Zuversicht, Zauberschlag und einige Selfies

Roger Federer und Grigor Dimitrov geniessen in Wim­bledon die Ruhe am spielfreien Sonntag. Am Montag treffen die beiden am Supermontag aufeinander. Der Schweizer wirkt vor dem Duell mit dem Bulgaren äusserst optimistisch.

Posieren nach dem Training: Etliche Junioren wollen sich mit Roger Federer fotografieren lassen.

Posieren nach dem Training: Etliche Junioren wollen sich mit Roger Federer fotografieren lassen.

(Bild: Keystone)

Adrian Ruch

Am Middle Sunday herrscht auf der gepflegten Anlage des All England Lawn Tennis Club die Ruhe vor dem Sturm. Zu sehen sind nur trainierende Spieler mit ihren Betreuern, eine kleine ­Anzahl Medienschaffender und Turniermitarbeiter.

Minime Hektik kommt nur auf, wenn einer der Superstars im Aorangi Park, dem Trainingsgelände, erscheint. Als am Mittag Rafael Nadal auftaucht, sprinten rasch ein paar Fotografen in Position. «Es ist der beste Tag, du hörst fast nur den Ton, den die Bälle erzeugen, wenn sie auf die Bespannung treffen», sagt Grigor Dimitrov. «Es ist ein spezielles Gefühl und zaubert ein Lächeln in mein Gesicht.» Der Bulgare wird heute auf dem Centre-Court (Spielbeginn kaum vor 18 Uhr) Roger Federers Achtelfinalgegner sein.

«Es ist der beste Tag, du hörst fast nur den Ton, den die Bälle erzeugen, wenn sie auf die Bespannung treffen.»Grigor Dimitrov

Der Schweizer löste am Samstag die knifflige Aufgabe gegen Serve-and-Volley-Spezialist Mischa Zverev mit 7:6 (7:3), 6:4, 6:4 relativ souverän. Nur als der Deutsche im ersten Satz bei 5:5 zu einem Breakball kam, befand sich der Favorit in einer «delikaten Situation», wie er selber sagt. Er löste sie im Stil eines Champions: mit einem Ass. Und in der Folge hatte er das Geschehen im Griff. Es gelang dem Schweizer zwar nicht alles, aber doch vieles.

Duell mit der Kopie

Federer ist mit der ersten Turnierwoche zufrieden. Seine Erkältung habe ihm fast mehr Probleme bereitet als die Gegner, betont er. Es gehe ihm nun aber viel besser. «Ich hoffe, am Montag wieder bei 100 Prozent zu sein.» Nach seinen vier Turniersiegen in dieser Saison strotzt der 35-Jährige vor Selbstvertrauen; darauf deuten seine Aussagen hin.

Viele reden ihre Gegner stark, Federer sagt über Dimitrov (ATP 11): «Ich habe von ihm in den letzten Jahren viel mehr erwartet.» Er hebt zwar dessen starken Saisonstart hervor, verweist aber auch darauf, dass Dimitrov danach in ein Loch fiel und in Wimbledon von einer einfachen Auslosung profitiert hat. «Er hat es sehr locker in die zweite Woche geschafft, ich hoffe, das wird ihm gegen mich zum Verhängnis.» Speziell sei das Duell, «weil er sehr ähnlich spielt wie ich».

«Er hat es sehr locker in die zweite Woche geschafft, ich hoffe, das wird ihm gegen mich zum Verhängnis.»Roger Federer

Mit Federer sind auch die anderen Mitglieder der «Big 4» problemlos in den Achtelfinal vorgestossen, wobei bisher einzig Andy Murray einen Satz verloren hat. Das ist für den Schweizer keine Überraschung. Er habe angenommen, dass alle ihre Form finden würden. Seine Hauptkonkurrenten treffen heute allesamt auf schwächere Gegner als er selber: Murray (ATP 1) bekommt es mit Benoit Paire (ATP 46) zu tun, Nadal (ATP 2) mit Gilles Muller (ATP 26) sowie Novak Djokovic (ATP 4) mit Adrian Mannarino (ATP 51).

Trotzdem: Federer macht nicht den Eindruck, als sei er beunruhigt. Selbst bei Nadal, der in Paris und Wimbledon mittlerweile 30 Sätze in Folge gewonnen hat, erkennt er noch eine kleine Schwäche. «Rafa hat bisher gut gespielt. Er begann jeweils sehr stark, geriet dann aber manchmal ins alte Fahrwasser und machte nicht mehr konsequent Druck. Aber es ist halt in seiner DNS, dass er den Ball gern im Spiel hält.»

Rund 15 glückliche Junioren

Während an diesem spielfreien Sonntag die meisten am Mittag trainieren, hat Roger Federer erst ab 16.30 Uhr einen Platz reserviert. Um diese Zeit ist es noch ruhiger als sonst schon. Der siebenmalige Wimbledon-Champion schlägt mit Coach Ivan Ljubicic Bälle. Obwohl er sich körperlich nicht anstrengt, gelingt es ihm immer wieder, die Zaungäste zu beeindrucken. Es haben sich gegen hundert Leute versammelt, um den Superstar zu bestaunen.

Obwohl er sich körperlich nicht anstrengt, gelingt es ihm immer wieder, die Zaungäste zu beeindrucken.

Spektakulär sind insbesondere einige Vorhandpassierbälle. Und dann versucht Federer beim Volley der Filzkugel so viel Drall zu verleihen, dass sie nach dem Aufprall gleich wieder übers Netz zurückspringt. Es gelingt ihm bereits im zweiten Anlauf.

Als er sein Tagwerk beendet hat, bricht doch noch etwas Unruhe aus. Etwa 15 Juniorinnen und Junioren wollen ein Selfie mit Federer ergattern. Dieser lächelt geduldig in die Handykameras – im Wissen, dass am heutigen Supermontag der Stress bedeutend grösser sein wird.

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