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Von Patienten und Heilsbringern

Wacker Thun beschliesst die Qualifikation mit einer Niederlage in Schaffhausen und geht dennoch als Leader in die sechswöchige Winterpause. Unser Blick auf eine ereignisreiche erste Saisonhälfte.

Eine von vielen Paraden: Marc Winkler, Gewinner der Vorrunde.
Eine von vielen Paraden: Marc Winkler, Gewinner der Vorrunde.
Christian Pfander

Die Serie bricht. Nach acht Meisterschaftssiegen in Folge verliert Wacker in Schaffhausen, die Thuner unterliegen den Kadetten 27:32. Partie und Ergebnis sind von beschränkter Aussagekraft, die vor rund 1000 Leuten aus­getragene Begegnung wurde gerade von den Gästen mit angezogener Handbremse bestritten. Nach 35 Minuten war das Skore aus­geglichen, obwohl Marc Winkler, der in dieser Saison oft so überzeugende Keeper der Berner Oberländer, nicht geglänzt hatte.

Martin Rubins Mannschaft ist Qualifikationssieger und startet im Februar mit einem Vorsprung von zwei Punkten auf Schaff­hausen und Winterthur in die Finalrunde. Als Spitzenreiter in die Winterpause gegangen war Wacker zuletzt 2012/2013. In derselben Saison wurden die Thuner Meister, zum bisher einzigen Mal. Folglich ein paar Gedanken rund um die Oberländer nach deren ausgezeichneter Vorrunde.

Dabeisein ist diesmal nicht alles: Nie hatte Wacker ein besseres Kader als heuer. Und die Kon­kurrenz schwächelt, weder die Kadetten noch die Pfader blicken auf uneingeschränkt gelungene Darbietungen zurück. Alles andere als der zweite Meistertitel in der Klubgeschichte dürfte nach dem Qualifikationssieg und dem Aus im Cupachtelfinal als Enttäuschung gewertet werden.

Vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger: Schlussmann Winkler, hoch begabt und routiniert, war in der letzten Saison zuweilen ein Ärgernis gewesen, er hatte einzig in den Playoffs überzeugt. In der ersten Hälfte der aktuellen Spielzeit hielt keiner besser als der 29-Jährige. Das Eigengewächs war konstant stark. Nationalcoach Michael Suter täte gut daran, Winkler für den Yellow-Cup Ende Monat in Winterthur und für die WM-Qualifikationsspiele im Januar als Back-up Nikola Portners aufzubieten, zumal Simon Kindle und Flavio Wick, ein anderer Thuner, zuletzt nicht brillierten.

Berechenbare Spektakelmacher: Die Oberländer spielen den attraktivsten Handball hierzulande. Das ist vornehmlich das Verdienst der Aufbauer Lukas von Deschwanden und Lenny Rubin. Von den Ausnahmekönnern haben sich die Thuner abhängig gemacht. Meister werden sie nur, wenn die beiden Nationalspieler fit bleiben und in den Playoffs zur Verfügung stehen. Eine Bereicherung wäre die Rückkehr des kongenialen Nicolas Raemy.

Tolle Perspektiven und die grosse Unbekannte: Die Thuner sprechen auch deswegen so offen wie nie vom Gewinn des Meistertitels als Ziel, weil sie wissen, dass die Chancen in den Jahren danach kaum grösser sein werden. Rubin verlässt den Klub im Sommer, er wechselt in die Bundesliga; das ist fix. Zumindest nicht auszuschliessen ist der Rücktritt von Captain Roman Caspar, einem weiteren etablierten Aufbauer. Rückraumakteure an Bord holen müssen die Berner Oberländer in jedem Fall. Auf dem Radar sein dürften Samuel Weingartner (Gossau), Tim Aufdenblatten (Suhr) und Luca Spengler (Kriens). Ein Ausrufezeichen und nicht völlig unrealistisch wäre die Verpflichtung von Roman Sidorowicz oder Filip Maros (beide Winterthur).

Ein Verbündeter als möglicher Widersacher: Der Spiezer Dragan Dejanovic hatte als einflussreicher Assistent Martin Rubins Wacker mitgeprägt, bevor er 2015 Cheftrainer des BSV Bern Muri wurde. Seit seiner Entlassung beim Kantonsrivalen ist der schweizerisch-serbische Doppelbürger vereinslos. Er könnte vom Vakuum profitieren, das in Kriens nach dem vorzeitigen Abgang von Heiko Grimm ent­standen ist, und die Luzerner coachen, bis im Sommer Goran Perkovac übernehmen wird. Dejanovic unterhält gute Kontakte in die Innerschweiz und hat ein Interesse daran, wieder ins Bewusstsein der Szeneangehörigen zu gelangen.

Fortschritte und Ausfälle: Wie in der letzten Saison beklagen die Topteams regelmässig Ausfälle. Trainer Rubin hat auf die rekordverdächtig lange Verletztenliste im Vorjahr reagiert und seinen besten Kräften öfter Pausen gewährt. In Vollbestand spielen konnten die Thuner trotzdem nie. Die Leistungsträger Jonas Dähler und Luca Linder verpassten den Grossteil der Vorrunde, Raemy arbeitet noch immer an seinem Comeback, von Deschwanden und Rubin mussten einzelne Partien auslassen.

Der neue starke Mann: Indem sie den Neurentner Georges Greiner als Präsidenten engagieren konnten, gelang den Thunern ein kleiner Coup. Der langjährige Oberrichter verhält sich geschickt und hat gezielt Korrekturen angebracht, beispielsweise die Geschäftsstelle ins Stadtzentrum verlegt, was die Präsenz des Klubs erhöht.

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