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50 Jahre Berner Boxgeschichte

Alain Chervet ist am Donnerstag im Kursaal das Aushängeschild des 50. Boxing Day (ab 15.30 Uhr). Sein Onkel Fritz Chervet prägte die Anfangszeit des traditionellen Berner Meetings.

Heinz Heim

Der Boxing Day feiert sein 50-Jahr-Jubiläum. 1969 verlor das Aushängeschild, der Berner Fritz Chervet, den Kampf damals noch in Zürich gegen den Schotten John McCluskey. In Bern sorgten in den 70er-Jahren auch Max Hebeisen oder Eric Nussbaum für spannende Kämpfe. Enrico Scacchia, Mauro Martelli und Sepp Iten prägten die 1980er-Jahre.

Stefan Angehrn trat in den 90ern auf. Nach der Jahrtausendwende dominierte Yves Studer den «Boxing Day». Neben ihm stiegen unter anderen Arnold Gjergjaj, Nuri Seferi, Riad Menasria oder die Frauen Christina Nigg, Nicole Boss und Aniya Seki in den Ring. Seit 2012 prägt Alain Chervet den «Boxing Day». Diese Zeitung stellt aus jedem Jahrzehnt einen Protagonisten des Berner Meetings vor.

Chervet: der Box-Clan

Prägte die 70er-Jahre und feierte 1972 in Bern den Europameistertitel: Fritz Chervet, die «Berner Fliege». Bild: Keystone
Prägte die 70er-Jahre und feierte 1972 in Bern den Europameistertitel: Fritz Chervet, die «Berner Fliege». Bild: Keystone

In den 60er- und 70er-Jahren prägten die Berner Chervet-Brüder die Schweizer Box-Szene. Ernst holte vier, Walter gar sechs Amateur-Meistertitel. Paul und Fritz wechselten ins Profi-Lager. Zu Ruhm und Ehre gelangte vor allem aber Fritz Chervet (77), der seiner Körpergrösse (1.65 m) und seinen maximal 50,8 Kilo Kampfgewicht wegen meist nur «Fritzli»gerufen wurde. In der Fliegengewichtsklasse boxte Fritz Chervet mehrmals um den Europa- und den Weltmeisterschaftstitel. Im März 1972 holte sich die «Berner Fliege» in der Festhalleden EM-Titel gegen den Italiener Fernando Atzori. Fünfmal verteidigte Chervet den Gürtel in der Folge.

«Fritzli»mobilisierte die Boxfans, füllte die Hallen und Säle. Der vorab defensiv taktisch herausragende, eher filigran wirkende Kämpfer mit einem Kampfrekord von 59 Siegen (davon 25 durch K.o.), 9 Niederlagen und 2 Unentschieden, erklärte mit 34 Jahren seinen Rücktritt und zog sich sogleich gänzlich aus der Öffentlichkeit zurück. Bis zu seiner Pensionierung 2007 diente er als Bundesweibel den National- und Ständeräten im Bundeshaus.

Enrico Scacchia: der Berner «Rocky»

Enrico Scacchia (l.) begeisterte in den 80er-Jahren. Bild: Andreas Blatter
Enrico Scacchia (l.) begeisterte in den 80er-Jahren. Bild: Andreas Blatter

Enrico Scacchia, der Italo-Berner aus Bümpliz, wurde mit zwölf Jahren vom Box-Virus infiziert. Am TV verfolgte er Cassius Clay alias Muhammad Ali gegen George Foreman. Trainer Charly Bühler erkannte Scacchias Talent und feierte mit ihm 1980, 1981 und 1982 drei Schweizer Meistertitel im Halbschwergewicht. Von 60 Amateurkämpfen gingen nur drei verloren. 1982 dann der Wechsel ins Profilager. Scacchia bestritt 52 Profikämpfe, gewann 41, 8 Kämpfe gingen verloren, drei Auseinandersetzungen endeten unentschieden.

Denkwürdig war der Kampf von Scacchia am Stephanstag 1986, als er in der Festhalle vor 3000 Zuschauern gegen den Finnen Uusivirta im offenen Schlagabtausch ein Unentschieden rettete, sich aber nachher an nichts mehr erinnern konnte. Im Streit distanzierte sich Scacchia später von Bühler. Es folgten der Lizenzentzug durch den Verband, diverse Gerichtsprozesse, öffentliche Beleidigungen, ein neuer Job als Taxifahrer, der Bezug von IV-Renten. Nach langer Krankheit starb die grösste Schweizer Boxhoffnung im vergangenen Juli.

