 den Siegerpokal.
Man kennt sich: Ralf Weber (links), Direktor des Rasenturniers von Halle, überreicht Roger Federer im Sommer 2015 den Siegerpokal.
Thomas Starke

Für Roger Federer ist Halle ein bisschen wie ein Nachhausekommen, wie er selber sagt. Für die Veranstalter des Gerry Weber Open ist es mehr, ist der Baselbieter längst einer der ihren. Wen wunderts? Der 35-Jährige ist mit acht Titeln Rekordsieger in Ostwestfalen, Publikumsliebling sowieso. Das reicht dann auch aus, um eine Allee nach ihm zu benennen. In der Schweiz ist man da konservativer und erst später auf diese Idee gekommen.

Es verblüfft deswegen nicht, dass Federer bei seiner ersten Pressekonferenz vor Beginn des ATP-500er-Events mit Lobeshymnen überhäuft worden ist. Man habe in den letzten Monaten mit ihm jubiliert nach den grossen Siegen, man sei richtig glücklich gewesen. Das mag etwas gar pathetisch sein, aber es klang nicht aufgesetzt, sondern authentisch, ehrlich. Das Turnier in Halle ist stolz. Auf Roger Federer und auf den Fakt, dass Roger Federer gerne nach Halle kommt.

Lockeres Plaudern

Also wurde gescherzt, über seine Haarpracht im Jahr 2003 zum Beispiel, die Prinz-Eisenherz-Frisur. Federer lachte und sagte: «Früher war das mal schön.» Das musste besprochen sein. Kann man ja, so unter Freunden. Die Nummer 5 der Welt war ebenso in Plauderlaune, erzählte von seinen Töchtern: «Sie wären gerne mit mir gekommen, aber von der Planung her hat es nicht gepasst.» Sie hätten ihm dann angeboten, an seiner Stelle nach Halle zu reisen, damit der Papa zu Hause bleiben kann. «Noch habe ich aber so viel Macht, dass ich mich durchzusetzen vermochte», sagte Federer lachend.

Um Tennis ging es dann auch noch. Der 18-malige Grand-Slam-Sieger sagt, er fühle sich bestens, fühle sich frisch – obschon er am Sonntag dreieinhalb Stunden auf dem Platz gestanden sei. Und, wie er offen zugab, gegen Ende richtig schlecht gespielt habe. Beunruhigt wirkte er nicht. Die Niederlage gegen Kumpel Tommy Haas (39) von letzter Woche in Stuttgart, die trotz vorhergegangener zweieinhalbmonatiger Absenz erstaunte, scheint jedenfalls kein grösseres Nachdenken verursacht zu haben.

«Ich habe seitdem nicht einmal gross mit meinen Coachs Severin Lüthi und Ivan Ljubicic gesprochen», sagt Federer. Es sei schliesslich nicht alles schiefgelaufen. Gegen Ende sei er einfach nicht mehr befreit gewesen, und das reiche manchmal schon aus, um zu verlieren.

Simples Spiel

Was ihm aber – wie schon bei der anderen seiner zwei Saisonniederlagen – aufgefallen war: «Nach dem Match war ich extrem müde.» Das hänge vielleicht schon ein bisschen damit zusammen, dass er zuvor jeweils eine Pause eingelegt habe, er sich wieder an alles «erinnern» müsse. Nun gelte es, wie nach dem frühen Ausscheiden in Dubai, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Das heisst konkret: Simpler spielen zu Beginn eines Turniers, sicherer, mit etwas mehr Marge also, selbst wenn das gar nicht so einfach sei und langweilig sein könne – um dann ab den Viertel- oder den Halbfinals wieder näher an die Linien zu schlagen, wenn «du wieder blind weisst, was du tun musst».

Wiederholen soll sich das Szenario aber nicht unbedingt, ein paar Partien möchte Federer schon absolvieren: «Ich sage es mal so: Es wäre schön, wenn es klappen würde.» Die erste Hürde ist durchaus zu überspringen, wenn er auf den Taiwanesen Lu Yen-hsun (ATP 68) trifft, gegen den er die bisherigen drei Duelle ohne Satzverlust gewonnen hat. Die Begegnung findet wahrscheinlich morgen Dienstag statt, ansonsten am Mittwoch.

Über die Favoritenrolle muss dabei nicht gesprochen werden, das weiss auch der Schweizer: «Lu hat kein gutes Jahr bis jetzt, auf Rasen ist er aber nicht ungefährlich.» Die Auslosung habe es aber gut mit ihm gemeint und sei ganz okay. Allzu weit vorausblicken möge er aber nicht, aber er wisse, dass die Gegner schon noch stärker würden in allfälligen nächsten Runden. Er betont aber auch: «Nur wegen einer Niederlage in Stuttgart ist das Selbstvertrauen nicht gleich weg.»

Vor allem nicht in Halle, seiner «Oase», wo er alles kennt, alles angenehm ist. Ein bisschen wie zu Hause eben.

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