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Wie gut ist Federers Konkurrenz?

Viele junge Spieler sorgen im Tenniscircuit für Schlagzeilen, auch derzeit am Masters-Cup in Shanghai. Heinz Günthardt beurteilt deren Potenzial.

Roger Federers stärkste Gegner heissen längst nicht mehr Andy Roddick und Lleyton Hewitt, sondern zählen schon zur nächsten Spielergeneration. Rafael Nadal, die Nummer 1 der Welt, ist erst 22-jährig, Novak Djokovic sogar noch ein Jahr jünger. Der Spanier und der Serbe gehören zum Klub der Major-Gewinner und haben sich durch konstante Topleistungen längst an der Weltspitze etabliert. Im Schatten des Duos Nadal/Djokovic sorgen immer mehr Tennisprofis mit Jahrgang 1985 und höher für Furore. Andy Murray, auf den Federer im letzten Gruppenspiel trifft, Jo-Wilfried Tsonga und Juan Martin Del Potro zum Beispiel nehmen diese Woche erstmals am Masters-Cup teil. Der ehemalige Spitzenspieler Heinz Günthardt, der für das Schweizer Fernsehen als Experte und Ko-Kommentator in Shanghai weilt, äussert sich in der Folge zu den Qualitäten und Perspektiven der jungen Emporkömmlinge.

Andy Murray (21-jährig/Scho/ATP 4): «Er ist der Talentierteste von allen Aufsteigern. Seine Beinarbeit ist hervorragend, und er kann den Ball früh, das heisst, kurz nachdem er aufgesprungen ist, zurückschlagen, vor allem mit der Rückhand. Zudem ist sein erster Aufschlag sehr stark. Seine grösste Schwäche ist der zweite Service; und wenn es ihm nicht läuft, ist die Vorhand oft wackelig. Vom Leistungsvermögen her gehört Murray schon jetzt zur Gruppe mit Nadal, Federer und Djokovic. Ob er bereits konstant genug ist, 2009 in den Kampf um die Nummer 1 einzugreifen, ist eine andere Frage.»

Jo-Wilfried Tsonga (23/Fr/ATP 7): «Sein Spiel basiert auf zwei Schlägen: Er verfügt über eine starke Vorhand und einen der besten Aufschläge. Zudem ist er für einen Spieler mit seiner Statur athletisch gut in Form. Bei der Rückhand hat er hingegen ein technisches Defizit, und auch das Netzspiel ist noch nicht ausgereift. Tsonga hat die Fähigkeit, heisszulaufen, und gehört damit auch an Grand-Slam-Events zum Kreis der Titelanwärter, aber ich denke nicht, dass er sich in der Weltrangliste langfristig ganz vorne einnisten kann.»

Juan Martin Del Potro (20/Arg/ATP 8): «Er verfügt über solide, satte Grundschläge und einen starken Service, wobei die Körpergrösse von 1,98 in dieser Hinsicht ein Vorteil ist. Er hat allerdings auch erhebliche Schwächen: In der Defensive verkörpert er nicht Weltklasse, und sein Netzspiel ist quasi inexistent. Ich sehe Del Potro nicht ganz vorne, es sei denn, er kann sich athletisch entscheidend verbessern.»

Stanislas Wawrinka (23/Sz/ATP 13): «Er verfügt über extrem satte Grundschläge und kann daher von der Grund-linie aus viel Druck entwickeln. Bei ihm ist eine klare Spielart erkennbar. Doch diese Stärke wird gelegentlich zur Schwäche. Er verfügt über keinen Plan B; wenn es ihm nicht läuft, wirkt sein Spiel sehr maschinell. Zudem hat er weder die Athletik von Monfils noch das Gefühl von Murray, trotzdem sehe ich noch Steigerungsmöglichkeiten, denn Beharrlichkeit ist auch ein Talent. Als Anwärter auf einen Grand-Slam-Titel betrachte ich Wawrinka aber noch nicht, denn im Verlauf der zwei Wochen gibt es immer Momente, in denen man etwas Spezielles auspacken muss. Dass er das kann, hat er bisher nicht bewiesen.»

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