Stefan Angehrn: IBF-Champion

Die 90er-Jahre gehörten dem Thurgauer Stefan Angehrn. Bild: Keystone
Die 90er-Jahre gehörten dem Thurgauer Stefan Angehrn. Bild: Keystone

Während Ende der 80er-Jahre der Berner Enrico Scacchia den Zenit seiner Karriere überschritten zu haben schien, stand der Thurgauer Stefan Angehrn ganz am Anfang seiner Profi-Karriere. Der Cruisergewichtler absolvierte in Bruno Aratis neuem Boxkeller (Box Fit Bern) etliche Sparringsrunden gegen Scacchia. 25 Profikämpfe (19 Siege, 5 Niederlagen, 1 Remis) – einmal auch unter Charly Bühler – bestritt der zielstrebige und akribisch trainierende Ostschweizer während seinen elf Jahren als Profi.

Zweimal kämpfte Angehrn auch gegen den Deutschen Ralf Rocchigiani, verlor jedoch beide WM-Titelkämpfe knapp nach Punkten. 1997 und 1998 holte sich der Frauenfelder gegen den Deutschen Thorsten May und gegen den Südafrikaner Dan Ward den IBF-Intercontinental-Champion-Titel.

Yves Studer: der «Pitbull»

Yves Studer (r.) war nach der Jahrtausendwende der Beste. Bild: Andreas Blatter
Yves Studer (r.) war nach der Jahrtausendwende der Beste. Bild: Andreas Blatter

In den Jahren 2004 bis 2011 etablierte sich Yves Studer als der erfolgreichste Schweizer Profi-Boxer. Studer, in Freiburg geboren, aufgewachsen im Aargau und mittlerweile in Bern wohnhaft, machte seinem Spitznamen «Pitbull»alle Ehre. Am Anfang tat er sich jedoch noch schwer. Pfiffe und verbale Attacken wie etwa «mach ändlech öppis»oder «dä cha ja nüt» waren etwa von den Zuschauerrängen im Kursaal zu hören. Doch der zähe Studer wurde technisch und taktisch immer besser.

Seine Statistik: 29 Kämpfe, 27 Siege (6 durch K.o.), 2 Unentschieden. Zwar wurde «Pitbull»Weltmeister im Mittelgewicht des kleinen IBC-Verbands und Meister der europäischen Nicht-EU-Staaten und holte weiter den Ost-West-Europa-Titel der IBF. Nie erhielt Studer jedoch die Chance zu einem WM-Fight der grossen Verbände WBA, WBC, IBF oder WBO. Eine langwierige Ellbogenverletzung sowie der grosse Frust über den geplatzten IBF-WM-Kampf sorgten dafür, dass Studer mit gerade mal 30 Jahren aufhörte.

Alain Chervet: 20. Profikampf

Das derzeitige Aushängeschild: Alain Chervet. Bild: Andreas Blatter
Das derzeitige Aushängeschild: Alain Chervet. Bild: Andreas Blatter

Klar, der Name verpflichtet. Von einem Chervet erwartet man einiges. Schliesslich war Alain Chervets quirliger und genialer Onkel Europameister und verlor seine beiden Weltmeisterschaftskämpfe nur knapp. Doch in jungen Jahren jagte Alain lieber dem Ball nach, spielte Fussball beim FC Zollikofen. Zwar schnupperte Chervet-Junior schon früh Boxkeller-Luft. Dennoch, erst mit 14 Jahren reifte bei ihm die Erkenntnis: Das ist mein Sport. 2008 holte sich Alain an den Schweizer Meisterschaften den ersten Titel bei den Junioren.

Während und auch nach seiner KV-Lehre trainierte der Leichtgewichtsboxer unter dem kürzlich verstorbenen Bruno Arati und Daniel Hartmann zielstrebig. 2012 wechselte er ins Profilager. 16 Siege bei einer Niederlage und 2 Unentschieden lautet sein Palmarès. Am Stephanstag bekommt es Chervet in seinem 20. Kampf mit dem im WBO-Ranking auf Platz 16 geführten und bis dato ungeschlagenen Chinesen Ju Wu (8 Siege, 0 Niederlagen, 2 Remis) zu tun.

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