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«Warum soll er nicht Wimbledon gewinnen?»

Heinz Günthardt glaubt, dass sich Stan Wawrinka nach der Startniederlage in Paris rasch fangen wird.

Das frühe aus am French Open macht auch einen Australian-Open-Sieger nachdenklich: Stanislas Wawrinka.
Das frühe aus am French Open macht auch einen Australian-Open-Sieger nachdenklich: Stanislas Wawrinka.
Keystone

Die Lücken in der zweithöchsten Favoritenkaste wurden in Paris auch gestern grösser: Nach Stan Wawrinka und Kei ­Ni­shi­kori scheiterte mit Grigor Dimitrov ein weiterer hochgehandelter Aufsteiger schon in der Startrunde; der Bulgare fand gegen den Riesen Ivo Karlovic kein ­Rezept. Auch Wawrinka wurde nochmals zum Thema: Weil die Chinesin Li Na scheiterte, sind erstmals die beiden letzten Grand-Slam-Sieger beim nächsten dieser Turniere im Startspiel ausgeschieden.

Auf Schweizer Seite ging derweil die Aufarbeitung von Wawrinkas 4:6, 7:5, 2:6, 0:6 gegen Guillermo García-López weiter – eine «veritable Ohrfeige», wie «L’Equipe» schrieb. Magnus Norman, der Coach, hatte vor den Tücken der ersten Runde gewarnt, war für Interviews aber nicht verfügbar – der Schock sass beim Paris-Finalisten von 2000 wohl noch zu tief. Heinz Günthardt, 1985 erster Schweizer Achtelfinalist der Profiära in Paris, vertrat derweil die Ansicht, dass sich jene Qualitäten, die Wawrinka so stark gemacht haben, für einmal gegen ihn gewendet hätten.

Ohne Marge und Ruhe

«Er hätte sich etwas mehr Marge geben sollen, doch er blieb extrem aggressiv», sagte Günthardt. «Er ging wohl davon aus, dass das schon klappen würde. Denn so pflegte er zuletzt ja regelmässig seine Gegner wegzudrücken.» An diesem Tag habe ihm dazu aber die innere Ruhe gefehlt, er habe überhastet gespielt und sich auch zwischen den Ballwechseln zu wenig Zeit gelassen. «Ein anderer Faktor war, dass er mit dem Aufschlag viel weniger Freipunkte gewann als gewohnt. Er musste jeden Punkt erkämpfen, und das gegen einen sehr guten Gegner.»

García-López gab zu, dass er Respekt vor einem allfälligen Unterbruch wegen Dunkelheit gehabt hatte. Doch Wawrinka tat ihm den Gefallen, die Sätze 3 und 4 in nur 60 Minuten zu verlieren – womit die Partie als letzte des Montags doch noch zu Ende ging. Dabei war sogar zu sehen, wie der Waadtländer schon während des vierten Satzes demoralisiert seine Sachen zu packen begann. «Der Unterschied lag heute im Kopf», sagte der 30-jährige García-López (ATP 41), der in bisher 38 Grand-Slam-Turnieren stets vor den Achtelfinals ­gescheitert ist. «Körperlich ist Wawrinka gleich stark wie Nadal und Djokovic, aber vom Mentalen her ist er ihnen unter­legen, und das gab den Ausschlag.» Aus spanischen Kreisen war auch zu hören, dass Nadal über das frühe Aus des Lausanners nicht unglücklich gewesen sei.

Günthardt erwartet nicht, dass die Niederlage viele negativen Folgen haben wird. «Es geht im Tennis extrem schnell weiter. Bereits steht die Rasensaison mit Wimbledon bevor, und das wird ihm ­helfen», sagte der TV-Kommentator. Im All England Club wird der Romand in dreieinhalb Wochen wieder einmal ohne grosse Erwartungen antreten können, hat er doch dort in den vergangenen vier Jahren nur einen Gegner besiegt und stets gegen Aussenseiter verloren: Istomin, Bolelli, Melzer und, beim letzten Start, Hewitt.

Federer kämpft um Rang 3

«Es gibt keinen Grund, warum er auf ­Rasen nicht super spielen sollte mit seinem Aufschlag und seinem aggressiven Spiel», sagte Günthardt. «Warum soll er nicht Wimbledon gewinnen? Es gibt genügend Beispiele von Spielern, die plötzlich heiss laufen, wenn sie dort einmal zwei Runden überstanden haben.» Der Lausanner bewies schon mehrfach, dass er auch auf Rasen stark ist. 2008 und 2009 hatte er in Wimbledon die Achtelfinals erreicht und auch gegen Marat ­Safin und Andy Murray gut mitgehalten.

Der Lausanner ist als erster Monte-Carlo-Sieger seit 1986 (Nyström) in Paris sogleich gescheitert. Er schloss selber nicht aus, dass die Niederlage auch gute Seiten haben könnte. «Es gibt solche Tage, und die muss ich akzeptieren. Vielleicht wirkt sich das positiv auf den Rest meiner Saison aus und hilft mir, meine Situation klarer zu sehen und ­herauszufinden, was ich damit machen möchte.» Zumindest in der Weltrangliste hält sich der Schaden in Grenzen. Obwohl er 2013 im Viertelfinal stand, könnte er bis nach Paris die Nummer 3 bleiben. Murray und Ferrer können ihn nur mit einem Turniersieg überholen, Berdych mit einer Finalteilnahme. Am gefährlichsten ist Roger Federer, dem ein Halbfinal genügen würde.

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