Von «danke Serena» bis zu «schäm dich, Serena»

Sexismus oder nicht? Nach dem Eklat beim US-Open-Final zwischen Serena Williams und Naomi Osaka gehen die Meinungen weit auseinander.

Ein unwürdiges Ende für ein sensationelles Turnier: Naomi Osaka kann die Tränen nicht zurück halten. Video: SRF

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Update: Serena Williams ist für ihr Fehlverhalten im Final vom US Open mit einer Busse von 17'000 Dollar bestraft worden. Die 36-jährige Amerikanerin hatte während der Zweisatz-Niederlage gegen die Japanerin Naomi Osaka drei Verwarnungen kassiert: für das Coaching ihres Trainers auf der Tribüne (4000 Dollar), für das Zertrümmern ihres Rackets (3000 Dollar) und für die Beleidigung von Stuhlschiedsrichter Carlos Ramos (10'000 Dollar).

Das Gute an Twitter ist ja, dass sich ein jeder bemerkbar machen kann. Das Schlechte an Twitter ist ja, dass sich ein jeder bemerkbar machen kann. Und so wird am grössten Stammtisch der Welt auch jetzt wieder eine debattiert, diskutiert und beleidigt. Aktueller Anlass: Der Final des US Open der Frauen, Naomi Osaka gegen Serena Williams, Newcomerin gegen Legende, Japan gegen die USA.

Dass Osaka das Spiel gewinnt, verkommt zur Nebensache. Denn als sie ihren schönsten Triumph feiern soll, da buht der Grossteil des Publikums. Nicht gegen Osaka, sondern gegen den Schiedsrichter Carlos Ramos. Was ist passiert? Williams wird während dem zweiten Satz dreimal verwarnt. Weil ihr Coach ihr aus der Box Anweisungen gibt (was er später zugab), weil sie ihr Racket zertrümmert und weil sie Ramos als Dieb und Lügner bezeichnet. Das Publikum stellt sich also hinter ihre Heldin und buht.

Und es buht virtuell weiter. Williams unterstellt Ramos Sexismus, weil viele Männer schon viel wüstere Beleidigungen als «Dieb» benutzten. Die weissrussische Tennisspielerin Victoria Azarenka sieht es gleich und findet in einem ersten Tweet nur die Worte: «Das ist BS.» Bullshit. Danach schreibt sie: «Bei einem Männerturnier wäre das nicht passiert.»

Beth Behrs, Darstellerin in der Sitcom 2 Broke Girls, sieht es ähnlich: «Es ist Zeit für eine Veränderung. Eine Frau sollte ihre Emotionen ausdrücken – nicht unterdrücken.»

Behrs macht in ihrem Tweet auch auf einen Vorfall von vergangener Woche aufmerksam. Da wechselte die Französin Alizé Cornet auf dem Court ihr Dress, weil sie es davor verkehrt rum trug. Dafür wurde sie umgehend verwarnt. Erst nach vielen negativen Reaktionen, unter anderem von der Tennis-Ikone Billie Jean King und der zweimaligen US-Open-Siegerin Tracy Austin, nahm der Verband den Entscheid zurück.

Apropos Billie Jean King, auch sie steht Williams zur Seite. Nachdem sie erst ganz fair Osaka zum Sieg gratuliert, macht sie im Ärger Luft.« Coaching sollte im Tennis immer erlaubt sein», schreibt sie auf Twitter, «eine Spielerin wurde für Aktionen ihres Coaches bestraft». Und: «Wenn eine Frau emotional wird, ist sie hysterisch und wird bestraft. WEnn ein Mann dasselbe tut, ist er einfach geradeheraus und es gibt keine Strafe.»

Fox, Behrs und King sind nur drei von unzähligen Prominenten, die ihre Meinung zum Final auf Twitter kund taten. Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton nennt Williams auf Instagram eine Inspiration, Schauspielerin Reese Witherspoon bedankt sich bei der 23-fachen Grand-Slam-Siegerin dafür, dass sie für die Frauen einstehe, und die ehemalige Weltnummer 1 bei den Männern, Andy Roddick, spricht von der schlechtesten Schiedsrichter-Leistung aller Zeiten.

Wo es für Fürsprecher gibt, gibt es meist auch Gegner. Im Fall Williams gegen den Sexismus ist das nicht anders. «Schäm dich, Serena Williams», titelt zum Beispiel die Aargauer Zeitung. Der Sexismus-Vorwurf sei völlig absurd und sie habe das doch nicht nötig. Und die Süddeutsche Zeitung: «Wer brüllt und beleidigt, muss die Konsequenzen tragen.»

Der Tennis-Korrespondent der New York Times, Ben Rohtenberg, sagt derweil, er sehe keine Schuld beim Schiedsrichter und es sei alles fair abgelaufen. Bobby Marks, NBA-Experte von ESPN schreibt: «Serena Williams sollte den Court einfach verlassen und nie mehr am US Open spielen.»

(red)

Erstellt: 09.09.2018, 18:41 Uhr

Artikel zum Thema

Sie hat sich alles so erträumt

Naomi Osaka eifert Serena Williams seit vielen Jahren nach. Das Duell, das die Japanerin schon im Schlaf beschäftigte, wird nun im Final von New York Wirklichkeit. Mehr...

Am besten war Serena Williams an der Siegerehrung

VIDEO Naomi Osaka hat das US Open dank einem 6:2, 6:4-Sieg in einem aussergewöhnlichen Match gegen Serena Williams gewonnen. Sie ist damit die erste Grand-Slam-Gewinnerin aus Japan. Mehr...

Osaka blieb cool, Serena Williams nicht

VIDEO Die 20-jährige Japanerin feiert ihren ersten Major-Titel – in einem US-Open-Final, der für viel Gesprächsstoff sorgt. Mehr...

Wettbewerb

Dank Hightech sicherer im Schnee unterwegs

Gewinnen Sie mit Bächli Bergsport und Mammut ein Lawinenverschütteten-Suchgerät der neusten Generation.

Kommentare

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Light- Abo.

Den Berner Oberländer digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...